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Ein Leben für Palästina

Regina Heidecke im Gespräch mit Abdallah Frangi

16.12.2019

Kaum ein Mensch hat so viel Weltgeschichte, so viel Krieg und Leid und Hoffnung und Enttäuschung miterlebt und die mächtigsten Politiker des Planeten kennengelernt wie der in Langen lebende Abdallah Frangi. An der Seite des früheren PLO-Vorsitzenden und Präsidenten der palästinensischen Autonomiebehörde Jassir Arafat, als langjähriger Gesandter Palästinas in Deutschland und europapolitischer Berater des amtierenden Präsidenten Mahmut Abbas hat Frangi sein ganzes Leben dem Kampf für die Freiheit und Rechte des palästinensischen Volkes gewidmet. Dieser ungelöste Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern steht noch immer im Brennpunkt der Öffentlichkeit – und die Auswirkungen sind weltumspannend – und reichen bis nach Langen. Zum Auftakt der neuen Gesprächsreihe „Reginas Gäste“ am Sonntag, 26. Januar, 17 Uhr, wird Abdallah Frangi von sich und seiner Sache berichten, klug befragt eben von Regina Heidecke, Journalistin, Filmemacherin und Gastgeberin des Abends in der Neuen Stadthalle Langen.

Die tägliche „Kulturzeit“ auf 3SAT ist mit Sicherheit die wichtigste Kultursendung im deutschsprachigen Fernsehen. Regina Heidecke, seit 2015 als freie Journalistin tätig, war mehr als ein Jahrzehnt lang verantwortliche Kulturzeit-Redakteurin und prägte das Magazin mit, dessen Markenzeichen vor allem Gespräche zu aktuellen Themen der Zeit sind. Zu Wort kommen in dem Fernsehfeuilleton Gäste, die jedem Thema einen teils ungewöhnlichen, individuellen oder kritischen Zugang eröffnen.

„Wir möchten uns den glücklichen Umstand, dass Regina Heidecke in Langen wohnt, und zugleich ihre besondere journalistische Haltung zunutze machen, um eine Gesprächsreihe zu etablieren, die anregende, aufregende, kluge Menschen vorstellt, sie zu den Themen unserer Zeit zu Wort kommen und sie etwas mehr Orientierung in die Informationsflut schaffen lässt“, erläutert Joachim Kolbe vom städtischen Fachdienst Kultur. Er zeichnet für das Projekt verantwortlich, das von dem Langener Mitbürger Nico Gormsen unterstützt wird.

„Wenn ich darüber nachdenke“, sagt Regine Heidecke, „was mich in den letzten Jahren oder auch nur Monaten und Wochen bewegt hat, dann stelle ich fest, dass die Themen sich eigentlich seit Jahren ähneln. Es gibt Konstanten, Fragen, die immer spannend genug sind und oft unbeantwortet bleiben, dass man sie fortwährend neu stellen kann.“ Kolbe und Heidecke geht es jedenfalls um einen breiten intellektuellen Ansatz und um Ideen und Gedanken gegen den Strich. Die Themen und Gäste finden sie in den Bereichen Politik, Kunst und Kultur, Journalismus, Philosophie, Religion und Wissenschaft.

Zum Auftakt wirft Heidecke „einen Blick hinter die Kulissen des Nahost-Konflikts“ und spricht dazu mit dem Sohn einer einflussreichen Beduinenfamilie und „Arafats Mann in Deutschland“, mit Abdallah Frangi, dem hierzulande vielleicht prominentesten Vertreter seines Volkes. Seit bald einem halben Jahrhundert wirbt er um Unterstützung, immer wieder ist er auf Veranstaltungen, im Fernsehen oder im Radio präsent und macht sich „mit unarabischer Ruhe und Sachlichkeit“ zum Sprachrohr der palästinensischen Sache. Er hält bis heute an der Zweistaatenlösung fest. Er wehrt sich gegen pauschale Terrorvorwürfe gegen sein Volk und wendet sich zugleich entschieden gegen Terror, denn der Einsatz von Waffen „egal welcher Art" sei durch nichts zu rechtfertigen. Gemeinsam mit dem früheren Botschafter Israels in Deutschland Avi Primor wurde ihm für sein Wirken und seine Haltung 2013 der Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis der Stadt Osnabrück verliehen, wenig später auch noch der Nahost-Preis der Deutschen Initiative für den Nahen Osten.

