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Mehr als nur ein Haufen Bücher

Die Stadtbücherei Langen ist ein Magnet für Menschen

05.02.2024
[(c): Schmidt]
Die 16-jährige Emily leiht von Kindesbeinen an ihre Lieblingsbücher in der Stadtbücherei Langen aus und konnte auch ihre kleine Schwester Jenni dafür begeistern. Foto: Schmidt

Dienstagnachmittags in der Langener Stadtbücherei: Menschenschlangen warten vor der Ausleihe, viele Tische sind besetzt mit Schülern, die eifrig lernen. Eine Dame liest in der Flucht zwischen zwei Bücherregalen die Zeitung.

Thomas Mertin, Leiter der Langener Stadtbücherei, ist zufrieden, dass der „Laden“ brummt. Er ist froh, dass die Bücherei nach der „Corona-Delle“ wieder mit steigenden Ausleih- und Besucherzahlen zu tun hat und auch als Aufenthaltsort und Treffpunkt für alle Generationen gut ankommt. „Es gibt Zeiten, da ist kein Stuhl mehr frei“, sagt er. Und weiter: „Es kommen vor allem Schüler ab der 5. Klasse zu uns, um Plakate zu machen oder zum Lernen, etwa fürs Abitur.“ In der Stadtbücherei finden sie die nötige Arbeitsatmosphäre, einen Internetzugang, mehrere Rechner und Farbdrucker. Das ist auch für Erwachsene attraktiv. Mertin stellt fest: „Weiterhin nutzt eine Vielzahl von Menschen bei uns Anwendungen wie Word und PowerPoint, weil sie diese zu Hause nicht zur Verfügung haben.“ Nicht selten werden er und sein Team um Hilfe gebeten. Für ihn gehört es dazu, die Besucher in Fragen rund um diese Computerprogramme zu unterstützen: „Auch dafür sind wir da“, erklärt Mertin.

Die Bibliothek ist inzwischen auch für zahlreiche Menschen ein beliebter Platz, um die deutsche Sprache zu lernen: Zum Beispiel für Sajad Samimiazar und Atefeh Rajabtoroghi aus dem Iran. Beide haben sich an der Fensterfront einen Arbeitsplatz mit ihren Lernbüchern ergattert. „Ich lerne hier deutsch“, erklärt der 36-jährige Sajad Samimiazar. Seit neun Monaten sei er hier. Erst gehe er in einen Deutschkurs, anschließend komme er in die Stadtbücherei, damit sie beide zusammen lernen können. Er nutze die Bibliothek zum Beispiel auch, um DVDs auszuleihen. Atefeh Rajabtoroghi (39) sagt, sie seien gut einmal die Woche hier: „Deutsch ist sehr schwer, macht mir aber auch viel Spaß.“

Im Lesetempel an der Südlichen Ringstraße passiert derzeit auch einiges in Sachen Digitalisierung. Bereits seit 13 Jahren können die Büchereimitglieder über die „Onleihe“ eMedien nutzen. Vor Ort gibt es seit dem vergangenen Jahr die Möglichkeit, die gedruckten Bücher, CDs, DVDs und Zeitschriften ohne Wartezeit an einem Selbstverbucher eigenständig auszuleihen. Und seit Oktober ist mit der „B24 Bibliotheksapp“ (Android/IOS) ein System zur Recherche und Online-Benutzerfunktionen in Betrieb, das auf Smartphones oder Tabletcomputern funktioniert. „Die App bietet viele Vorteile für ihre Nutzer und ist eine moderne Sache“, erklärt Büchereichef Mertin. Jeder kann sich dort schnell einloggen und schauen, wann eine Frist für ein Medium fällig ist. Es ist auch möglich, sich kostenpflichtig Bücher vorzumerken. Die Benachrichtigung, dass das Buch am Ausleihschalter bereitsteht, kommt dann per E-Mail. Mertin findet: „Das System ist wesentlich überschaubarer als das bisherige, das gut 25 Jahre alt war. Es ist ein etabliertes System, das auch andere Bibliotheken nutzen.“ Per App oder Browser gibt es außerdem die Möglichkeit, sich per E-Mail-Alarm warnen zu lassen, wenn die Frist für ein Medium abläuft. Wer schon einmal eine Frist verpasst hat, weiß: Das spart Geld. 

