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Erfolgreich auf vielen Feldern tätig

Wirtschaftsförderung der Stadt Langen legt ihren Bericht vor

25.03.2019

Firmenneuansiedlungen und Bestandspflege, Standort- und Citymarketing, die digitalen Herausforderungen und die Breitbandversorgung. Die Wirtschaftsförderung der Stadt Langen ist auf vielen Feldern unterwegs und das offensichtlich sehr erfolgreich. Das wird deutlich, wenn man zum Beispiel die Entwicklung der Gewerbesteuer als Gradmesser anlegt. Diese wichtige Einnahmequelle hat sich seit 2014 mehr als verdoppelt. 2018 verbuchte die Stadt Einnahmen von 17,26 Millionen Euro und damit knapp drei Millionen Euro mehr als im Haushaltsansatz vorgesehen waren.

„Die Wirtschaftskraft der Kommune stärken und Arbeitsplätze schaffen und erhalten, das sind die vornehmen Ziele und Anliegen kommunaler Wirtschaftsförderung“, heißt es im Jahresbericht 2018, den die Organisationseinheit jetzt vorgelegt hat. Und wie bei der Gewerbesteuer geht es auch bei der Zahl der Beschäftigten in Langen nach oben. Innerhalb der vergangenen fünf Jahre kamen rund 1.000 hinzu, sodass jetzt etwa 15.000 Menschen in Langen ihr Geld verdienen – so viel wie noch nie.

„Bei den Aufwärtskurven spielt natürlich auch der brummende Konjunkturmotor eine Rolle“, sagt Bürgermeister Frieder Gebhardt. Doch die Anstrengungen der Wirtschaftsförderung unter ihrem Chef Joachim Kolbe würden sich ebenfalls auszahlen. Es reiche nicht aus, allein auf eine hervorragende Lage, beste Verkehrsanbindungen und die Nähe zu den benachbarten Großstädten zu vertrauen. Diese Pluspunkte hätten auch andere Städte. Ausschlaggebend seien auch die Kontakte innerhalb einer guten Netzwerkarbeit, die richtigen Botschaften und schnelle Entscheidungswege. „Und manchmal muss einfach die Chemie stimmen, wenn es darum geht, ob ein Unternehmen nach Langen kommt, hier bleibt oder bei uns expandiert“, bringt Gebhardt auf den Punkt, was Fachleute Beziehungsmanagement nennen.

So war es auch bei der Neuansiedlung der Firmen Erweka und Datalogic, zwei richtig große Fische, die für das Wirtschaftszentrum Neurott gewonnen werden konnten. Erweka ist der international führende Hersteller von Testgeräten für die pharmazeutische Industrie und verlegt von Heusenstamm seinen Firmensitz nach Langen an die Pittlerstraße. Dort hat das kontinuierlich wachsende Unternehmen ein repräsentatives Gebäude für seine rund 100 Beschäftigten errichtet, die in dieser Woche eingezogen sind.

Noch mitten im Bau ist die Europazentrale von Datalogic an der Robert-Bosch-Straße. Der mit seinem Hauptsitz in Bologna beheimatete internationale Marktführer auf dem Gebiet der automatischen Datenerfassung wechselt von Darmstadt an den Nikon-Kreisel im Wirtschaftszentrum. Spezialisiert ist Datalogic auf die Entwicklung und Produktion von Barcodelesegeräte, mit denen das Unternehmen den Handel revolutioniert hat.

Ein prominenter Name hat überdies am Multipark an der Raiffeisenstraße angedockt: Es ist kein geringerer als der Deutsche Fußballbund, der in einer großen Halle künftig seine Logistik zentralisieren möchte und hier Team-Equipment lagern will. Die etwa 50 Logistikspezialisten des DFB werden künftig über rund 4.000 Quadratmeter Hallen- und 600 Quadratmeter Bürofläche verfügen.   

Engagiert begleitet hat die Langener Wirtschaftsförderung den Verkauf der großen Hotel-Immobilie an der Robert-Bosch-Straße an eine israelische Unternehmensgruppe. In dem Gebäude residierte 25 Jahre lang das Steigenberger-Hotel, im November eröffnete in einem nahtlosen Übergang das Mercure Frankfurt Airport Langen. Im laufenden Betrieb sollen jetzt nach und nach alle 205 Zimmer modernisiert werden.

