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Lesen, lernen, Menschen treffen

Die Stadtbücherei Langen kommt gut an

07.11.2022
Stadtbücherei Langen [(c): Michael Schmidt]
Die Stadtbücherei wird gut besucht. Neben Jugendlichen und Erwachsenen freuen sich auch die Kinder über die vielen Medien und die ansprechende Atmosphäre. Foto: Michael Schmidt

Die 18-jährigen Schülerinnen Lavinia und Ana sitzen im Unterschoss der Langener Stadtbücherei an einem Tisch vor einem Tablet-Computer. Die Smartphones haben sie griffbereit, dazu mehrere Bücher in einem Tragekorb „Wir lernen gerade für Klausuren: Politik und Englisch“, sagt Lavinia. Ausleihen müssten sie hier nichts, erklärt sie. Alles nötige Material hätten sie in ihren Schulbüchern oder auf dem Tablet.

Allein den kostenlosen WLAN-Internetzugang hier nutzen die beiden. Die Schülerinnen sind typisch für den Alltag der Stadtbücherei. Das weiß auch ihr Leiter Thomas Mertin: „Wir werden sehr stark als Lernort genutzt. Man muss nur einen blanken Tisch mit Stühlen hinstellen – und schon ist er besetzt.“ Es gebe Tage, da seien alle Arbeitsplätze belegt. Studenten, Abiturienten und Schüler der Mittelstufe nutzen mittlerweile intensiv die Bücherei. In Sachen Corona ist hier wieder ein entspannter Alltag eingetreten. Desinfektionsmittel und Plexiglasscheiben an der Ausleihe erinnern aber weiterhin daran, dass die Pandemie noch ein Thema ist. Doch der Betrieb ist wieder voll im Gange. „Die Menschen kommen zurück“, freut sich Mertin. Ein letzter wichtiger Schritt sei der Wegfall der Maskenpflicht im Frühjahr gewesen. Er sagt: „Es ist sehr wichtig, dass man unsere Angebote wieder ohne Einschränkungen nutzen kann.“

Auch die Erwachsenen bevölkern wieder in großer Zahl die Bücherei. Die 84-jährige Eliane Wohlfart sitzt im hellen Zeitschriftenbereich und hat mehrere Magazine vor sich liegen. „Momentan bin ich öfter hier, zwei drei Mal in der Woche“, sagt sie. Ich lese die Langener Zeitung und Zeitschriften wie Écoute oder den Spiegel.“ Schon als Kind sei sie gerne in die Bücherei gegangen „Hier lenke ich mich ab, kann anderes machen als zu Hause, lese Romane und Biografien.“ Auch bei der Ausleihe brummt es wieder. „Beliebt sind natürlich Krimis, aber auch historische Familiengeschichten mit Frauen im Zentrum der Geschichte“, verrät Bücherei-Leiter Mertin. Ebenso Kinder- und Jugendbücher würden sehr gut ausgeliehen. Größter Renner sei die lustige Kinderbuchreihe „Gregs Tagebuch“. Im Grundschulalter kämen gerade Fantasy-Themen, fantastische Geschichten gut an. Ältere Kinder fragten wieder stärker Mangas, also aus Japan stammende Comics, nach.

