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Rappelkiste wird erweitert

Stadt finanziert Ausbau der evangelischen Kindertagesstätte

12.09.2022
Rappelkiste Spatenstich [(c): Stadt Langen]
Symbolischer erster Spatenstich: Christine Großebörger (Geschäftsführerin der Gemeindeübergreifenden Trägerschaft für Kindertagesstätten Dekanat Dreieich-Rodgau), Friederike Fornefett (Leiterin der Rappelkiste), Bürgermeister Jan Werner, Pfarrerin Christiane Musch, Erster Stadtrat Stefan Löbig und Pfarrerin Stefanie Keller als Vorsitzende des Kirchenvorstands Langen (von links) freuen sich, dass der Ausbau der Rappelkiste nun begonnen hat. Foto: Schaible/Stadt Langen

In Langens ältestem Kindergarten sind die Bauarbeiter eingezogen: Die evangelische Kita Rappelkiste in der Uhlandstraße 24b wird erweitert. Bürgermeister Jan Werner und Erster Stadtrat Stefan Löbig nahmen kürzlich gemeinsam mit Christine Großebörger (Geschäftsführerin der Gemeindeübergreifenden Trägerschaft für Kindertagesstätten Dekanat Dreieich-Rodgau), Friederike Fornefett (Leiterin der Rappelkiste), Pfarrerin Christiane Musch und Pfarrerin Stefanie Keller (Vorsitzende des evangelischen Kirchenvorstands Langen) den symbolischen ersten Spatenstich vor. Eröffnung soll im Juni 2023 sein. Die Stadt finanziert den Ausbau mit rund einer Million Euro, wobei das Land Hessen dazu aus dem „Landesinvestitionsprogramm Kinderbetreuung 2020 – 2024“ einen Zuschuss von 250.000 Euro bewilligt hat.

1954 gegründet, werden in der Rappelkiste aktuell 50 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren betreut. Zurzeit sind sie mit ihren Erzieherinnen zu Gast im benachbarten Johannes-Gemeindezentrum, das sie während der einjährigen Bauzeit nutzen dürfen. Dafür mussten sich einige Gruppierungen der Kirchengemeinde anders arrangieren. „Dafür sind wir der Kirchengemeinde und allen Beteiligten sehr dankbar“, sagt Christine Großebörger.

Geschaffen werden 25 Ganztagsplätze, sodass künftig 75 Kinder in der Rappelkiste spielen, toben und lernen können. Dazu hat das Architektenbüro Roland Trägner ein entsprechendes Raumprogramm geplant. „Wir sind froh, dass Roland Trägner auch dieses Bauvorhaben betreut, denn er hat bereits den ersten Umbau der Kita 1999/2000 verantwortet und auch das Gemeindezentrum gebaut“, berichtet Pfarrerin Christiane Musch.

Die bestehende Kita bekommt einen neuen dritten Gruppenraum und ein zusätzliches Bistro. Der Verwaltungsteil ist schon in das ehemalige Gemeindehaus umgezogen und die Sanitärräume sowie die Küche werden umgebaut, damit sie für 75 Kinder ausreichen.

Seit über zehn Jahren fühlt sich die Rappelkiste der Freinet-Pädagogik verpflichtet. Diese von dem französischen Ehepaar Élise und Célestin Freinet bereits in den 1920er Jahren entwickelte Pädagogik legt einen Schwerpunkt auf die Entwicklung jedes einzelnen Kindes und dessen Fähigkeiten und Bedürfnissen. Darum gibt es für die Kinder viele Möglichkeiten, sich einzubringen und das Programm und die Angebote mitzubestimmen. Diese Partizipation wird in der Kita großgeschrieben. Es wird deswegen nicht in Gruppen gearbeitet. Das Konzept sieht eine offene Arbeit vor, bei der sich die Kinder – innerhalb einer festen Tagesstruktur – frei in den Funktionsräumen bewegen können.

„Die Freinet-Pädagogik ist Erziehung zur Selbstständigkeit, Erfahren der eigenen Möglichkeiten, Diskussion mit den anderen Kindern und Erwachsenen“, beschreibt Christiane Musch. „Es ist also Erziehung zur Demokratie von klein auf und Lernen, Rücksicht auf andere zu nehmen, die eigene Rechte wahrzunehmen und auch mit der Diversität und dem Anderssein der anderen Menschen positiv umzugehen.“

Darüber hinaus hat die Rappelkiste schon seit vielen Jahren den Schwerpunkt der Naturpädagogik und seit einigen Jahren den der Nachhaltigkeit. Bei der Frischkost wird auf jahreszeitliche Produkte gesetzt, nach neuesten ernährungswissenschaftlichen Erkenntnissen gekocht und geplant. Es wird weitestgehend auf Plastik verzichtet und im Sanitärbereich auf Papierhandtücher. „Auch das war eine Idee der Kinder selbst, die die Masse an Papier gesehen und nachgefragt haben: Gibt es da nicht eine andere Lösung?“, erklärt Leiterin Friederike Fornefett.

Nach dem Ausbau wird Bewährtes weitergeführt, aber auch Neues angeboten. Die drei Funktionsräume Bauen, Rollenspiel und Kreativraum bleiben bestehen. Das neue Bistro wird nicht nur zum Essen genutzt, sondern auch für einen neuen Schwerpunkt: Essen, Lebensmittel, Gemeinschaft am Tisch. „In heutigen Zeiten ist es wichtig, zu erfahren, woher die Lebensmittel kommen, die wir kennen oder kennenlernen“, sagt Friederike Fornefett. „Das gemeinsame Essen am Tisch wird für alle ein schönes Erlebnis. So wird das Bistro nicht nur ein Ort zum Essen, sondern auch ein Erfahrungsort für alle.“

Bürgermeister Jan Werner bot noch eine weitere Möglichkeit der Partizipation für die Kinder der Kita an, die von der Leitung gerne angenommen wird. Im kommenden Jahr sollen drei Bäume auf dem naheliegenden Spielplatz Birkenwäldchen gepflanzt werden und die Kinder der Rappelkiste werden Baumpaten sein. Sie werden sich um die Bäume kümmern und sie regelmäßig gießen.

„Wir sind sehr froh, dass wir den bereits seit 2018 geplanten Ausbau nun beginnen konnten“, betont Pfarrerin Christiane Musch. „Und wir freuen uns sehr, dass die Stadt den Ausbau gerade in dieser schwierigen Zeit finanziert und uns unterstützt.“ Bürgermeister Jan Werner lobt das Engagement der Evangelischen Kirchengemeinde in der Kinderbetreuung: „Der Ausbau der Rappelkiste schafft dringend benötigte Betreuungsplätze. Zudem bereichert die Einrichtung das breitgefächerte pädagogische Angebot in unserer Stadt. Und das nun schon seit Jahrzehnten.“

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