Aktuell blickt die Wirtschaftsförderung mit Optimismus auf das in den neunziger Jahren errichtete Hightech-Center „Langener Stern“ an der Pittlerstraße, das seit Jahren überwiegend leer steht. Jetzt will die Pantera AG, ein Projektentwickler aus Köln, unter dem Namen „Main Base Langen“ hier Büros, ein Hotel und Serviced Apartments entstehen lassen. Am Kreisverkehr von Pittler-, Ampère- und Raiffeisenstraße soll ein geschwungenes Bürogebäude den Altbestand ergänzen. „Die Pantera AG ist noch in der Akquisephase und wir vermitteln Interessenten und stehen im engen Austausch mit den Investoren“, sagt Wirtschaftsförderer Kolbe.

Ins Zeug gelegt hat sich sein Team auch bei der Suche nach einem neuen Standort für das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) und hat mit dem Kronenhof eine Trumpfkarte in der Hand. Die Eigentümerinnen der rund elf Hektar umfassenden Reitsportanlage sind bereit, ihr Gelände für die Ansiedlung von Gewerbe zu veräußern. Die Stadtverordnetenversammlung hat in ihrer jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen, einen entsprechenden Bebauungsplan aufzustellen.

„Damit senden wir ein starkes Signal an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, die innerhalb eines Erkundungsverfahrens ein geeignetes Grundstück für das renommierte Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel sucht. Im Rennen sind auch noch andere Kommunen im Rhein-Main-Gebiet. Das PEI hat seinen Sitz seit den achtziger Jahren direkt neben dem Kronenhof. Der Gebäudekomplex entspricht aber nicht mehr den heutigen Anforderungen.

Für Bürgermeister Gebhardt tut sich mit dem Kronenhof über das PEI hinaus eine einmalige Chance auf, weil nicht die gesamte Fläche für das Institut benötigt werde. 35.000 Quadratmeter könnten rein gewerblich genutzt werden. Für dieses Areal in bester Lage gebe es die Standortanfrage eines internationalen Konzerns der Automotivebranche, der hier seine Europazentrale nebst Innovations- und Entwicklungszentrum realisieren möchte.

Für große Projekte direkt an der Bahnlinie steht überdies der Technologiepark zur Verfügung. Wichtigster Partner für die Wirtschaftsförderung ist dabei ein Unternehmen, das dort über drei von vier noch bebaubaren Grundstücken verfügt. Der Stadt Langen selbst gehört das zentrale Grundstück mit rund 7.300 Quadratmetern. Das im Rathaus gebildete Kompetenzteam Wirtschaftsförderung und Stadtplanung arbeitet gemeinsam mit dem Unternehmen daran, unter Einbeziehung konkreter Unternehmensanfragen ein Gesamtkonzept für den Technologiepark zu entwerfen. Kolbe geht davon aus, dass in nächster Zeit marktreife Planungen vorgelegt werden können.

Bei allen erfreulichen Entwicklungen gibt es für den Wirtschaftsstandort Langen aber auch einen Wermutstropfen: Die Gewerbeflächen werden knapp. Deshalb rücken Altimmobilien und Altstandorte immer mehr in den Blickpunk - so wie der „Langener Stern“, aber auch das Misco-Gebäude an der Robert-Bosch-Straße, dem die besondere Aufmerksamkeit der Wirtschaftsförderung gilt. Das Land Hessen hatte in der Immobilie, in der einst Computer und –zubehör verkauft wurden, vorübergehend eine Notunterkunft für Flüchtlinge eingerichtet und ist immer noch Mieter. Kolbe hofft, dass die Liegenschaft verkauft und das Areal als hochwertiger Gewerbestandort entwickelt werden kann. Hier könnten bei einer entsprechenden Aufteilung auch kleinere Firmen und Handwerksbetriebe eine neue Heimat finden.

