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REQUIEM FÜR EINEN SPION

Ob sie die Wahrheit sagen oder der Pointe wegen eine schöne Geschichte vorziehen? Da kann man sich nicht sicher sein und der Mann, der diese Geschichte zu Papier gebracht hat, steht dafür gerade, dass es bei ihm keine einfachen Antworten gibt. Requiem für einen Spion ist ein starkes Stück des großen Dramatikers und Regisseurs George Tabori, Jude, Nazi-Verfolgter und zeit seines Lebens unbeirrbarer Grenzgänger zwischen Grinsen und Grauen.

Im Requiem arrangiert Tabori ein Treffen von drei ehemaligen Geheimdienstlern aus dem Zweiten Weltkrieg und führt sie nach Jahrzehnten in einer Londoner Tiefgarage wieder zusammen. Diese Tiefgarage verbindet die Dame und die beiden Herren, denn genau da war früher ihre Nazi-Bekämpfungs-Zentrale gewesen. Codename „Sweet“, der Jude Heinrich Zucker will seine Biografie schreiben und dazu muss er Gedächtnislücken füllen und mit den beiden anderen einige Ungereimtheiten der gemeinsamen Vergangenheit aufklären. Die anderen sind Major Brian Murdoch (früher Führungsoffizier, jetzt angeblich Psychiater an der Landesanstalt für senile Sexualstraftäter) und die „Weiße Rose“ Maggie (frühere Geliebte beider Männer). Sweet will’s endlich wissen: Warum z.B. hat Murdoch, der die Agenten beim Feind einschleuste, Zucker nicht eingesetzt? Oder: Wer hat Maggie damals an die Nazis verraten?

In drei Akten voll grotesk-komischer Sketche, Rollenspiele und typischer Tabori-Witze geht es um Wahrheit und Verantwortung, aber auch um Liebe, Leben und Tod im Allgemeinen und Besonderen. George Tabori, dessen Familie in den Gaskammern der Nazis umgebracht wurde, hat den größten Teil seines langen Lebens (geboren 1914 in Budapest, gestorben 2007 in Berlin) als Emigrant verbringen müssen. Im Alter von 80 Jahren hat er das Requiem für einen Spion geschrieben und 1993 erlebten er und es die Uraufführung im Wiener Akademietheater. Rolf Michaelis von der ZEIT war damals dabei und überschlug sich in seinem Zeitungsbericht vor Lob für den bösen, weisen Witz des skeptisch-zynischen Menschfreundes und schreibt: Strenger als in früheren Stücken stellt Tabori die Frage nach Wahrheit, Lüge, Verrat – nicht nur bei ‚Spionen‘, von denen der Titel spricht. Sind wir nicht alle Agenten unseres eigenen, auf kleine und große Lebenslügen eingeschworenen Geheimdienstes? Was verheimlichen wir vor uns selbst? Wo beginnt der (Selbst)Betrug?

Das Requiem für einen Spion, mit dem die Langener Theatersaison diesmal startet, ist eine Produktion der Théàtres de la Ville de Luxembourg. Mit dabei ist der luxemburgische, in Berlin lebende Schauspieler Luc Feit, den das deutsche Publikum aus vielen Kino- und Fernsehfilmen und Rollen in zahlreichen TV-Serien (Tatort, Fall für Zwei, Edel & Starck) kennt. Die anderen beiden Geheimnisvollen, Steve Karier und Josianne Peiffer, kommen ebenfalls aus Luxemburg – und alle spielen exquisit zusammen.

 

Preisinformationen

27,40/ 25,20/ 23 Euro
inkl. Gebühren

 

Veranstaltungsort(e)

  • Neue Stadthalle Langen
    63225 Langen
    Südliche Ringstraße 77
    • 06103 203-401

Veranstalter