Thomas Mertin erzählt von vielen positiven Rückmeldungen der Eltern, wenn es um das Kinder- und Jungendbuchangebot der Bücherei geht: „Sie haben moderne Kinderbücher!“, zitiert er die Eltern und sagt: „Wer Kinder erreichen will, muss moderne Formate anbieten und das machen wir.“ Die fortschreitende Digitalisierung, der Wandel der Medien, gehört zum Tagesgeschäft einer modernen Bücherei. „Die Nachfrage an CDs und DVDs geht zurück. Heute möchte keiner mehr eine DVD-Sammlung bei sich im Wohnzimmer haben“, erklärt Mertin. Stattdessen setzt er auf neue Schwerpunkte, hat nun Konsolenspiele und Tonies im Verleih. Tonies sind kleine bunte Kinderbuch-Figuren, manche davon Comic-Charaktere. Mit deren Hilfe lassen sich von einem Gerät Hörspiele oder Musik erst online herunterladen und dann abspielen. „Tonie-Figuren für Kinder sind momentan der Renner. Die Jungen und Mädchen kommen mit leuchtenden Augen bei uns herein und suchen sich ihre Figuren aus.“ Teilweise seien sie zu 93 Prozent ausgeliehen gewesen, stellt er fest. Unsichtbar hingegen ist das digitale Angebot der Internet-Bücherei „HessenOnleihe“. Besitzerinnen und Besitzer des Langener Büchereiausweises können es frei nutzen und haben damit Zugang zu tausenden Medien. Auch dies ist ein großer Erfolg.

In der Kinderabteilung der Stadtbücherei ist heute einiges los. In kleinen Sesseln sitzen Jungen und Mädchen und schmökern, während die Erwachsenen sich unterhalten. „Wir sind wieder attraktiver für Familien, dieser Bereich wird wieder gut genutzt. Sessel, Stühle, Kuscheltiere – alle sind zurück“, sagt Büchereileiter Mertin mit Blick auf die Aufenthaltsqualität auch für Kinder. Selda Tavman (44) ist mir ihren beiden Söhnen hier, einer ist sechs, der andere zehn Jahre alt. „Vor Corona war ich oft hier. Jetzt kommen wir gerne wieder“, sagt sie. Regelmäßig nutzt sie die Kinderabteilung. Ihr großer Sohn Kaan sagt über seine Vorlieben hier: „Ich mag Comics, aber am meisten komme ich wegen der Spiele und der Filme.“ Später ruft er hinterher: „Was ist was – Bücher finde ich auch toll!“ Auch Tanja Blameuser (39), ebenfalls Mutter von zwei Söhnen, ist hier gerne: „Bei schlechtem Wetter können wir hier noch etwas anderes machen als zu Hause“, sagt sie. „Ich finde gut, dass die Kinder hier selbst stöbern können.“ Ihr Einjähriger schiebt fleißig einen Sitzhocker über den Teppich, während der Ältere irgendwo zwischen den langen Bücherreihen unterwegs ist. „Die Auswahl ist riesig. Eine so große Menge an Bücher hätte ich niemals zu Hause“, schwärmt sie.

Die schwierige Weltlage – sie ist auch in der Stadtbücherei zu spüren, stellt Uwe Sandvoss fest. Der städtische Fachdienstleiter für den Bereich „Kulturelle Bildung“ vermutet: „Es kommen einige Leserinnen und Leser zurück, die länger nicht mehr da waren, weil sie den Kostendruck durch die Inflation spüren.“ Hier könnten sie mit 15 Euro Jahresgebühr eine Alternative zum Buchkauf wählen und Geld sparen. In Sachen Nachhaltigkeit sei die Stadtbücherei auch eine gute Wahl. Uwe Sandvoß ist überzeugt: „Wir stehen für weniger Ressourcenverbrauch. Der Ausleihbestand erreicht viele Menschen. Ein Buch, das ich kaufe, nutze ich hingegen vielleicht nur einmal.“

Zurück zu den beiden Schülerinnen vom Anfang: Warum lernen sie eigentlich in der Stadtbücherei? Sind Schule oder das eigene Zimmer nicht attraktiv genug? Ana sagt: „Hier kann man gut zusammenarbeiten, es sind keine kleinen Geschwister da.“ In der Schule wiederum gebe es keine Sitzplätze, aber andere Kinder, die stören. Lavinia fügt noch hinzu: „Hier kann man sich besser konzentrieren als zu Hause. Wenn man hier ist, hat man das Gefühl, man müsse aktiver sein.“

 

 

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