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Von Kniestöcken und Langener Rotliegendem

Stadtführung mit Frank Oppermann

23.03.2022
vhs-Führung Oppermann März 2022
Bild: Reinhold Werner

Am vergangenen Samstag, 19. März, fand bei frühlingshaften Temperaturen im Rahmen der Heimatkundlichen Veranstaltungen unter dem Dach der Langener VHS eine Stadtführung besonderer Art statt. Dieses Mal ging es nicht wie gewohnt durch die Langener Altstadt, denn Professor Frank Oppermann, ein ausgewiesener Kenner der Stadtgeschichte und Kulturpreisträger der Stadt Langen, nahm seine Zuhörer mit auf eine Zeitreise durch die Baugeschichte Langens von der Jahrhundertwende bis zur Moderne.

Die Führung begann an der Ludwig-Erk-Schule. Hier erläuterte Oppermann die Baustruktur des Gebäudes, ging auf die Schulgeschichte und auch auf die Entstehung der Bahnstraße ein. Anhand der Kniestockhäuser in der Heinrichstraße lernten die Zuhörer, dass Ziegel nicht gleich Ziegel ist und diese sich durch unterschiedliche Brennweisen unterscheiden. Exemplarisch verdeutlichte er an Beispielen aus der Gartenstraße, wie sich die Architektur, bedingt durch die Zeitenwende, verändert hat.

Am Taunusplatz, dem früheren Ernst-Ludwigs-Platz, gab es einen längeren Aufenthalt für die 15-köpfige Gruppe. Hier referierte der Architekt auszugsweise die Baugeschichte Langens, vertreten durch die zwei Bauherren Carl Barth und Johann Werner V. Ausführlich und gekonnt kurzweilig, mit Anekdoten gewürzt, stellte er die Biographie des Vereinsgründers des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Friedrich Keßler und seine tragende Rolle für die Stadtentwicklung Langens dar. Mittels des sogenannten Keßlerplanes skizzierte er eine für das 19. Jahrhundert vorbildliche und überlegte Stadtplanung, die allerdings nicht verwirklicht wurde. Er zeigte am Taunusplatz auf, wie innerstädtische Architektur sich an vorhandenen Räumen und Blickachsen orientierte.

Im weiteren Verlauf der Gartenstraße erläuterte Oppermann den Unterschied zwischen Landhausarchitektur und dem Hausbau nach dem 1. Weltkrieg, der stark beeinflusst wurde durch die Ideen des Frankfurter Planungsdezernenten May. In der Gartenstraße 91 wohnte der frühere „rote Sparkassendirektor“ Karl Freitag, aus dessen Schriften Frank Oppermann rezitierte, was sehr zur Erheiterung der Zuhörer beitrug. In der Luisenstraße stellte er exemplarisch den Baustil nach dem 2. Weltkrieg dar, um dann in der Westendstraße den sozialen Wohnungsbau der 50er Jahre, für den die Nassauische Heimstätte steht, vorzustellen. Diese Bauweise war, so Oppermann, durch die sogenannte „Mutter-Kind-Ruf-Grenze“ gekennzeichnet. Dies war eine überschaubare Bauweise, die sich an menschlichem Maß orientierte.

Durch die Garagenhöfe der Westendstraße führte der Weg zum Endpunkt, dem Alphahochhaus. Stärker hätte der Kontrast als Ziel einer Stadtführung nicht ausfallen können. Hier wurde für alle Beteiligten deutlich, wie Stadtentwicklung auch verlaufen kann. Das Hinweisschild am Eingang des Hauses „Zutritt für Kampfhunde verboten“ hat sich wohl jedem eingeprägt.

Mit viel Beifall bedankten sich die aufmerksamen und begeisterten Zuhörerinnen und Zuhörer bei Professor Oppermann.

Text: Heribert Gött

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