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PAULETTE - OMA ZIEHT DURCH

Oma Paulette ist wirklich was für gute Nerven. Sagt sie doch zu ihrem – farbigen – Beichtvater: Aber nein, ich sprech‘ doch nicht von ihnen, Vater Baptiste. Sie hätten’s wirklich verdient, weiß zu sein. Nein, ich rede von dem Neger, der meiner Tochter ein Kind gemacht hat und mit ihr zusammenlebt. Und von diesen Schlitzaugen, diesen Japsen, denen jetzt mein Restaurant gehört. Die sind schuld, dass mein Francis mit dem Trinken angefangen hat. Und deswegen ist er auch gestorben.

Oma Paulette ist verbittert, bösartig und extrem rassistisch und muss in Paris von Grundsicherung leben. Das ist richtig mies. Wer sagt also, dass Geld nicht doch glücklich machen kann? Als der Gerichtsvollzieher dann auch noch die Möbel holt, reicht es. Sie nimmt ihr Leben in die Hand und wird vom Sozialfall zu einer äußerst erfolgreichen Geschäftsfrau. Kleiner Schönheitsfehler: Paulette dealt mit weichen Drogen. Und das zunächst ziemlich ungestört von der Obrigkeit, denn wer würde so etwas schon bei einer Frau ihres Alters erwarten? Dafür muss sie sich Konkurrenten und Neider aus der Unterwelt vom Hals halten. Das materiell nun viel bessere Leben, wie auch die für den Geschäftserfolg unumgängliche Begegnung mit Menschen anderer Herkunft und Hautfarbe bewirken etwas. Paulette entdeckt Seiten an sich, die sie regelrecht sympathisch erscheinen lassen – na beinahe, jedenfalls…

Wo es dampft, sind die Leute unverkrampft: Die herrliche Krimikomödie von Anna Bechstein war in Frankreich und Deutschland ein großer Erfolg in den Kinos, jetzt bringt a.gon münchen das Werk livehaftig auf die Bühne, weil es nicht viele Komödien gibt, die uns Lachen machen und dennoch intelligent sind, weil die verhandelten Themen hochaktuell sind: Fremdenfeindlichkeit, Altersarmut, Ausgrenzung, Ghettobildung und Drogenpolitik. Die Paulette ist für die Franzosen ein Spiegel ihrer sozialen Probleme, für deutsche Zuschauer ein Fenster zu schwierigen Situation des Nachbarlandes – witzig, aber nicht ausgelassen: eine bittersüße, leicht schwermütige Groteske.

In Langen erwartet das Publikum ein Stück mit toller Starbesetzung und einer Paulette von großem Format: gespielt wird die verarmte Rentnerin nämlich von Diana Körner, einer der bekanntesten Film- und Theaterschauspielerinnen unseres Landes. Sie stand am Schillertheater in Berlin oder am Hamburger Schauspielhaus auf der Bühne, spielte in Stanley Kubricks Barry Lyndon mit und war in unzähligen Fernsehproduktionen zu sehen, von Liebling Kreuzberg, Girlfriends über Unter weißen Segeln, Rosamunde Pilcher und Die Bergretter bis hin zum Tatort und dem Bullen von Tölz.

Es erwartet sie also zum Finale unserer Spielzeit ein höchst vergnüglicher und anregender Theaterabend - und bis dahin geben wir ihnen noch einen Aphorismus aus der Szene mit auf den Weg: Alle Tage sind gleich lang, aber unterschiedlich breit.

 

Preisinformationen

25,20/ 24,10/ 23 Euro
inkl. Gebühren

Kontaktdaten zur Veranstaltung

Veranstaltungsort(e)

  • Neue Stadthalle Langen
    63225 Langen
    Südliche Ringstraße 77
    • 06103 203-401

Veranstalter