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Leichtes Plus statt Millionen-Defizit

Stadt legt trotz Corona positiven Jahresabschluss 2020 vor

03.05.2021

Eine im wahrsten Sinn des Wortes „positive“ Nachricht kann Bürgermeister Jan Werner verkünden: Die Stadt Langen hat das Jahr 2020 trotz der Corona-Pandemie in finanzieller Hinsicht mit einem Plus abgeschlossen und nun einen positiven Jahresabschluss vorgelegt. Ursprünglich war im Haushaltsplan mit einem Defizit von knapp drei Millionen Euro gerechnet worden. „Das zeigt, dass die gesamte Verwaltung alle Möglichkeiten genutzt hat, trotz der Krise mit ihren unvorhersehbaren Mehraufwendungen und Mindererträgen so sparsam und wirtschaftlich wie möglich zu arbeiten“, spricht Jan Werner seinen Mitarbeitern ein großes Lob aus. Gleichzeitig macht sich bemerkbar, dass die Krise sich 2020 noch nicht negativ auf das Gewerbesteueraufkommen ausgewirkt hat. Im Gegenteil: Das Ergebnis liegt mit 13,8 Millionen fast 2,7 Millionen über dem Ansatz. Zurückzuführen ist dies auf Gewerbesteuernachzahlungen für Jahre vor der Pandemie.

Im ordentlichen Ergebnis, also der laufenden Verwaltungstätigkeit, schließt 2020 mit einem Überschuss von gut 58.000 Euro ab, ist dem jetzt vom Magistrat aufgestellten Jahresabschluss zu entnehmen. „Bei einem Volumen von rund 100 Millionen Euro ist das eine Punktlandung“, freut sich der Bürgermeister. Speziell vor dem Hintergrund, dass die Pandemie das Erreichen der von der Stadtverordnetenversammlung vorgegebenen Kostendeckungsgrade der öffentlichen Einrichtungen unmöglich gemacht hat. „Durch die Schließung der Bereiche oder deren Betrieb unter Hygieneauflagen kam es zu einer deutlichen Einschränkung der Angebote bei gleichzeitig höheren Aufwendungen“, erläutert die für den Finanzbereich zuständige städtische Fachbereichsleiterin Helga Uhl. „Trotz Ausnutzung aller Steuerungsmöglichkeiten wie Kurzarbeit oder Umstellung auf digitale Angebote war eine vollständige Kompensation der geringeren Erträge beziehungsweise Mehraufwendungen nicht möglich.“

Am dichtesten an der Vorgabe ist noch die Musikschule, die gerade mal ein knappes Prozent unter dem vorgegebenen Kostendeckungsgrad (80 Prozent) liegt. „Dies konnten wir nur deshalb erreichen, weil unsere Kundschaft ganz überwiegend den Weg ins Netz mitgegangen ist, den wir sofort bei Schließungsankündigung im vergangenen März eingeschlagen haben“, erläutert der Fachdienstleiter Kulturelle Bildung, Uwe Sandvoß. „Online-Formate wurden zügig und mit großem Engagement von den rund 65 Lehrkräften entwickelt und den Schülern als adäquate Unterrichtsform für die Dauer der Präsenzschließung angeboten. So waren keine Einbrüche bei den Zahlungseingängen durch Unterrichtsentgelte zu verzeichnen, der Musikunterricht musste nicht unterbrochen werden und das Musizieren konnte weitergehen“, so Sandvoß. „Dies ist auch deswegen so wichtig, weil gerade in schwierigen Zeiten die Beschäftigung mit Musik den Kindern und Jugendlichen großen Halt gibt.“

Was bei der Musikschule funktionierte, war bei der Volkshochschule nur bedingt machbar: „Viele Kurse mussten ganz oder teilweise abgesagt werden, weil Online-Formate oft nicht praktikabel oder nicht gewünscht waren. Das betrifft beispielsweise Kurse mit große Gruppen, Sport und Schwimmen“, erklärt Uwe Sandvoß. „Die Einnahmen bei den Kursentgelten gingen drastisch um ein Drittel – und viel stärker als die Personalkosten – zurück.“ Der Kostendeckungsgrad der Vhs lag 2020 bei gut 40 Prozent, Vorgabe sind 60 Prozent.

