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Erfolgreiche "Kunsträume Oberlinden" mit neuem Salon

Jetzt zog die Fotografie ins Ex-Einkaufszentrum

22.01.2018

Die Premiere war ausgesprochen erfolgreich, jetzt geht es weiter: In die „Kunsträume Oberlinden“ zieht die Fotografie ein. Vom 2. Februar bis 11. März zeigen erfolgreiche Langener Fotografen ihre Bilder im ehemaligen Einkaufszentren (EKZ) am Farnweg. Schauplatz ist diesmal ausschließlich der frühere Supermarkt, der genug Raum und die passende Atmosphäre bietet. Vorher war seit Ende November hier und in zwei weiteren alten Geschäften der „Salon der Kunst zu Gast“ und hatte ein sehr großes Echo hervorgerufen. „Unsere Erwartungen wurden übertroffen“, bilanzieren Bürgermeister Frieder Gebhardt und Joachim Kolbe, Fachbereichsleiter für Stadtentwicklung, Wirtschaft, Kultur und Sport. 

Das Konzept, einen „vergessenen“ Ort wieder ins Gedächtnis zu rufen, ihn wiederzubeleben, sei aufgegangen. „Zu den Öffnungszeiten an den Wochenenden war hier richtig Leben“, sagt Kolbe. „Nicht nur die Menschen aus Oberlinden haben zurückgefunden. Es kamen Besucherinnen und Besucher aus ganz Langen und darüber hinaus, die sich die ausgestellten Werke von zahlreichen Künstlern aus der Region anschauten und dabei das etwas im Dornröschenschlaf liegende EKZ neu entdeckten“, teilt Kolbe mit. Zur guten Resonanz beigetragen hätten auch einige Sonderaktionen wie Lesungen, Workshops und eine Weinprobe. Der Seniorentreff „Allerhand“ habe mit einem Angebot an Kaffee und Kuchen mitgewirkt.

Nun geht es mit dem „Langener Salon der Fotografie“ weiter, an dem sich elf Fotografinnen und Fotografen beteiligen: Brigitte Grausam-Tynan, Thorsten Klapsch, Barbara Mittmann, Detlef Möbius, Marcin Placzek, Michael Schmidt, Mathias Schröder, Roland Sorger, Marc Strohfeld, Gareth Tynan und Reinhold Werner. Sie alle sind in irgendeiner Weise mit der Stadt verbunden, leben hier oder sind in Langen aufgewachsen. Und sie alle eint die gleiche Passion. Aus ihrem reichen Fundus haben sie ausgesuchte Aufnahmen für die Schau bereitgestellt. An Vielfalt und Klasse wird kein Mangel sein. 

Der Fotografie-Salon erinnert an ein Projekt aus dem Jahr 2003, das damals im Alten Rathaus unter dem Titel „20 50 03“ reichlich Aufmerksamkeit erzeugte. Die 20 stand für die 20 beteiligten Fotografen, die 03 fürs Jahr 2003 und die 50 für den 50. Breitengrad, an dem Langen liegt. Auch damals standen die gezeigten Bilder beispielhaft für das Schaffen der Akteure und dokumentierten die Grenzen zwischen kommerzieller, angewandter Fotografie und ambitionierten künstlerischen Arbeiten. Diese Ambivalenz ist jetzt ebenfalls wieder deutlich erkennbar.

Heute, wo alle mit ihren Smartphones zu Chronisten werden, wo es kaum noch exklusive Fotos gibt, wächst die Sehnsucht nach dem Unikat. Was ist ein gutes Bild? Die Antwort auf diese Frage scheint immer schwieriger auszufallen, je mehr eine Riesencloud aus Fotos die Auswahl schier unendlich macht. Fotografiert und anschließend digital bearbeitet wird praktisch alles, was sich bewegt oder stillsteht und genauso wird alles ins Netz gestellt und geteilt. Schließlich ist die Herstellung der Bilder heute einfacher und schneller als jemals zuvor, genauso ihre Verbreitung. Exklusive Aufnahmen gibt es kaum noch, dafür tausendfache Kopien desselben Moments. Dem Belanglosen sind Tür und Tor geöffnet. Selbst das missratene Foto bleibt erhalten, genügend Speicherplatz ist ja vorhanden. Auch für den unappetitlichen, den kompromittierenden, den verbotenen Schnappschuss – beim Posten und Bloggen gibt es offenbar keine Grenzen. Kinder im Schwimmbad, Unfälle, Nackte, das Abendessen. Und auf den Fotos unserer Freunde in den sozialen Netzwerken werden wir markiert. Da wünschen sich viele nur noch eins: Fotografieren verboten. 

