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Ärger auf den Langener Streuobstwiesen

Städtische Umweltberatung sucht Zeugen

18.10.2021
Apfeltrester im Teich
Umweltfrevel im Naturschutzgebiet: Illegal entsorgter Apfeltrester in einem Teich. Foto: Stadt Langen

Die Pflege einer Streuobstwiese bedeutet eine Menge Arbeit. Die Wiese muss jährlich ein- bis zweimal mit landwirtschaftlichen Geräten gemäht, die Bäume müssen regelmäßig zurückgeschnitten oder nachgepflanzt werden. Als Lohn für die Mühe gibt es dann im Herbst leckere Äpfel. Aus ihnen kann man Apfelkuchen backen, Gelee herstellen oder Most und Ebbelwoi keltern.

Viele Spaziergänger pflückten sich in der Vergangenheit auf ihren Touren durch die Obstwiesen immer mal wieder das ein oder andere Körbchen für einen Apfelkuchen oder sammelten Fallobst ein, um daraus Apfelkompott oder -mus zu kochen. Dieser Mundraub ist zwar nicht legal – wie mancher Bürger irrigerweise glaubt –, aber solange er sich in Grenzen hielt, war er noch tolerierbar.

Mittlerweile hat dieser Obstdiebstahl jedoch ganz andere Ausmaße angenommen: Aktuell wurden viele Streuobstwiesen, die sich im Bereich des Albanusbergs (Streuobstwiesen in Richtung Offenthal) befinden und zum Siebenschläfer-Projekt der Stadt gehören, innerhalb eines Wochenendes komplett gemulcht und abgeerntet. Die Stadt, die mit dem Erlös der Siebenschläfer-Produkte die Pflegemaßnahmen der lokalen Streuobstwiesen finanziert und somit ihren Erhalt fördert, ging dabei leer aus. Außerdem wurde bei der unsachgemäßen Mahd vielfach die ganze Grasnarbe weggerissen und der Boden beschädigt. Diese professionellen Diebstähle sind leider keine Ausnahme. Auch in der Wetterau, einem klassischen Streuobstanbaugebiet, und im Taunus wurden bereits große Wirtschaftsschäden durch den Diebstahl ganzer Ernten verursacht.

Vielen Spaziergänger ist nicht bekannt, dass sie uneingezäunte Obstwiesen nicht betreten dürfen. Denn in Landschaftsschutzgebieten dürfen keine Zäune errichtet werden, um freilebende Tiere bei ihren Wanderungen nicht zu behindern. Aber Leute, die mit schwerem landwirtschaftlichen Gerät Wiesen mähen, die ihnen nicht gehören, wissen ganz genau, dass dies nicht erlaubt ist, sagt die städtische Umweltberatung.

Aber es geht noch schlimmer: Im Streuobstgebiet „Im Neuen Hain“ gegenüber der Asklepios Klinik wurde nun zwei Jahre in Folge jede Menge Trester (zerquetschte Apfelreste von der Apfelweinherstellung) in ein kleines Gewässer gekippt. Das empfindliche Biotop mit seinen Amphibien wie Fröschen und Molchen kann durch diesen Nährstoffeintrag vollkommen zerstört werden, erklärt die städtische Umweltberatung. Folglich muss die Stadt nun zum wiederholten Male eine Reinigung des Gewässers durch einen Landwirt beauftragen und bezahlen.

Beide Verstöße in den Langener Streuobstwiesen sind keine Kavaliersdelikte, sondern ernsthafte Vergehen gegen Privateigentum und Naturschutzrecht. Zeugen, die beobachten haben, wer die Obstwiesen am Albanusberg gemäht und abgeerntet oder den Trester in das Laichbiotop geschüttet hat, werden gebeten, sich per E-Mail bei der Stadt unter der Adresse umwelt@langen.de oder telefonisch unter der Rufnummer 06103 203-391 zu melden.

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