Digitaler werden, wo es Vorteile schafft – das ist der Weg der Stadtbücherei Langen. Zahlreiche Bücher, Zeitschriften und Audiobooks werden inzwischen über die Onleihe im OnleiheVerbundHessen konsumiert. Zukünftig soll in Langen auch das elektronische Bezahlen möglich sein. Dank des ePayments kann dann jeder – bequem von zu Hause aus – den Jahresbeitrag begleichen und den Büchereiausweis wieder aktivieren. Für das kommende Jahr hat Mertin noch weitere Pläne: „Wir schauen, ob wir auch die Leserdatei digitalisieren können.“ Dann müssten die Leser bei ihrer Anmeldung nicht mehr alles per Hand in einer Anmeldekarte ausfüllen, sondern alles ginge in nur noch gut zwei Minuten. Schon im Vorfeld von zu Hause oder in der Bücherei.

In Sachen Ehrenamt hat sich ebenfalls viel getan. Im vergangenen September startete die Bücherei einen Aufruf, um Ehrenamtliche zu gewinnen. Dieser sei gut angenommen worden, so Mertin. „In zwölf Monaten haben wir ein starkes ehrenamtliches Netzwerk mit gut 14 Helferinnen und Helfern aufgebaut. Diese bringen zum Beispiel Ordnung in die Bücherregale, unterstützten bei der technischen Medienbearbeitung oder übernehmen Kinderveranstaltungen.“ Bei ihm haben sich sogar zwei Oberstufenschülerinnen gemeldet, die nun nachmittags den „Leseclub“ für Grundschulkinder gestalten. Auf Vermittlung von Bürgermeister Jan Werner sind zudem seit Kurzem drei palästinensische Flüchtlinge aus dem Gaza-Streifen ehrenamtlich in der Stadtbücherei tätig. Sie helfen bei der Regalordnung und der technischen Bearbeitung von neuen Buchanschaffungen.

Trotz all der Veränderungen – ein Angebot der Stadtbücherei ist und bleibt der Renner: Die Kinderabteilung im Untergeschoss. Krabbelnde Kleinkinder sind unterwegs, Eltern haben es sich in den Sitzen an der Fensterfront gemütlich gemacht. Zwischen Regalen voller Spielen, Büchern und Tonies für Kinder ist die Familie Sauer unterwegs. „Ich bin selbst schon als Kind in der Stadtbücherei gewesen“, schwärmt Natalie Sauer, die mit ihrem Mann und zwei Töchtern heute hier ist. „Ich finde es toll, was hier für Kinder geboten wird“, sagt sie. Ihre sechsjährige Tochter Jenni hat sich eine DVD ausgeliehen: Hexe Lillyfee rettet Weihnachten. „Die haben wir letztes Jahr schon gehabt, die will ich wieder schauen“, so Jenni. Ihre 16-jährige Schwester Emily hat ein anders Steckenpferd: Fantasy-Bücher. Kein Wunder, dass die komplette Familie hier gerne unterwegs ist. Für jeden ist etwas dabei. Nathalie Sauer bringt es auf den Punkt: „So viele Bücher auf einen Haufen gibt es nur hier.“

Geöffnet ist die Stadtbücherei im Stadthallenkomplex, Südliche Ringstraße 77, immer dienstags, mittwochs und freitags von 13 bis 18 Uhr sowie donnerstags von 10 bis 15 Uhr, zudem jeweils am ersten Samstag im Monat von 13 bis 17 Uhr. Außerhalb dieser Zeiten können Bücher und Medien zu den Öffnungszeiten der Neuen Stadthalle in den Rückgabekasten vor dem Büchereieingang geworfen werden. Rund um die Uhr können Nutzer zudem unter www.stadtbuecherei-langen.de auf ihr Lesekonto zugreifen, dort beispielsweise Verlängerungen und Vorbestellungen vornehmen oder über den Onleihe-Verbund Hessen elektronische Medien herunterzuladen.

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