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Eingeschleppte Pflanzen auf dem Vormarsch

Neue Arten bedrohen heimische Flora

24.06.2019
Japanischer Staudenknöterich
Japanischer Staudenknöterich

Nach der Entdeckung fremder Erdteile kamen viele bisher unbekannte Gewächse nach Europa. Unter ihnen waren Nahrungspflanzen wie Tomaten, Kartoffeln oder der Mais. Daneben schafften es auch zahlreiche Stauden, Büsche und Bäume in die Gärten und Parks der Alten Welt. Von dort und über Samen in Tierfutter erobern diese Neubürger, auch Neophyten genannt, heute noch zunehmend Feld, Wald und Flur. Da häufig ihre natürlichen Fressfeinde fehlen, breiten sie sich ungehemmt aus und verdrängen lokale Arten.

Kaum zu bremsen ist beispielsweise der ostasiatische Japanische Staudenknöterich. Täglich wächst er bis zu 25 Zentimeter in die Höhe und nimmt seinen Nachbarn so schnell Licht, Luft und Raum zum Überleben. Ein einziges angeschwemmtes Wurzelstück reicht bereits aus, um ganze Uferstreifen zuwachsen zu lassen. Einfaches Abmähen hilft da nicht mehr, denn die Wurzeln stecken bis zu zwei Metern tief im Boden. Bereits ein Pflanzenteil von nur wenigen Gramm reicht aus, um neue Triebe zu bilden.

Gefährlich für Mensch und Tier ist das Schmalblättrige Greiskraut. Es wächst gerne an Straßenrändern und Bahngleisen, wo vorbeifahrende Autos oder Züge die Samen über große Strecken weitertransportieren. Die gelbe Blüte ist hochgiftig, ihre schmalen Blätter ähneln denen der Rucola-Pflanze. Siedelt sie sich auf Feldern oder Weiden an, kann das Gift über das Getreide ins Brot oder das Viehfutter in die Milch gelangen.

Einen Einwanderer aus Amerika haben vor allem Allergiker fürchten gelernt: die Ambrosia artemisiifolia. Diese spät blühende Beifuß-Ambrosie entlässt bis in den November hinein Milliarden ihrer Pollen in die Luft. Diese lösen bei den Betroffenen Tränenfluss, heftigen Juckreiz oder gar Asthma aus.

Traurige Berühmtheit erlangte auch der Riesen-Bärenklau, der in den 60er-Jahren aus dem Kaukasus importiert wurde. Er keimt schnell und sondert ein Gift ab, die den natürlichen Sonnenschutz der Haut herabsetzt und zu schwerste Verbrennungen führt. Die Berührung mit Pflanzenteilen verursacht auch Fieber, Schweißausbrüche und Kreislaufschocks. Mittlerweile ist seine Vermehrung kaum noch zu stoppen. In einigen Gebieten des Bayerischen Waldes entwickeln sich Riesenbärenklau und Indisches Springkraut so stark, dass einheimische Arten völlig zurückgedrängt werden. Zu den bedrohlichen Arten gehören auch die Späte Traubenkirsche, die Kanadische Goldrute aus Nordamerika oder das Drüsige Springkraut.

Wer diese Neophyten in seinem Garten findet, sollte sie schnell beseitigen. Am besten dazu die verschiedenen Pflanzen noch vor der Samenreife im Sommer mit Handschuhen komplett mit Wurzeln entfernen und im Restmüll entsorgen. Dieses Procedere muss einige Jahre wiederholt werden. Wichtig ist auch, dass der Gärtner kein Pflanzenmaterial in die freie Natur ausbringt, denn Gartengewächse haben in Wäldern und Wiesen nichts zu suchen. Das Bundesnaturschutzgesetz verbietet sogar ausdrücklich Grünschnitt in nahe liegenden Hecken oder auf Waldparkplätzen zu entsorgen.

Eine schöne Alternative zu gefährlichen Neulingen stellt einheimisches Grün dar, das auch zahlreichen Insekten Futter und Lebensraum bietet. Wer Anregungen für die tier- und umweltfreundliche Gartengestaltung sucht oder mehr Informationen benötigt, erreicht Sandra Trinkaus, städtische Umweltberatung, telefonisch unter der Rufnummer 203-391 oder per E-Mail an strinkaus@langen.de.

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