Die städtische Wirtschaftsförderung lenkt ihr Engagement aber nicht nur auf das Geschehen westlich der Bahn, sondern ist mit ihrem Citymarketing auch in der Innenstadt aktiv. Hier wird gewohnt, gearbeitet und eingekauft, sie ist ein Ort für Begegnungen, für Kultur und für die Freizeitgestaltung. Diese Vielfalt will die Stadt erhalten und ihr neue Impulse geben. Damit das Stadtzentrum lebendig, attraktiv und einladend bleibt, sind nach Kolbes Worten mutige Initiativen, Ideen und die „richtigen“ Rahmenbedingungen erforderlich. Gelingen könne das nur durch das gemeinsame Agieren von Stadt, Eigentümern und Gewerbetreibenden. Und dafür stark macht sich – unter Federführung der Wirtschaftsförderung - die Citymarketing-Initiative des örtlichen Einzelhandels, des Gewerbevereins, der Gastronomie, des Verkehrs- und Verschönerungsvereins, der Stadtwerke und der Stadt.

Unter dem Slogan „So Nah. So Gut. So Langen.“ werben die Akteure für das lokale Angebot von Handel und Gastronomie und machen mit originellen Aktionen im Jahresverlauf auf die Angebote in der Innenstadt aufmerksam. Gewinnspiele, Herbert-T-Shirts zum Ebbelwoifest („Vom Bembel ins Gerippte und ab in de Herbert“), das Handkäs‘-Ei oder der „Typisch Langen“-Einkaufsführer erhalten viel Beifall und vermitteln überzeugend und oftmals mit einem Augenzwinkern die Botschaft: Kaufkraft soll in Langen bleiben.

Ein Renner ist der von der Initiative ins Leben gerufene Langener Einkaufsgutschein, der sich als „Zahlungsmittel“ immer weiter verbreitet. Die Sauberkeit in der Innenstadt verbessert die Citymarketing-Initiative mit dem „StraßenCarer“. Die beauftragte Service-Firma reinigt in Abstimmung mit den Kommunalen Betrieben Bürgersteige, entfernt Müll aus Grünflächen, beseitigt Unkraut und macht anderes mehr. Der Einsatz soll vorbildlich wirken und bei den Anliegern Verantwortungsbewusstsein und Mitwirkung bei der Reinigungspflicht anstoßen.

Aus der Not eine Tugend macht die Wirtschaftsförderung, wenn sie leer stehende Geschäftsräume mit Unterstützung der Eigentümer an Kunstschaffende und kulturelle Akteure vermittelt, die darin ihre Werke präsentieren können. Die Ausstellungen im Einkaufszentrum Oberlinden (Kunsträume) und in den „Zeitgeist“-Übergangsgalerien am Lutherplatz und im ehemaligen Photo-Porst fanden jedenfalls großen Anklang. Erfreulich ist es laut Kolbe, dass es in Langen im Vergleich zu anderen Kommunen tatsächlich nur eine geringere Leerstandsquote gibt.

Für Bürgermeister Gebhardt steht außer Frage, dass Langen von der enormen Anziehungskraft der Metropolregion Rhein-Main profitiert. „Unsere Stadt ist gefragt und wächst. Unternehmen expandieren, neue Firmen siedeln sich an, Arbeitsplätze kommen hinzu und damit Menschen, die hier auch leben möchten. Maxime von Politik und Verwaltung sollte es in den nächsten Jahren sein, die Wachstums- und Veränderungsprozesse so zu gestalten, dass die öffentliche Infrastruktur mit der Dynamik der Stadt Schritt hält, dass sich Neues in die Stadtgesellschaft schnell einfügen und der soziale Zusammenhalt bewahrt werden kann. Die Digitalisierung des städtischen Lebens, die Herausforderungen nachhaltiger Mobilität, Umwälzungen in der Arbeitswelt, die Zukunft des Handels in den Innenstädten oder im Netz, demografische, soziale und gesellschaftliche Veränderungen, der Klimawandel oder die natürlichen Grenzen unseres Wachstums: Die Stadt Langen wird sich damit auseinandersetzen und lokale Antworten finden“, erklärte der Verwaltungschef.

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Bericht der Wirtschaftsförderung Frühjahr 2019
4.8 MB

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