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Innenstadtbefragung: Wer einkauft, kommt meist zu Fuß

Studie zur Langener Innenstadt liefert Erkenntnisse für Einzelhandel

16.04.2019

Einer Befragung im Auftrag des Kölner Instituts für Handelsforschung (IfH) nach bewerten Passanten die Langener Innenstadt im Schnitt mit der Schulnote drei. Was für Wackelkandidaten beim Abitur Aufatmen bedeutet und Einserschülern den Tag vermiest, ist keine Überraschung für die Langener Wirtschaftsförderung im Rathaus. Trotz der nur mittelmäßigen Wertung gewinnt sie durch den 60 Seiten starken Ergebnisbericht zur Umfrage wichtige Erkenntnisse für die künftige Ausrichtung des Citymarketings.

Die IfH-Studie „Vitale Innenstädte“ nahm in ihrer dritten Auflage 116 Kommunen ins Visier. Mit dabei waren Großstädte wie Frankfurt, Köln oder Bremen, aber auch Mittelzentren wie Kassel, Wismar oder Cuxhaven. Für Langen war die Teilnahme eine Premiere. Insgesamt 403 Passanten fragten die Interviewer an zwei Tagen im vergangenen September entlang der Bahnstraße zu ihrem Einkaufsverhalten und ihrer Meinung zur Innenstadt in Sachen Erreichbarkeit, Sauberkeit, Sortimentsbreite und Gastronomieangebot. Mit der Gesamtwertung 3,0 lag Langen in der Studie nur knapp unter dem Durchschnitt aller Kommunen (2,7). „Die Ergebnisse der Studie sind eine gute Grundlage zum Leistungsvergleich und machen die Kundenbedürfnisse für uns und die Gewerbetreibenden transparent“, sagt Langens Bürgermeister Frieder Gebhardt.

Deutlich wird aus den IfH-Daten, dass die Verbraucher in Langen überwiegend zum gezielten Einkauf in die City kommen. Schaufensterbummel oder Verweilen im Schatten der Platanen stehen weniger hoch im Kurs. Mit der Zensur „befriedigend“ bewerteten die Befragten die Parkmöglichkeiten und das Kultur- und Freizeitangebot im Kern der Sterzbachstadt. Auch in puncto Sicherheit und Sauberkeit notierten die Statistiker einen soliden Mittelwert.

Sehr gut bis gut schnitten die Themengebiete „Erreichbarkeit“, „Öffnungszeiten der Ladengeschäfte“ und „Veranstaltungen in der Innenstadt“ ab. Ebenso zufrieden waren die Befragten mit dem Dienstleistungs- und Gastronomieangebot und den Orientierungsmöglichkeiten entlang der Bahnstraße. In der Kategorie „Sehenswürdigkeiten“ ging die Wertung für Langen erwartungsgemäß in den Keller. Die Schulnoten vier bis sechs verpassten die Passanten den nicht vorhandenen Touristenattraktionen im Stadtkern.

„Aus den Resultaten der Umfrage haben wir erfahren: Wer bei uns einkauft ist statistisch gesehen meist weiblich und etwa 50 Jahre alt“, berichtet Joachim Kolbe, Fachbereichsleiter für Stadtentwicklung, Wirtschaft, Kultur und Sport. Von allen Kommunen in der Studie habe Langen den höchsten Fußgängeranteil bei den Einkäufern. „Beachtliche 42,5 Prozent aller Befragten kamen zu Fuß in die Stadt“, erläutert der Wirtschaftsförderer. „Der Durchschnitt aller anderen Städte lag hier bei 24,7 Prozent.“ Zudem erfuhr die Stadt, dass 85 Prozent der Befragten direkt in Langen beheimatet waren. Weitere fünf Prozent kamen zum shoppen aus Egelsbach, der Rest aus anderen umliegenden Kommunen.

