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Attraktivität hat ihren Preis

Bei Verkehrsbehinderungen durch Wohnbauvorhaben hat die Stadt wenig Einflussmöglichkeiten

28.12.2020

Langen ist dank seiner Lage im Rhein-Main-Gebiet und der guten Verkehrsanbindung als Wohnort gefragt. Zahlreiche Bauvorhaben zeugen davon. Zum einen werden große Neubaugebiete entwickelt, gleichzeitig gibt es über das Stadtgebiet verstreut zahlreiche Einzelvorhaben.

Wo Häuser gebaut werden, sind größere Baustellen erforderlich. Meist müssen Kräne aufgestellt werden, es gilt, Material zu lagern, Maschinen und Aufenthaltscontainer für die Arbeiter abzustellen und vieles mehr. In zusammenhängenden Baugebieten stehen dafür oft entsprechende Flächen zur Verfügung. Schwierig wird es allerdings, wenn in gewachsenen Gebieten ein neues Gebäude neben die bestehende Bebauung gesetzt werden soll. Dann sind Behinderungen für die Nachbarschaft und den Verkehr meist nicht zu vermeiden.

In Langen gibt es aktuell etliche größere Vorhaben, die zu Beeinträchtigungen führen und teilweise auch für Unmut in der Bevölkerung sorgen. „Wir verstehen natürlich, dass Nachbarn nicht begeistert sind, wenn Parkplätze wegfallen, die Grundstücke nicht uneingeschränkt anfahrbar sind oder Umleitungen in Kauf genommen werden müssen“, sagt Heike Gollnow, die städtische Fachbereichsleiterin Dienste für Einwohner und Stadt. „Andererseits sollten die Menschen einsichtig sein, dass auch andere bauen wollen, schließlich sind ihre Häuser ebenfalls irgendwann mal gebaut worden.“ Zudem bemüht sich das Ordnungsamt bei den notwendigen Straßensperrungen oder Beeinträchtigungen intensiv um Lösungen, die den Bauablauf einerseits zulassen, andererseits aber natürlich den Eingriff in den Straßenbereich möglichst minimieren.

Die Bauherren haben das Recht, ihr Grundstück so weit auszunutzen, wie es der Bebauungsplan oder der Paragraf 34 des Baugesetzbuches erlauben. Und weil zur Schaffung von Autoabstellplätzen häufig Tiefgaragen gebaut werden, muss das Grundstück zuvor in entsprechendem Umfang ausgekoffert werden. Dies habe meistens zur Folge, dass die Baustelle in den öffentlichen Raum hinaus ausgedehnt werden müsse.

Dabei spielt es im Übrigen keine Rolle, ob ein privater Bauherr oder ein Bauträger tätig wird, betont Heike Gollnow und widerspricht der immer mal wieder geäußerten Vermutung, die Stadt sei bei Firmen besonders großzügig. Die Stadtverwaltung selbst ist auch gar nicht Genehmigungsbehörde: Die Baugenehmigung wird vom Kreis erteilt. Vor Baubeginn muss der Bauherr bei der Stadt einen Plan zur Abwicklung des Verkehrs vorlegen. „Diese Umleitungspläne werden von unserem Referat Ordnung und Verkehr ausführlich auf ihre Machbarkeit geprüft“, erklärt die Fachbereichsleiterin. Bei Einrichtung der Baustelle und gegebenenfalls der Umleitung sowie während der Bauphase überprüft die Ordnungspolizei regelmäßig die Einhaltung der Vorgaben. Werden unzumutbare Beeinträchtigungen festgestellt, wird natürlich nachgebessert.

Es sei nun mal so, dass keiner die vorhandenen Straßen breiter machen oder bestehende Gebäude verschieben könne, merkt Heike Gollnow an. Werden für Baustellen öffentliche Flächen genutzt oder Umleitungen erforderlich, sind dafür Gebühren zu bezahlen. „Natürlich könnte man auf die Idee kommen, diese deutlich zu erhöhen in der Hoffnung, dass dann doch hauptsächlich das Grundstück genutzt wird“, sagt die Fachbereichsleiterin. „Aber erstens muss die Gebühr verhältnismäßig sein. Und zweitens spielt das für große Bauträger eine untergeordnete Rolle. Sie rechnen die Kosten in die Wohnungspreise ein. Treffen würden wir dann die privaten Bauherren und Familien, die sich auf dem eigenen Grundstück ein Haus bauen möchten. Und das ist nicht gewollt.“

Festzustellen sei aber auch, dass viele Bürgerinnen und Bürger es als selbstverständlich ansehen, dass ihnen in unmittelbarer Nähe zu ihrer Wohnung oder ihrem Haus ein Parkplatz auf öffentlichen Straßen und Plätzen zur Verfügung steht. „Dieses Recht gibt es nicht“, macht Heike Gollnow klar. „Die Autos sind vorrangig auf dem eigenen Grundstück abzustellen.“

Auch der immer mal wieder geäußerte Vorschlag, die Bauprojekte zeitlich so auseinanderzuziehen, dass sich die Anzahl der gleichzeitigen Behinderungen in Grenzen hält, ist nicht immer umsetzbar: „Wenn der Bauantrag erteilt ist, hat der Bauherr drei Jahre Zeit, mit dem Projekt zu beginnen. Wann er das macht, ist ihm allein überlassen. Das macht eine vorausschauende Planung schwierig. Wir haben da kaum Einflussmöglichkeiten“, verdeutlicht die Fachbereichsleiterin. „Im günstigen Fall werden schon weit im Vorfeld Gespräche geführt, um gute Lösungen erarbeiten zu können, aber das gelingt leider bei Weitem nicht immer und die Anträge liegen plötzlich auf dem Tisch.“ Und sie macht heute schon darauf aufmerksam, dass es auf dem Oberen Steinberg im nächsten Jahr auch zu größeren Beeinträchtigungen kommen wird. Dort werden relativ zeitgleich zwei größere Bauvorhaben an der Konrad-Adenauer-Straße realisiert. Doch die Umleitungspläne wurden mit dem Ordnungsamt bereits abgestimmt, sodass potenzielle Verkehrsbehinderungen im Vorfeld durch Umleitungen minimiert wurden. Im Internet informiert die Stadt unter www.langen.de/aktuelle-baustellen.html über die aktuellen Straßensperrungen und Umleitungen.

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