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Flucht und Vertreibung gestern und heute

Vortragsreihe der Langener Volkshochschule im Alten Rathaus

16.10.2017
Vortrag vhs Flucht und Vertreibung gestern und heute
Auch sie gehören zu dem weltweiten Millionenheer von Flüchtlingen: Menschen, die versuchen ihr Leben zu retten.

Gegenwärtig sind weltweit Millionen Menschen auf der Flucht. Grund genug für die Langener Volkshochschule, eine kleine Vortragsreihe zu dieser Problematik anzubieten. Schauplatz ist das Alte Rathaus am Wilhelm-Leuschner-Platz mitten in der Altstadt. Aus gutem Grund. Denn es soll wieder mit Leben erfüllt werden, so wie es eine vor kurzem besiegelte Kooperation zwischen der Stadt und dem Verkehrs- und Verschönerungsverein vorsieht.

Mitveranstalter der drei Vorträge umfassenden Reihe sind das Diakonische Werk Offenbach-Dreieich-Rodgau, das Begegnungszentrum Haltestelle der Stadt Langen, der städtische Fachdienst Migration, Jugend, Spielplätze, die Koordinationsstelle Miteinander sowie die Buchhandlung litera. Beginn ist immer um 16 Uhr, der Eintritt frei.

Den Anfang macht Dr. Andreas Kossert am Samstag, 21. Oktober, mit seinem Vortrag „Herzlich willkommen? Vertriebene und Flüchtlinge in Deutschland nach 1945“. Der Historiker präsentiert seine Forschungsergebnisse zu deren Geschichte nach Ende des Zweiten Weltkriegs, die er in seinem Buch „Kalte Heimat“ veröffentlicht hat.

Die Integration von Millionen Männern, Frauen und Kindern aus dem Osten in die deutsche Nachkriegsgesellschaft wird als Erfolg und als Beispiel für Solidarität angesehen. Auf die schwierige Ankunftshistorie mit Ablehnung und Anfeindungen hat Dr. Kossert in seiner Untersuchung verwiesen. Er geht der Frage nach, welche mentalen Spuren die Erfahrungen von Krieg, Flucht und Heimatverlust in der deutschen Gesellschaft hinterlassen haben. Vor dem Hintergrund aktueller Debatten um die Unterbringung und Integration von Flüchtlingen gewinnt das Beispiel eine besondere Bedeutung.

Um Fluchtbiografien geht es auch am Samstag, 4. November. Flüchtlinge berichten dabei über die Gründe, warum sie ihre Heimat verlassen haben, auf welchen Wegen sie nach Deutschland kamen und über ihre Hoffnungen, Enttäuschungen und Ängste. Sie erzählen von ihrem verlorenen Zuhause, ihrer Entwurzelung und wie sie in ihrem neuen Leben ankommen wollen. Durch die Veranstaltung führt der Leiter des Langener Begegnungszentrums Haltestelle, Martin Salomon. Seine Gäste sind die Deutsch-Afghanin Arian Anwari und Tzehaie Semere, der in den 1980er Jahren aus Eritrea floh.

Mit der Frage, wie Ausländerfeindlichkeit entsteht und warum Flüchtlinge diskriminiert werden, beschäftigt sich am Samstag, 18. November, Professor Dr. Ulrich Wagner. Gleichzeitig thematisiert der Sozialpsychologe, was die Gesellschaft präventiv dazu beitragen kann, dass Integration gelingt.

Noch nie waren auf der Erde so viele Menschen auf der Flucht vor Krieg, Hunger, Gewalt und Armut wie heute. Die meisten von ihnen sind Binnenvertriebene, die innerhalb ihres Heimatlandes ihre Städte und Dörfer verlassen mussten. Auch die Zahl derer, die ihr Leben durch das Überschreiten der Staatsgrenze gerettet haben, ist enorm gestiegen. Weltweit sind es rund 66 Millionen.

Langen selbst ist eine Stadt, die stark von Vertriebenen und Flüchtlingen geprägt ist. Nach der Befreiung durch die US-Truppen im März 1945 kamen - neben zahlreichen Flüchtlingen und Evakuierten aus zerbombten Großstädten - auch Transporte von heimatlosen Deutschen aus dem Osten an. Im Jahr 1959 wurde das hessische Übergangsheim für Aus- und Übersiedler eröffnet, das zeitweise bis zu 1.100 Menschen beherbergte. Viele von ihnen blieben in der Stadt am Sterzbach, wo sie eine neue Heimat fanden. Seit der großen Flüchtlingswelle 2015 hat Langen rund 800 Flüchtlinge aufgenommen.

Die Vorträge im Alten Rathaus machen eines deutlich: Fluchterfahrungen von gestern und heute sind oft weniger unterschiedlich als allgemein angenommen wird. Die Ängste, die Hoffnungen und Alltagserfahrungen der Geflüchteten zeigen trotz aller historischen Unterschiede viele Überschneidungen. „Deshalb will die Volkshochschule das Thema von verschiedenen Seiten betrachten“, sagt deren Leiter Uwe Sandvoß.

Die VHS und ihre Kooperationspartner möchten zudem Antworten geben auf Fragen wie: Waren Flüchtling stets willkommen? Wie haben die 14 Millionen Flüchtlinge die deutsche Nachkriegs-Gesellschaft verändert? Was bewegt Menschen heute zur Flucht? Was bedeutet der Verlust von Heimat für sie? Woher kommt unsere latente Angst vor dem Fremden und der Veränderung? Was sind die Ursachen von Ausgrenzung und wie kann eine Integration von Flüchtlingen gelingen?

Das Alte Rathaus, das aus Gründen der Haushaltskonsolidierung in den vergangenen Jahren kaum mit Veranstaltungen belegt werden konnte, soll künftig wieder verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit rücken und das Publikum durch Angebote wie jetzt die Vortragsreihe ansprechen. Für die nahe Zukunft ist geplant, das Haus für den Besuch der stadtgeschichtlichen Sammlung mit ihren vielen Schätzen aus der Langener Vergangenheit wieder regelmäßig zu öffnen.

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Veranstaltungsreihe Flucht und Vertreibung gestern und heute
(c) Susanne Craß
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