Die Heimat des Ebbelwoi

Streuobstwiesen gehören seit Jahrhunderten zur hessichen Kulturlandschaft. Auch in Langen gibt es noch zahlreiche Standorte, besonders im Osten der Stadt. Diese zählen zu den bedeutendsten im ganzen Kreis Offenbach. Die alten Bäume produzieren aber nicht nur die Äpfel für das "leckere Stöffsche Ebbelwoi", das in der Stadt am Sterzbach so beliebt ist. Sie bieten auch vielen bedrohten Tier- und Pflanzenarten ein Zuhause. Dazu gehören Siebenschläfer, Steinkäuze, Fledermäuse, Wendehälse oder Haselmäuse, die in den Baumhöhlen leben. Viele Insektenarten finden auf, in und unter ihnen ebenfalls Nahrungs- und Nistplätze.

Dieser wichtige Lebensraum braucht Pflege, denn sonst brechen die alten Bäume auseinander und Hecken und Sträucher verbuschen und verwandelt sich allmählich in Wald. In Langen konnten so bisher 15 ha Obstwiesen mit 700 Bäumen in den Gebieten "Im neuen Hain", "Am Springenweg" und "Am Albanusberg" erhalten werden. Finanziert wird dies vor allem durch die Vermarktung der Äpfel durch die Mitglieder der Mitglieder der Hessischen Apfelwein- und Obstwiesenroute aus Langen und Egelsbach. Sie helfen ehrenamtlich an zwei Tagen bei der Ernte und vermarkten den Apfelwein in den beteiligten Gaststätten und Betrieben. Ebbelwoi, Apfelbrand, Apfelweinbrot, Blütenhonig, Apfelmost und Apfelcidre werden unter dem Namen Siebenschläferprodukte verkauft. Sie sind unter anderem im Rathaus erhältlich. Der Siebenschläfer steht dabei stellvertretend für alle Tiere der Streuobstwiesen, deren Lebensraum mit dem Projekt erhalten werden soll. Die Apfelernte wird in der Langener Kelterei und Restaurant „Zum Haferkasten“ in der Langener Altstadt und in der Kelterei Stier aus Maintal-Bischofsheim gekeltert.

Der Siebenschläfer stellt sich vor

Der Siebenschläfer erinnert mit seinem bräunlich-grauem Fell an ein kleines Eichhörnchen. Mit dem buschigen, fast körperlangen Schwanz balanciert er. Im Herbst legt der Bilch ordentlich an Körperumfang zu und begibt in einen langen Winterschlaf von fast sieben Monaten. Daher hat er auch seinen Namen. Das nachtaktive Tier lebt gerne gesellig in kleinen Gruppen oder in Familien. Nachts klettern es sehr gewandt in dünnem Gezweig umher und vollführt zielsicher meterweite Sprünge. Als Lieblingsspeisen stehen Samen, Nüsse, junge Baumtriebe und Insekten auf dem Speiseplan.

Auch als Wetterprophet ist der Siebenschläfer bekannt: Nach einer alten Bauernregel: „Regnet es am Siebenschläfertag, der Regen sieben Wochen nicht weichen mag“ entscheidet sich am 27. Juni, dem so genannten Siebenschläfertag, das Schicksal des Sommerwetters. Diese Wetterregel ist zwar wissenschaftlich nicht haltbar, gibt aber eine häufig beobachtete Erfahrung wieder: In Mitteleuropa wird Ende Juni oft der Witterungscharakter des gesamten Sommers bestimmt.