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Deutlich mehr Komfort für die Radler

Schnellverbindung und Parkhaus am Bahnhof

23.04.2019

Radfahren wird immer populärer, ist gut fürs Klima und die Gesundheit. Wie andere Kommunen will auch Langen die Infrastruktur für die Radfahrer verbessern. Aktuell ein Schwerpunkt ist dabei nach Angaben von Bürgermeister Frieder Gebhardt das Bahnhofsumfeld mit Umstieg auf den öffentlichen Personennahverkehr. Direkt vor dem Empfangsgebäude soll die Radschnellverbindung von Darmstadt nach Frankfurt vorbeiführen. So hat es die Stadt mit der Regionalpark Rhein-Main Süd-West GmbH, die das Projekt umsetzt, vereinbart und will jetzt die erforderlichen Schritte dafür in die Wege leiten.

In seiner jüngsten Sitzung hat der Magistrat den Streckenverlauf im Bahnhofsbereich näher beleuchtet. Grundlage ist ein Konzept, das ein Heidelberger Fachbüro im Auftrag der Stadtverwaltung vorgelegt hat. Demnach biegt die Radschnellverbindung von der Westseite der Liebigstraße kommend in Höhe der Zufahrt zum Park-and-ride-Platz ab und führt auf einem neuen und vier Meter breiten Bordsteinradweg hinter den Buswartepositionen zum Bahnhofsvorplatz. Da die Busse an der Stelle nur warten und keine Fahrgäste ein- oder aussteigen, kommt den Radlern niemand in die Quere.

Besondere Vorsicht walten lassen müssen Radfahrer und Fußgänger allerdings auf dem gepflasterten Bahnhofsvorplatz, der als sogenannte Shared-Space-Fläche belassen werden soll. Heißt: Einen markierten Radweg soll es auf diesem Abschnitt weiterhin nicht geben. Die vielen Passanten, die dort unterwegs sind, die zunehmende Zahl der Radler und die Lenker der Stadt- und Regionalbusse, die hier ankommen und abfahren, müssen aufeinander Rücksicht nehmen. Niemandem wird Vorrang eingeräumt – so die Vorstellungen des Magistrats, der allerdings genau beobachten will, ob das Modell in der Praxis funktioniert und ob es bei Bedarf Nachbesserungen geben muss.  

Die anschließende Bahnhofsanlage soll indes als Fahrradstraße beschildert werden. Hier hätten dann wiederum die Radler Vorfahrt, könnten in beide Richtungen die gesamte Fahrbahnbreite nutzen und auch nebeneinander fahren. Das entspricht dem Geist der Radschnellverbindung. Die Autos blieben aber nicht außen vor. Für sie wäre die Bahnhofsanlage weiterhin eine Einbahnstraße in Richtung Süden.

Zur Folge hätte das Ganze, dass die rund 20 Längsparkplätze an der Westseite der Bahnhofsanlage aus Platzgründen wegfallen müssten. Als Ersatz bringen die Heidelberger Fachleute einen neuen Park-and-ride-Platz nördlich der bestehenden Autoabstellanlagen ins Spiel. Unangetastet bliebe die Baumreihe an der Bahnhofsanlage.

Mit der vorgeschlagenen Lösung werde den Ansprüchen der Radschnellverbindung in ausreichender Weise Rechnung getragen, betonte Bürgermeister Frieder Gebhardt. Darüber hinaus blieben die Kosten für den Abschnitt in Höhe von rund 30.000 Euro im Rahmen. Getragen werden sie hauptsächlich vom Land Hessen.

Wer mit dem Rad zum Langener Bahnhof kommt, um dort in den Zug umzusteigen, hat es  ob des Andrangs nicht immer leicht, einen geeigneten und vor allem einigermaßen sicheren Abstellplatz für sein Gefährt zu finden. Abhilfe soll ein Fahrradparkhaus schaffen. Auch darauf hat sich der Magistrat verständigt. Fakt ist, dass die knappen Flächen rund um den Europaplatz vor allem auf die mit dem Auto anreisenden Pendler zugeschnitten sind. Die heutige Gestaltung entstand im Zuge der S-Bahn-Einführung im Jahr 1997.

In jüngerer Zeit kamen zusätzliche Radabstellanlagen hinzu, die aber ebenfalls vorne und hinten nicht ausreichen. „Mittlerweile ist der Bahnhofsvorplatz definitiv an seiner Kapazitätsgrenze angelangt“, sagte Gebhardt. Zugleich wachse die Stadt und damit die Pendlerzahl. Wer eine der begehrten, weil abschließbaren Fahrradboxen im Rathaus mieten will, muss sich auf jahrelange Wartezeiten einrichten. Auf der Ostseite des Bahnhofs gibt es südlich des Park-and-ride-Platzes 40 Boxen. Hinzu kommen etwa 220 frei zugängliche Abstellplätze zum Anschließen der Räder. In der Realität wird darüber hinaus praktisch jede geeignete Stelle genutzt, um sein Gefährt abzuschließen, zum Beispiel die Zäune der Fahrradboxen.