Abdallah Frangi hat in seiner Jugend in Frankfurt am Main Medizin studiert und ist mit seiner deutschen Frau Benita seit fast 50 Jahren glücklich verheiratet. Mit seinen inzwischen 76 Lebensjahren ist der wahldeutsche Palästinenser ein Mensch, der die Bundesrepublik kennt und schätzt, vor allem aber ist er ein erfahrener Diplomat, der noch immer Brücken zu schlagen vermag – auch in einer historisch und politisch so schwierigen Konstellation wie sie derzeit im Nahen Osten zu erleben ist. „Im Gespräch“, sagt Regina Heidecke, „wollen wir versuchen zu verstehen, warum Hass, Gewalt und Ausgrenzung keine Mittel sind, Frieden zu schaffen, zu erhalten und auszubauen.“

Regina Heidecke hat in Frankfurt Soziologie, Germanistik und Philosophie studiert und war seit 1978 Redakteurin der Kulturredaktion beim Hessischen Rundfunk, von 2001 bis 2014 Schlussredakteurin der Sendung Kulturzeit bei 3sat. Als Filmemacherin realisierte sie für den Hessischen Rundfunk, arte und 3sat Feature und Porträts in den Bereichen Theater und Tanz/Ballett, aber auch Magazinbeiträge zu gesellschaftlichen und politischen Themen, sowie Reisefilme. Daneben war sie viele Jahre als Ballettkritikerin für HR2 tätig.

Als Redakteurin bei Kulturzeit hat sie sich vermehrt den Themen Politik, Bildung, kritischer Journalismus und Fragestellungen zum Islam und dem Nahen Osten zugewendet. Ganz besonders am Herzen lag ihr die Ausbildung und Betreuung von jungen Journalistinnen und Journalisten sowie Filmemacherinnen und Filmemachern aus Ländern wie dem Irak, Tunesien, Pakistan, Afghanistan in Kooperation mit ifa (Institut für Auslandsbeziehungen). In Workshops hat sie mit dem Goethe Institut in Syrien, mit dem IWPR (Institute for War and Peace Reporting im Nordirak) und mit dem SES (Senior Expert Service in Indonesien) zusammengearbeitet.

Seit 2015 ist Regina Heidecke freie Journalistin und widmet sich auch verschiedenen Projekten in der Flüchtlingshilfe. Seit 2015 ist sie Sprecherin der Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe Langen.

Abdallah Frangi wurde 1943 in Beerscheba, im damaligen Palästina, geboren. 1948 ist er mit seiner Familie nach Gaza vertrieben worden. Frangi studierte Medizin und Politik in Frankfurt am Main. Bereits während des Studiums wurde er politisch aktiv und setzte sich als Mitglied der FATAH für die Errichtung eines unabhängigen Staates Palästina ein. Ab 1974 war er offizieller Vertreter der PLO in Deutschland, seit 1993 als Generaldelegierter Palästinas in Bonn und Berlin (bis 2005).

Nachdem Frangi 2007 bis 2009 außenpolitischer Sprecher der FATAH war, ist er heute in Gaza als persönlicher Berater von Präsident Abbas für außenpolitische Angelegenheiten in Gaza und Ramallah tätig. Von Deutschland aus ist Frangi als Berater für Europäische Angelegenheiten für Präsident Mahmud Abbas tätig.

2011 erschien sein autobiografisches Buch „Der Gesandte“. Abdallah Frangi lebt mit seiner Frau Benita in Langen.

 

 

 

 

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