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Landschaftspflege mit schwerem Gerät

Seltene Tier- und Pflanzenarten sollen erhalten bleiben

23.11.2020
Wegeplan Naturschutzgebiete
Im Süden Langens stehen große Bereiche unter Landschafts- und Naturschutz. Dort darf nur auf offiziellen Wegen spaziert werden. Ein Flyer der städtischen Umweltberatung enthält eine entsprechende Karte.

In Naturschutzgebieten ist vieles nicht erlaubt. Was aber macht dann ein Bagger dort? Die Antwort mag verblüffen: Er wird für Landschaftspflegemaßnahmen benötigt, um die Natur so zu erhalten, wie sie ist. Das war vor einigen Wochen im Steinbruch auf dem Oberen Steinberg so, das war jetzt im Naturschutzgebiet „Kammereckswiesen, Herchwiesen, Schmale Wiesen und Belzbornwiesen“ im Süden von Langen so. Auch dort sorgte der Einsatz von schwerem Gerät für etliche besorgte Nachfragen im Rathaus. Doch Sandra Trinkaus von der städtischen Umweltberatung kann beruhigen: „Die Landschaftspflegemaßnahmen, die von HessenForst ausgeführt wurden, dienen der Pflege und Weiterentwicklung der lokalen Schutzgebiete. Alle Maßnahmen sind mit der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Offenbach abgesprochen.“ Unter anderem wurden aus fremden Ländern eingeschleppte Pflanzen, die einheimische Arten verdrängen, entfernt.

Das Naturschutzgebiet beherbergt eine kleine Sandfläche, die sich vermutlich aus einer ehemaligen Sanddüne entwickelt hat. Auf diesem extrem mageren Standort konnte sich eine ganze eigene, seltene Tier- und Pflanzenwelt entwickeln. Dazu gehören Kriechweide, Silbergras und Sandglöckchen sowie trockenheitsliebende Insekten. Die Pflegemaßnahmen zielen darauf ab, diesen Standort zu erhalten. Deshalb müssen nährstoffreiche Humusschichten entfernt werden. „Was im heimischen Garten äußerst willkommen ist, ist in dem Schutzgebiet ausdrücklich nicht gewünscht. Auch Sträucher wie Ginster oder Brombeeren, die das Gebiet überwuchern, oder Birken und Weiden, die Schatten auf den Borstgrasrasen-Standort werfen, werden entfernt, um die seltene trockenheits- und stressresistente Artenvielfalt zu erhalten und zu fördern“, erklärt Sandra Trinkaus.

Ganz ähnlich wird das bei eutrophierten Teichen gemacht: Der Nährstoffeintrag durch Wasservögel, Laub und verschattende Bäume schädigen die Gewässerökologie. Auch dort sind teilweise weitreichende Maßnahmen notwendig, um den Lebensraum, eine große Artenvielfalt und eine gute Wasserqualität zu erhalten.

In Langens Südgemarkung galt es unter anderem, ein großflächiges Vorkommen des Japanischen Staudenknöterichs zu entfernen. Dieser aus Asien eingewanderte pflanzliche Plagegeist breitet sich schnell aus und vertreibt heimische Pflanzen. Das geschnittene Material verbleibt deshalb auch nicht als Mulchmaterial im Naturschutzgebiet, sondern muss komplett entfernt werden.

Von einer markanten Eiche mit kandelaber-artigen Ästen, die einem Sturm zum Opfer gefallen ist, bleibt nach der Entfernung der großen Äste ein großes Stammstück vor Ort erhalten. Dieses wird gezielt mit Erdmaterial eingedeckt, um sich zu einer Kinderstube für Insekten wie den Hirschkäfer zu entwickeln. Die sehr selten gewordenen größten europäischen Käfer entwickeln sich bevorzugt im durch Pilzbefall zermürbten Totholz von Eichen.

Das Forstamt Langen und die städtische Umweltberatung nehmen die Pflegemaßnahme zum Anlass für einen Appell an die Bürgerinnen und Bürger aus Langen und Egelsbach: „Helfen Sie mit beim Schutz des Trockenrasens mit seiner abwechslungsreichen Struktur und Artenzusammensetzung.“ Denn bei den Arbeiten zeigte sich, dass der empfindliche Lebensraum Ziel vieler Spaziergänger ist, die sich oft nicht an die offiziellen Wege halten und mitten durch das Naturschutzgebiet gehen, häufig noch mit freilaufenden Hunden. Zahlreiche Trampelpfade beweisen dieses Fehlverhalten. „Dabei werden klare Regeln und die eindeutige Beschilderung missachtet“, betont Sandra Trinkaus: „Das ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Ordnungswidrigkeit, die mit Geldstrafen geahndet werden kann.“

Damit in dem Naturschutzgebiet die vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten auch für zukünftige Generationen erhalten bleiben, besteht ein generelles Betretungsverbot. Deshalb appelliert die Langener Umweltberatung an die Spaziergänger, auf den Wegen zu bleiben und Hunde stets anzuleinen. „Nur so können die trittempfindlichen bodenbrütenden Vögel und Pflanzen erhalten werden. Entsprechende Hinweisschilder weisen rund um das Naturschutzgebiet ebenfalls darauf hin“, sagt Sandra Trinkaus. In einem Infoflyer ist das offizielle Wegenetz in der Südgemarkung vermerkt mit verschiedenen Routenvorschlägen, die problemlos begangen werden können. Dieser kann von der städtischen Website www.langen.de (Rubrik Bauen/Umwelt – Natur und Umwelt – Schutzgebiete) heruntergeladen werden.

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Faltblatt Wege durch Langens Natur
0.8 MB

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