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Probegrabungen nach Maikäfer-Engerlingen

Vielfraße im Waldboden setzen Bäumen stark zu

07.05.2021
Maikäfer
Bevor sich die Maikäfer mehrere Wochen lang über Blätter hermachen, haben ihre Larven, die Engerlinge, bereits zwischen drei und fünf Jahre im Boden verbracht, sich von Wurzeln ernährt und große Schäden verursacht. Foto: Dexheimer/Stadt Langen

Sie zählen zu den hübschesten heimischen Käfern, leben gerade mal vier bis sieben Wochen und sind doch als Schädlinge gefürchtet: Maikäfer. Viel mehr noch als die Blätter fressenden ausgewachsenen „Brummer“ sind aber ihre Engerlinge, also die Larven der Maikäfer, eine Gefahr für den Wald. Leben sie doch drei bis fünf Jahre im Erdreich und ernährend sich von Gräser-, Kräuter- und Baumwurzeln. Zuletzt hat die Population wieder deutlich an Größe zugenommen. Um einen genaueren Überblick darüber zu erhalten, werden im Hessischen Ried und angrenzenden Gebieten bis an die Stadtränder von Frankfurt und Offenbach in den kommenden Wochen wieder Probegrabungen nach Maikäfer-Engerlingen vorgenommen – auch im Langener Stadtwald.

Bis zu 100 Eier legt ein Maikäfer-Weibchen am Ende seiner kurzen Lebenszeit im Boden ab, vier bis sechs Wochen später schlüpfen die Engerlinge. Zunächst ernähren sie sich von Humus, später dann aber bevorzugen sie Wurzeln. Problematisch ist dies vor allem für junge Pflanzen, aber auch ausgewachsene Bäume können im Mitleidenschaft gezogen werden. „Starker Engerlingsfraß führt in Laubholzkulturen bereits nach wenigen Tagen zum kompletten Verlust“, weiß Melvin Mika, Leiter des Forstamts Langen. „Auch in Altbeständen führt anhaltender Fraß über mehrere Jahre letztlich zum Absterben ganzer Bereiche.“ Besonders betroffen sind Eichen.

Wie sich das auswirkt, verdeutlicht Stefan Neubrandt, als Revierleiter für den Langener Wald zuständig, anhand einer 1,5 Hektar großen Eichenkultur nördlich des Waldsees: Den rund 120 Jahre alten Bäumen ging es die letzten 30 bis 40 Jahre nicht mehr besonders gut. Vor fünf Jahren gab es dann eine großflächige Neupflanzung: „Die Bäume sind zuerst auch super angegangen, dann aber nach und nach komplett abgestorben.“ Direkt daneben versuchte es das Forstamt mit Douglasien, also Nadelbäumen: „Davon ist etwa die Hälfte abgestorben“, berichtet Stefan Neubrandt.

Es gibt aber auch Bäume, denen Maikäfer- und Engerlingsfraß nichts anhaben kann. Die jedoch im heimischen Wald aufgrund negativer Auswirkungen nicht unbedingt gewünscht, wie die Spätblühende Traubenkirsche (Prunus serotina). Sie stammt ursprünglich aus Nordamerika und wurde beispielsweise als „Straßenbegleitgrün“ eingesetzt. „Nun breitet sie sich ungewollt stark aus und muss von uns wieder zurückgedrängt werden“, sagt der Langener Revierleiter.

Bereits 2013 und 2017 fanden im hiesigen Bereich Probegrabungen statt, um das Vorkommen von Waldmaikäfer-Engerlingen zu erfassen. Die damit beauftragte Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt stellte dabei 2017 eine deutliche Zunahme fest. Am 10. Mai beginnt nun die aktuelle Erfassung. Dazu wurde der betroffene, 30.000 Hektar umfassende Bereich in jeweils 500 mal 500 Meter große Quadrate mit jeweils einem Grabungspunkt unterteilt. 27 dieser Punkte liegen auf Langener Gemarkung westlich des Stadtgebiets. Denn dort gibt es trockenen, sandigen Boden, wie ihn Maikäfer zur Eiablage bevorzugen.

Bei den Grabungsarbeiten, die für den kompletten Bereich in Südhessen auf eine Dauer von sechs bis acht Wochen taxiert werden, geht es rein um eine Bestandsaufnahme. Sie haben keine unmittelbaren Folgen, wie Stefan Neubrandt erklärt. In früheren Jahren fanden zwar regelmäßige Maikäfer-Bekämpfungsaktionen statt, die bislang letzte im Jahr 2010 rund um Pfungstadt war allerdings wenig erfolgreich. Jetzt ist das Ziel vielmehr, Erkenntnisse über das Engerlings-Aufkommen zu erhalten und dies in die forstlichen Planungen aufzunehmen. Denn alle vier Jahre ist ein sogenanntes Maikäferjahr mit einem deutlich erhöhten Aufkommen (das nächste ist 2022). Und da die daraus resultierenden Engerlinge natürlich im Laufe ihres Wachstums anfänglich noch wenig, später aber immer mehr fressen, kann dieses Wissen bei Neuanpflanzungen berücksichtigt werden, um die Anwuchschance der Setzlinge zu erhöhen.

Das ist natürlich auch im Sinn der Stadt Langen, die sich ihre Teilnahme an den Engerlingsgrabungen knapp 2.500 Euro kosten lässt. „Wenn also in den kommenden Wochen Autos und Personen, die dort graben, im Wald westlich von Langen gesichtet werden, hat das alles seine Richtigkeit“, betont Heike Gollnow, die zuständige Fachbereichsleiterin im Rathaus.

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