Ebenfalls unter dem Soll, vor dem Hintergrund der Pandemie aber doch erfreulich sind die Kostendeckungsgrade im Bäderbereich und beim Kulturprogramm. Das Kulturleben kam Mitte März 2020 sehr kurzfristig zum Erliegen. Im Sommer keimte kurzzeitig Hoffnung auf: „Wir hatten tolle Sommerspiele im Paulaner Biergarten hinter der Neuen Stadthalle, alle Veranstaltungen waren ausverkauft“, blickt Joachim Kolbe, städtischer Fachbereichsleiter für Stadtentwicklung, Wirtschaft, Kultur und Sport, zurück. Mit der erneuten Verschärfung der Lage kam das kulturelle Leben aber ein zweites Mal zum Erliegen. „Die gesamte Theatersaison 2020/21 ist bis auf eine Aufführung komplett ausgefallen. Die allermeisten haben wir auf die kommende Saison ab Herbst 2021 verschoben, sodass die Abonnements gültig bleiben“, sagt Joachim Kolbe.

Auch mit Blick auf die Bäder spricht er von einem erfolgreichen Sommer: Von den insgesamt 230.000 Badegästen wurden mehr als 150.000 in den beiden Freibädern begrüßt. Und da auch in der Stadthalle trotz Corona unter schwierigsten Bedingungen immerhin 242 Veranstaltungen wie Eigentümerversammlungen stattfanden, konnte die Bäder- und Hallenmanagement Langen GmbH (BaHaMa) ein Ergebnis verbuchen, das fast an das des Jahres 2019 heranreicht.

Zurück zum Jahresabschluss der Stadt: Im sogenannten außerordentlichen Ergebnis schließt das Jahr 2020 gar mit einem Überschuss von gut 4,4 Millionen Euro ab. Auch dort war ursprünglich mit einem leichten Defizit gerechnet worden. Grund für das positive Ergebnis ist der Verkauf eines großen Grundstücks, der einmalig Geld in die Stadtkasse brachte und zur Finanzierung neuer Investitionen verwendet wird.

Das Jahresergebnis 2020 der Stadt Langen weist somit einen Überschuss von knapp 4,5 Millionen Euro auf. Es liegt damit fast 7,5 Millionen über dem Haushaltsansatz.

Die mit der Teilnahme am Entschuldungsprogramm Hessenkasse eingegangenen Verpflichtungen zum Ausgleich des Ergebnis- und Finanzhaushalt konnten abermals für Investitionskredite erfüllt werden. Ebenso wurden die Zahlungen der ordentlichen Tilgung und der Beitrag zum „Sondervermögen Hessenkasse“, also die Jahresrate für den vom Land übernommenen Kassenkredit, aus Mitteln der laufenden Verwaltungstätigkeit erwirtschaftet. Verbindlichkeiten aus Liquiditätskrediten waren am Jahresende 2020 keine vorhanden. Im Gegenteil: Der Kassenbestand betrug am 31. Dezember rund 17,9 Millionen Euro.

Für das laufende Jahr sieht der Haushaltsplan beim ordentlichen Ergebnis von vornherein ein minimales Plus von 4.736 Euro vor. „Auch wenn wir noch nicht wissen, wie sich die andauernde Pandemie auf das tatsächliche Ergebnis exakt auswirkt, werden wir auch weiterhin so sparsam und wirtschaftlich wie möglich haushalten“, verspricht Bürgermeister Jan Werner. „2021 wird sicherlich erneut ein finanziell herausforderndes Jahr, aber wir blicken optimistisch voraus.“

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