Die Frage, wann Fotografie Kunst ist und wann nur ein Schnappschuss, ist gerade so aktuell wie vor 100 Jahren. Die Ausstellung in Oberlinden wird die Antwort sinnvoller Weise dem Betrachter überlassen, ihm aber Hilfestellung geben. Auf jeden Fall bietet sie eine Fülle von Fotos, die Emotionen auslösen, weil die Fotografen die Bildsprache verstehen, ganz nach dem Motto: Nicht die Kamera macht die Bilder, sondern der Fotograf. Einige Aufnahmen haben den Bezug zu Langen. Zusammengekommen sind die unterschiedlichsten Themenfelder vom Sport über das Mittelalter und die Architektur der DDR bis zur heimischen Tier- und Pflanzenwelt. Fast alle Abzüge Fotos sind großformatig und werden den ansonsten leeren Supermarkt mit seinen kahlen Wänden temporär in eine beeindruckende Galerie verwandeln. Die unterschiedlichen Sichtweisen der Fotografen, ihre Motive und teils überraschende Bildkompositionen zeugen von einem hohen Maß an Kreativität und Können.  

Der Markt schloss schon 2010 seine Tore. Lediglich eine Kneipe, ein Frisör, ein Gemischtwarenlädchen (Bekleidung und Spielsachen) und der Seniorentreffpunkt Allerhand halten noch wacker die Stellung in dem Einkaufszentrum, das in den 1960er Jahren entstand, als die meisten Wohnungen in der damals neuen Modellsiedlung Oberlinden bezogen waren. Seine besten Tage hat es indes längst hinter sich.

Die Zukunft des Areals klingt umso vielversprechender: Das EKZ soll von Grund auf umgebaut, modernisiert und aufgestockt werden. Der Frankfurter Investor und Eigentümer Kambiz Ghaliai will das Potenzial nutzen und Einzelhandel, Arztpraxen und Gastronomie ansiedeln. Auch ein attraktiver Innenhof und zum Teil barrierefreie Wohnungen sollen das Karree wieder zu einem Quartiersmittelpunkt machen. Geplant ist, die ein- und zweigeschossige Randbebauung im Norden und Westen teilweise auf drei Geschosse aufzustocken. 60 Prozent der Erdgeschossfläche sind für eine gewerbliche Nutzung bestimmt. Die Stadtverordnetenversammlung hat dafür einen Bebauungsplan beschlossen.

Bevor die ersten Bagger anrollen, stellt Ghaliai der Stadt die verfügbaren Ladenflächen dankenswerterweise für die „Kunsträume Oberlinden“ mehrere Monate lang kostenfrei zur Verfügung. Diese Chance wollte sich der städtische Fachdienst Kultur und Sport nicht entgehen lassen und hat gleich mehrere Ausstellungen organisiert. Auf die Auftaktveranstaltung mit dem „Langener Salon der Kunst“ und jetzt den „Langener Salon der Fotografie“ folgt die Präsentation „Typisch“ mit Portraits von Langener Einzelhändlern, die Olaf Hermann fotografiert hat. Dazu wird Rainer Kraus aus seinem Projekt „Gesichtspunkte“, das schon in den neunziger Jahren entstand, Aufnahmen von Langener Persönlichkeiten aus jener Zeit gesellen und darüber hinaus beeindruckende Gesichtsausdrücke von Sportlern nach dem Leistungstest zeigen.

Bürgermeister Gebhardt begrüßt, dass das Einkaufszentrum über Kunst und Kultur wieder in den Blickpunkt rückt und zu einem Treffpunkt wird. „Solche Orte der Begegnung wünschen sich die Menschen und es ist Aufgabe von Stadtplanung, sie zu schaffen“, betont der Verwaltungschef. „Mit den neuen Plänen für das EKZ sind wir auf dem richtigen Weg.“

Fachbereichsleiter Kolbe, Ideengeber der Ausstellungen, spricht von einer einmaligen Gelegenheit, Kunst- und Fotopräsentationen in dem früheren Einkaufszentrum zu organisieren, das mit seinem Ambiente dafür eine besondere Kulisse biete. „Dank der Unterstützung durch Herrn Ghaliai können wir der Schaffenskraft der örtlichen Szene ein breites Forum bieten. Die ‚Kunsträume‘ sind ein weiteres wichtiges Projekt neben der bereits vorhandenen Kunst im öffentlichen Raum“, sagt Kolbe. Im Stadtgebiet gäbe es zahlreiche Objekte, die Langen prägten und als Orientierungspunkte strukturierten. Hierzu gehören zum Beispiel der markante Brunnen aus rotem Vanga-Granit im Zentrum des Lutherplatzes, die Stelen von Christian Rothmann an der Ortseinfahrt nahe der Feuerwache, der Europa-Brunnen von Jürgen Görtz am Bahnhofsvorplatz, die Bronzeskulptur von Gudrun Jork vor der Neuen Stadthalle oder die geplante Lutherskulptur auf dem gleichnamigen Platz. Zudem führen die Gemeinschaftsausstellungen in Oberlinden eine lange Tradition von Künstlerkooperationen in Langen fort, die vom Künstlersymposium in den achtziger Jahren bis zur jährlichen Art-Promenade im September reicht.

Unterstützt werden die „Kunsträume Langen“ von der Sparkasse Langen-Seligenstadt und den Stadtwerken Langen. Der Eintritt zu den Ausstellungen ist frei. Alle Künstlerinnen und Künstler beteiligen sich an den Kosten und übernehmen sogar die Aufsicht während der Öffnungszeiten.

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