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AUS DEM NICHTS

Der Albtraum einer jeden Mutter wird plötzlich wahr: Eines Nachmittags bringt Katja ihren kleinen Sohn Rocco zu ihrem deutsch-kurdischen Mann Nuri ins Büro. Als sie am Abend wiederkehrt, muss sie erfahren, dass beide tot sind; eine vor dem Büro platzierte Nagelbombe hat sie getötet. Aus dem Nichts liegt Katjas Welt in Trümmern. Noch kurz vor dem Anschlag hatte sie am Tatort eine junge Frau gesehen, die ihr mit einem schwarzen Behälter bepacktes Fahrrad an einer Laterne abstellte. Eine Spur, doch die Polizei verfolgt sie nicht, konzentriert sich stattdessen auf Nuris Vergangenheit und ermittelt im Rotlichtmileu. Selber schuld – unterschwellig bekommt die Witwe das durchweg mitgeteilt. Doch dann will es der Zufall, dass der Verdacht schließlich auf das Neonazi-Pärchen André und Edda Möller fällt, was Katja Hoffnung schöpfen und an einen gerechten Ausgang des Gerichtsverfahrens glauben lässt. Doch der Prozess nimmt einen gänzlich anderen Lauf: Werden die Möllers anfangs durch stichhaltige Beweise klar als Täter identifiziert und ihre rechtsradikale Einstellung belegt, gelingt es ihrem Strafverteidiger durch eine perfide Strategie, alle Fakten und Beweise derart zu unterwandern, dass das Pärchen schließlich freikommt. Gedemütigt und entsetzt beschließt Katja, das Gesetz selbst in die Hand zu nehmen.

Das Rachedrama Aus dem Nichts des deutschen Filmregisseurs und Autors Fatih Akin entstand natürlich nicht aus dem Nichts, sondern vor dem Hintergrund der weltweit verfolgten Prozesse um den sogenannten Nationalsozialistischen Untergrund (NSU). Die rechtsradikalen und fremdenfeindlichen Terroristen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe ermordeten zehn Menschen, verübten Mordversuche, Raubüberfälle und drei Sprengstoffanschläge. Bekannt wurde der NSU erst im November 2011, als Mundlos und Böhnhardt tot in einem ausgebrannten Wohnmobil aufgefunden wurden und Zschäpe in ihrer Zwickauer Wohnung Bekennervideos versandte und Feuer legte. Bis dahin hatte die Polizei rechtsextreme Hintergründe der Verbrechen weitgehend ausgeschlossen, sie tappte jahrelang im Dunkeln, suchte im persönlichen Umfeld der traumatisierten Opfer nach den Tätern oder machte gar die Opfer zu Tätern.

Aus dem Nichts zeigt aus Sicht der Hinterbliebenen den Schmerz des Verlustes und die unendliche Trauer, zeigt die wachsenden Zweifel und den anschwellenden Zorn angesichts himmelschreiender Fehler und Ungerechtigkeiten von Ermittlungs- und Justizbehörden. Fatih Akin hat daraus einen international prämierten Spielfilm mit Diane Kruger in der Hauptrolle gemacht, einen Film, der die Zuschauer*innen in einen seelischen und moralischen Konflikt von schier antiker Wucht hinein zieht, der auch die Opfer des NSU ehren und der aufrütteln soll. Die Bühnenadaption und Dramatisierung des Films in der Regie von Miraz Bezar knüpft an diesen Punkten an, rückt das Thema ins Licht der Bühne und führt es uns ganz nah vor Augen. Elfriede Jelinek merkt an: Wir würden die eigene Hand nicht erkennen, wenn sie uns ein anderer vor Augen halten würde, das macht aber keiner, wie käme er zu unserer Hand?

www.annaschaefer.net - www.mathiaskopetzki.de - www.christianmeyer.actor

Der Theaterabend ist auch Teil des Abonnements Stadt.Theater.Langen.

 

Preisinformationen

30,60/ 28,40/ 26,20 Euro
inkl. Gebühren
inkl. Garderobe

 

Veranstaltungsort(e)

  • Neue Stadthalle Langen
    63225 Langen
    Südliche Ringstraße 77
    • 06103 203-401

Veranstalter