Aktuelles Rathaus

Verkehrsgutachten mit vielen Fragezeichen

Magistrat klagt über Mängel und nicht nachvollziehbare Zahlen

29.07.2019

Nach der neuen Prognose von Hessen Mobil werden auf dem vierspurigen Ausbauabschnitt der Bundesstraße 486 tagsüber 54.500 Kraftfahrzeuge unterwegs sein. Die Zahl bezieht sich auf das Jahr 2030. Der zuletzt real ermittelte Wert stammt noch aus dem Jahr 2014, als 37.700 Autos gezählt wurden. Unterm Strich macht das ein Plus von 16.800 Kfz.

Aktuell führt der Übergang von vier auf zwei Spuren von der Autobahnanschlussstelle zur B 486 in den Hauptverkehrszeiten zu langen Staus, die bis zu einigen hundert Meter und teilweise sogar bis zur Abbiegespur der A 5 zurückreichen. „Diese Probleme werden nach den Worten von Erstem Stadtrat Stefan Löbig durch den Ausbau nicht gelöst, sondern lediglich um zwei Kilometer nach Osten an den Ortseingang von Langen verlagert. Besonders problematisch sei, dass der künftige Übergang vom vierspurigen auf den zweispurigen Querschnitt der B 486 genau an der Abfahrt „Langen Stadtmitte“ liege. Während die linke der in östlicher Richtung führenden Fahrspuren in die Nordumgehung münde, führe die rechte geradewegs zur Abfahrt nach Langen hinein.

„Wenn nichts los ist, brauchen wir darüber kein Wort zu verlieren. Aber vor allem im Feierabendverkehr, wenn sich lange Rückstaus beim Übergang von vier auf zwei Spuren bilden, wird dies unausweichlich seine Folgen haben“, blickt Löbig voraus. „Dann werden viele in die Stadt abbiegen, um vermeintlich schneller voranzukommen, besonders, wenn sie sowieso schon auf der rechten Fahrbahn stehen.“ Aber nicht nur für die Mörfelder Landstraße und die Südliche Ringstraße käme es dann dicke. „Möglicherweise werden sich vom Stau genervte Autofahrer auch den Weg durchs Tempo-30-Wohngebiet Oberlinden suchen“, befürchtet Löbig. 

Er kritisiert, dass die von Hessen Mobil überarbeitete Verkehrsuntersuchung all das nicht erkenne und berücksichtige. Sie gehe lediglich von einem Verkehrszuwachs auf der Mörfelder Landstraße von 2.000 Fahrzeugen am Tag aus. „Hier wurden definitiv nicht die Mehrbelastungen berücksichtigt, die aufgrund der Staubildungen zu zusätzlichen Fahrten nach Langen führten“, heißt es in der Stellungnahme des Magistrats.

Nicht auf Herz und Nieren geprüft worden sei in der Untersuchung zudem die Ampel an der Einmündung der K 168. Das Gutachten kommt laut Löbig lediglich zu dem Ergebnis, dass die Ecke, so wie sie ist, auch nach dem Ausbau sowohl in der Morgen- als auch in der Abendspitze ausreichend leistungsfähig sei. „Das glaubt aber niemand, der die Situation schon heute kennt“, meint Löbig. Beispielsweise werde der künftige Rückstau in Richtung   A 5 am Übergang zur Nordumgehung deutlich länger werden und definitiv über die Einmündung der K 168 hinausreichen. Die Diskrepanz zwischen dem Rechenmodell in dem Gutachten und der tatsächlichen Situation wird in diesem Fall deutlich vor Augen geführt.“

Verwirrung stiftet die Verkehrsuntersuchung darüber hinaus an anderer Stelle. Für den Tag hat Hessen Mobil zusätzlich 12.000 Fahrzeuge auf der Ausbaustrecke prognostiziert. Zugleich nehmen die Fachleute eine Mehrbelastung der K 168 mit 2.500 Kfz an, der Nordumgehung mit 3.800 und der Mörfelder Landstraße mit den bereits erwähnten 2.000 – macht zusammen 8.300 Fahrzeuge. „Da stellt sich die Frage, welche Wege die Verkehrsexperten für die verbleibenden 3.700 Pkw und Lkw angenommen haben“, sinniert Löbig und findet in dem Gutachten keine Antwort.

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