Das Konzept des Fachbüros beinhaltet ein Parkhaus für rund 400 Räder, die dort wettergeschützt und diebstahlsicher abgestellt werden könnten. Gebaut werden soll es auf der Fläche der bisherigen Boxen und damit in direkter Nähe zum Zugang der Bahnsteige, um kurze Wege sicherzustellen. Für die Radlergroßgarage müssten zudem rund 40 Autoparkplätze in Anspruch genommen werden. Kosten würde sie schätzungsweise 600.000 Euro. Mit den Investoren der geplanten Baugebiete an der Liebigstraße ist laut Gebhardt bereits vereinbart, dass sie sich mit 110.000 Euro beteiligen. „Darüber hinaus gibt es diverse Fördertöpfe, aus denen wir für das Parkhaus schöpfen könnten“, meinte der Verwaltungschef.

Im Zuge der Umgestaltung könnten auch gleich die Taxi-Stände neu geordnet werden. Gegenwärtig stehen die Taxis ohne wirkliches System am Treppenaufgang der Fußgängerunterführung. In Zukunft sollen sie sich in Reih und Glied an zwei Seiten des Fahrradparkhauses aufstellen und damit weiter zentral und gut sichtbar.

Der derzeitige Park-and-ride-Platz direkt am Bahnhof verfügt über 64 Pkw-Stellplätze. Weitere 53 kommen auf einer Fläche hinzu, die sich im Norden anschließt und später angelegt wurde. Das Konzept sieht vor, die 37 verbleibenden PKW-Stellplätze auf dem südlichen Teilstück nach dem Bau des Fahrradparkhauses und der Neuordnung der Taxi-Aufstellfläche ausschließlich für Kurzzeitparker vorzuhalten. Die Überlegung: Wer jemanden zum Bahnhof bringt oder abholt oder hier schnell etwas erledigt, kann für eine begrenzte Zeit sein Fahrzeug abstellen.

Sämtliche wegfallenden Parkmöglichkeiten – auch die an der Bahnhofsanlage und sogar die provisorischen Senkrechtparker an der Liebigstraße – könnten durch eine neue Fläche für gut 70 Pkw kompensiert werden, die im Norden an das bestehende Parkgelände anschließt und der Stadt gehört. Die Ausgaben für die Park-and-ride-Plätze (Um- und Neubau) würden bei gut einer Millionen Euro liegen. Sie könnten im Laufe der Zeit aber wieder wettgemacht werden, falls das Parken nicht mehr zum Nulltarif, sondern gegen Gebühr angeboten würde. „Alternativ besteht natürlich auch die Möglichkeit, die entfallenden Parkplätze nicht auszugleichen und dadurch mehr Pendler für das gute Stadtbusangebot oder fürs Fahrrad zu gewinnen“, erkläre Gebhardt. Nicht vergessen werden dürfe in diesem Zusammenhang, dass die Stadt heute Geld verlange, um am Langener Bahnhof Fahrräder sicher abzustellen, Autos aber kostenlos rund um die Uhr geparkt werden dürften.

Gebhardts Fazit: Die Bahnhofsostseite als eigentliche Stadteingangsseite soll möglichst vielen Langenern ein attraktives Angebot zum Umsteigen auf den Schienenverkehr bieten. Neben dem gut funktionierenden Busbahnhof soll der Schwerpunkt vor allem auf dem Fahrrad- und dem Pkw-Kurzzeitparken liegen. Erforderlich seien in einem nächsten Schritt Gespräche mit der Deutschen Bahn, in deren Eigentum ein Teil des vorhandenen Park-and-ride-Parkplatzes sei.

Zu einem späteren Zeitpunkt – wenn der Parkdruck weiter ansteigt oder neue Bushaltestellen benötigt werden – will der Magistrat auch auf der Westseite zusätzliche Kapazitäten schaffen. Hier wurden zuletzt 2014 rund 140 Auto-Parkplätze angelegt. Auf dem vorhandenen Park-and-rinde-Plätz könnte ein mehrgeschossiges Parkdeck in Kombination mit einem Fahrradparkhaus entstehen.

Die Neukonzeption für das Bahnhofsumfeld geht am Mittwoch, 8. Mai, zur Beratung in den Ausschuss für Umwelt, Bau und Verkehr. Die Stadtverordnetenversammlung befasst sich damit in ihrer Sitzung am Donnerstag, 23. Mai. Beginnt ist jeweils um 20 Uhr im Rathaus.

 

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