Mit dem vorhandenen Sortiment war die Kundschaft generell zufrieden. Die Auswahl bei Lebensmitteln, Drogeriewaren, Büchern und Optikern sei exzellent. Geht es um die Vielfalt der Läden mit Sport- und Spielwaren, Büro- und Schreibartikeln, Unterhaltungselektronik, Uhren und Schmuck, Bekleidung und Schuhen sahen die Interviewten Langen im befriedigenden Bereich. Geschäfte mit Möbeln und Einrichtungsgegenständen vermissten die meisten Männer und Frauen komplett, sodass es hier nur für die Note vier bis sechs reichte. Verständlich aus Kolbes Sicht, da es an entsprechenden Flächen für solche Angebote in der Innenstadt fehlt.

Um konkret auf die Situation vor Ort einzugehen, stellten die Interviewer auch individuelle Fragen zu Langen, die der Wirtschaftsförderung am Herzen lagen. Die Auswertung machte deutlich, dass knapp 60 Prozent der Teilnehmer die vorhandenen Sitzgelegenheiten und etwa 83 Prozent die Ausleuchtung der Bahnstraße bei Dunkelheit als ausreichend empfinden. Wissen wollten die Fachleute aus dem Rathaus ferner, wem die Citymarketing-Kampagne „So nah. So gut. So Langen.“ geläufig ist (72 Prozent) und wer den Langener Einkaufsgutschein kennt (58 Prozent). Ganz unterschiedlich fielen die Antworten auf die Frage „Würde Ihnen ein Wochenmarkt in der Romorantin-Anlage gefallen?“ aus: Eine Hälfte stimmte für Ja, eine für Nein.

„In vielen der angesprochenen Themengebiete sind wir aktiv – auch wenn das die Kunden manchmal nur unterschwellig wahrnehmen“, vermutet Kolbe. „Die Stadt, der Gewerbeverein, die lokalen Geschäftsleute, die Stadtwerke und zahlreiche Vereine arbeiten in unserer Citymarketing-Initiative gemeinsam daran, die Innenstadt lebendig, attraktiv und wettbewerbsfähig zu erhalten.“ Das Ergebnis der bisherigen konzeptionellen Teamarbeit sind zahlreiche Gewinnspiele, der überaus erfolgreiche Langener Einkaufsgutschein, die Sympathiekampagne „So nah. So gut. So Langen“ mit dem Comic-Protagonisten Herbert und saisonal angepasste Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit Kirchen, Vereinen und hiesigen Künstlern.

„Für mehr Sauberkeit sorgen wir seit vier Jahren mit dem StraßenCarer-Projekt, bei dem sich professionelle Reinigungskräfte regelmäßig die Bahnstraße vornehmen und von herumliegendem Müll und wucherndem Unkraut befreien. Um die Aufenthaltsqualität zu steigern seien zudem neue Sitzgelegenheiten installiert und ganze Abschnitte der Unteren Bahnstraße im Zuge des Stadtumbau-Programms saniert worden. Auch die Möglichkeiten für die Versorgung der Innenstadt mit kostenlosem WLAN wie seit längerem am Lutherplatz würden derzeit geprüft.

Auf die Wünsche nach einem breiteren Warensortiment reagiert die Kommune bereits mit dem geplanten Stadtpalais – einer Kombination aus Wohn- und Geschäftsflächen an der Bahnstraße in Höhe der Einmündung Zimmerstraße – und dem sich im Bau befindlichen Quartierszentrum an der Liebigstraße.

„Die Nahversorgungsangebote unserer Innenstadt bleiben durch den gesellschaftlichen Wandel und die Digitalisierung des Handels eine große Herausforderung, der wir uns gerne stellen“, fasst Gebhardt zusammen. Kundenservice und ein guter Mix aus Geschäften und Gastronomie würden in Zukunft immer stärker an Bedeutung gewinnen. „Gerade deshalb sind die Ergebnisse der Umfrage für uns ein guter Anknüpfungspunkt, um unsere Konzepte weiterzuentwickeln – ganz nach Bedarf und im Sinne der Bürgerinnen und Bürger.“

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