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Ökonomisch sinnvoll und ökologisch vertretbar

Von Waldsee-Auskiesung profitieren Stadt, Wirtschaft und Region

25.03.2019

Gegen den weiteren Kiesabbau am Langener Waldsee haben am vergangenen Wochenende rund 250 Personen in der Langener Innenstadt protestiert. Bürgermeister Frieder Gebhardt hat vor diesem Hintergrund darauf hingewiesen, dass die Pläne der Firma Sehring voll und ganz im Einklang mit Beschlüssen in der Langener Stadtverordnetenversammlung stehen und dem geltenden Recht entsprechen. Grundlage ist ein Planfeststellungsbeschluss aus dem Jahr 2013, der dem Langener Unternehmen gestattet, im Zuge der sogenannten Südosterweiterung des Waldsees bis Ende 2038 auf insgesamt 63 Hektar Kies und Sand zu fördern. Sehring hat damit 2014 begonnen und bislang ein knappes Drittel des Areals in Anspruch genommen, nachdem das Regierungspräsidium Darmstadt entsprechende Genehmigungen für jeden einzelnen Abschnitt erteilt hat, zuletzt für 4,56 Hektar ab Herbst/Winter. Bisher geführte Gerichtsverfahren wurden zugunsten des Regierungspräsidiums und der Firma Sehring entschieden.

Zwar wächst auf den neuen Auskiesungsgebieten Bannwald, der aber gerodet werden darf, wenn ein Vorhaben dem Allgemeinwohl und wie in diesem Fall der Versorgung mit hochwertigen Rohstoffen dient. Der Langener Quarzsand und Kies wird von der Bauindustrie wegen seiner außerordentlichen Qualität stark nachgefragt und ist angesichts der enormen Bautätigkeit im Rhein-Main-Gebiet ein knappes Gut. Längst warnt die Bauwirtschaft vor Engpässen, die die Preise für Häuser und Wohnungen weiter verteuert und damit auch die Mieten. Benötigt werden Sand und der gröbere Kies für Beton, Ziegel, Asphalt und Mörtel. Vor etwa zehn Jahren drohte die Quelle im hiesigen Wald zu versiegen, weil die alten Abbauflächen, aus denen das überregionale Freizeit- und Erholungsgebiet Langener Waldsee entstanden ist, zur Neige gingen. Dank der zentralen Lage des Betriebsgeländes im Rhein-Main-Gebiet und seiner direkte Anbindung an die B 44  können die Rohstoffe ohne Ortsdurchfahrten zu den Baustellen transportiert werden.

Die Stadt Langen ist Eigentümerin der Auskiesungsflächen und hat deswegen ein gewichtiges Wort mitzureden. Geregelt ist alles in Nutzungs- und Förderverträgen mit der Firma Sehring. „Sie wurden von der Stadtverordnetenversammlung mit großer Mehrheit beschlossen“, betonte Gebhardt. Zum einen sei der Waldverlust schon vor Beginn des Vorhabens anderswo in und um das Rhein-Main-Gebiet ausgeglichen worden. „Fakt ist, dass Sehring bis 2018 mehr als 63,7 Hektar und damit die komplette Größenordnung der Südosterweiterung aufgeforstet hat.“ Zum anderen werde das Unternehmen im Zuge der Rekultivierung 67 Prozent der Gesamtfläche an Ort und Stelle aufforsten und auf 14 Prozent Biotope anlegen. Der Rest verbleibe als Wasserfläche und ein kleiner Teil werde für Wege benötigt.

Diese Tatsachen müssen laut Gebhardt eben auch in die Waagschale gelegt werden, wenn es um die Auskiesung gehe. „Sicherlich kann die ökologische Funktion der Wälder erst nach vielen Jahren angemessen ersetzt werden.“ Allerdings entständen im Laufe der Zeit eine wertvolle Naturlandschaft und hochwertiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Spaziergänger würden ebenfalls profitieren und auf den rekultivierten Flächen Ruhe und Erholung finden. Das schon heute bestehende Erholungs- und Freizeitgebiet mit Baden, Sonnen, Segeln, Surfen und Angeln werde um weitere Komponenten bereichert.

„Das Konzept ist ökonomisch sinnvoll und beinhaltet auch die erforderliche ökologischen Aspekte“, erklärte Gebhardt. Durch die Wiederaufforstungen und die naturnahe Landschaftsgestaltung sei der Eingriff in den Bannwald vertretbar. Alle Schritte würden durch Fachleute überwacht. Überdies sei der Nachweis erbracht worden, dass das Grundwasser durch die Auskiesung nicht beeinträchtigt wird. Gebhardt wies außerdem darauf hin, dass die Firma Sehring über die Auflagen hinaus für den Artenschutz und die Biotopvielfalt mehr tue als von ihr verlangt werde und ihre Betriebsabläufe auf die Belange des Umweltschutzes abstimme.

Dies gelte auch für die Ostgrube. Für deren Rekultivierung sei die Firma Sehring ebenfalls verantwortlich und habe dort alle im damaligen Planfeststellungsbeschluss geforderten Flächen rekultiviert. Dass die Forst- und Naturschutzbehörden bisher erst einen kleinen Teil des rund 50 Hektar großen Areals abgenommen haben, sei kein Widerspruch. Denn es brauche Zeit, bis sich die Natur das Gebiet wieder erobert habe. Und bis dahin sei Sehring in der Pflicht und müsse sich um den Bewuchs kümmern. Gebhardt ließ keine Zweifel daran, dass das Unternehmen stets voll und ganz seinen Verpflichtungen nachgekommen ist und den Anordnungen der Behörden jederzeit Folge geleistet hat.         

Für die Auskiesung und Verfüllung erhält die Stadt Langen von Sehring auf Grundlage bestehender Verträge im Jahr Abgaben in Höhe von aktuell etwa 800.000 Euro. „Das ist Geld, das wir in Zeiten knapper Kassen und zur Vermeidung von Steuererhöhungen dringend brauchen“, sagt Gebhardt. Genauso liegt ihm der Fortbestand des traditionsreichen Unternehmens am Herzen, das seit 90 Jahren am Waldsee tätig ist und ohne weitere Fördermöglichkeiten den Standort schließen müsste. Davon betroffen wären rund 100 Arbeitsplätze. 

Nicht vergessen werden dürfe zudem, dass die Firma Sehring ein wichtiger Partner der Stadt beim Betrieb des Waldsees sei, die dort ansässigen Vereine unterstütze und beispielsweise die großen Triathlonveranstaltungen wie die Ironman-Europameisterschaften fördere. Der Waldsee sei ein Magnet für die ganze Region und seine Funktion als größtem Freizeit- und Erholungsgebiet im südlichen Rhein-Main-Gebiet werde auch durch den Regionalverband gestärkt.

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