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Forschungsanlage öffnet ihre Türen

Abwasserverband lädt zu Führungen auf Kläranlage ein

19.03.2018

Die Fachwelt ist sich längst einig: Die herkömmliche Kläranlagentechnik reicht nicht aus, um Arzneimittelrückstände und winzige Plastikteilchen aus dem Abwasser zu entfernen. Dafür wäre eine vierte Reinigungsstufe notwendig. Zunehmend rückt zudem die Keimbelastung des Abwassers ins Blickfeld. Auch um dieses Problem in den Griff zu bekommen, müsste in die vierte Stufe investiert werden. Auf der Kläranlage des Abwasserverbandes Langen/Egelsbach/Erzhausen ist seit etwa einem Jahr eine Versuchsanlage in Betrieb, in der die Abwasserreinigung der Zukunft erforscht wird. Unter wissenschaftlicher Begleitung durch die Technische Universität Darmstadt geht es darum, die Vor- und Nachteile von zwei Verfahren zu ermitteln.

Zur Information der Öffentlichkeit über das Pilotprojekt lädt der Abwasserverband zu kostenlosen Führungen ein, und zwar für Samstag, 7. April, in der Zeit von 9 bis 13 Uhr. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen dabei auch die mechanische und die biologische Reinigung kennen und können sich insgesamt ein Bild von der Anlage im Wald bei Schloss Wolfsgarten und den Aufgaben des Verbandes machen. Anmeldungen werden unter der Rufnummer 06103 9083 entgegengenommen.

Mehr als 8.000 Tonnen für die Umwelt problematischer Arzneimittel werden jedes Jahr in Deutschland in der Humanmedizin verschrieben. Eine beträchtliche Menge gelangt als Beifracht über die Abwässer der privaten Haushalte und der Krankenhäuser in die Umwelt, ohne dabei von Kläranlagen aufgehalten zu werden. Entweder werden die Medikamente über die Toiletten entsorgt oder sie verlassen den menschlichen Körper wieder über Ausscheidungen. Aber auch gegen Mikroschadstoffe aus Wasch-, Reinigungs- und Pflanzenschutzmitteln und gegen antibiotikaresistente Keime und Vieren sind konventionelle Kläranalgen machtlos. Dadurch gelangt ein Cocktail aus winzig kleinen Rückständen in die Gewässer und irgendwann auch ins Grundwasser, den niemand dort haben will.

Selbst wenn vieles noch nicht erforscht ist, gilt als nachgewiesen, dass zum Beispiel Abbauprodukte von Betablockern, Antiepileptika oder Empfängnisverhütungsmitteln zu Schädigungen und Veränderungen von Organen und Geschlechtsmerkmalen bei Fischen führen. Wissenschaftler halten deshalb auch Risiken für den Menschen für denkbar.

Die Politik einschließlich der Europäischen Union sucht vor diesem Hintergrund nach Verfahren, die in der Lage sind, die sogenannten Spurenstoffe genauso wie Mikroplastik, also winzig kleine Kunststoffteile zum Beispiel aus Kosmetika oder dem Duschgel, aus den Abwässern zu entfernen – und das unter wirtschaftlich tragbaren Bedingungen. Die Versuchsanlage in Langen dürfte dazu einen wertvollen Beitrag leisten. Nach den Worten von Eva-Maria Frei, der Geschäftsführerin des Abwasserverbandes, zeigen die ersten Ergebnisse, „dass wir auf einem sehr guten Weg sind“. Bis zum Sommer sollen die Untersuchungen laufen und die Resultate dann in einem Abschlussbericht vorgestellt werden.

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