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Zehn Jahre Glas/Werke/Langen

Neues Schreiter-Fenster zum Geschenk

04.11.2019

Vor zehn Jahren wurde nach großer Modernisierung und Erweiterung die Neue Stadthalle Langen eröffnet. Zugleich schlug die Geburtsstunde für die Glas/Werke/Langen, die einzigartige Sammlung der Stadt zur zeitgenössischen Glasmalerei, die sich auch in der Architektur der Kultureinrichtung mit angeschlossenem Hallenbad in vielfacher Weise widerspiegelt. Passend zum Geburtstag kommt jetzt ein weiteres Kunstwerk hinzu, entworfen wie das meiste aus der Sammlung vom international renommierten Maler und Ehrenbürger der Stadt, Professor Dr. h. c. Johannes Schreiter. „Ein herrliches Geschenk“, schwärmt Bürgermeister Frieder Gebhardt, das der Langener Mitbürger Nico Gormsenund die Sparkasse Langen-Seligenstadt durch ihre finanzielle und ideelle Unterstützung möglich gemacht hätten. Das prachtvolle Meisterwerk wird im Bereich des Haupteingangs fest installiert und künftig alle Gäste des Hauses begrüßen. Schreiter hat es als „Alternativ-Fenster für die evangelische Kirche Frohburg-Frauendorf“ entworfen und offiziell trägt es auch diesen Namen.

Erstmals öffentlich präsentiert wird das monumentale Glasbild, das mehr als drei Meter hoch und gut einen Meter breit, ist im Beisein des Künstlers bei einem kleinen Festakt am Sonntag, 17. November, um 18 Uhr. Der Kunstwissenschaftler Gunther Sehring von der Johannes Schreiter Stiftung wird das Werk erläutern und einordnen. Martina Rühmkorff (Cello) und Uwe Sandvoß (Gitarre) steuern die passende Musik bei. Bürgermeister Gebhardt freut sich, viele Gäste begrüßen zu können. Alle Langenerinnen und Langener sind herzlich eingeladen.

Die hohe Kunst der Herstellung, vor allem von Glasfenstern für Kirchen, Synagogen oder profane Bauten, und die seit Jahrhunderten überlieferten Techniken der Bearbeitung und Produktion verbinden die Glasmalerei über Moden und Zeit hinweg mit der Menschheitsgeschichte und besonders dem christlichen Glauben. Schreiter, mittlerweile 89 Jahre alt, ist einer der bedeutendsten Glasmaler der Gegenwart. Seine Meisterwerke bereichern Gotteshäuser, öffentliche Einrichtungen und Privatgebäude rund um den Globus. Häufig sind die Bauwerke Wahrzeichen in ihren Städten wie das Ulmer Münster, der Frankfurter, Augsburger und der Mainzer Dom oder die Synagogen in Chemnitz und Aachen.

Schreiter wurde 1930 in Annaberg-Buchholz im Erzgebirge geboren und floh nach seinem Abitur 1949 aus Ostdeutschland nach Greven in Westfalen. Er studierte dann in Münster, Mainz und Berlin. Ende der fünfziger Jahre erfand er die Brandcollage und schrieb damit Kunstgeschichte. 1960 übernahm er die Leitung der Abteilung Fläche an der Staatlichen Kunstschule Bremen und war anschließend von 1963 bis 1987 Professor für freie Malerei und Grafik an der Staatlichen Hochschule für bildende Künste, der Städelschule in Frankfurt. Gastdozenturen führten ihn nach Großbritannien, die USA, Kanada, Australien und Neuseeland. Er hält Vorlesungen an diversen Universitäten, Kunsthochschulen, Kunstvereinen, in Museen und auf Kongressen und ist Mitglied in wichtigen Künstlervereinigungen. Sein Renommee verdankt er sowohl einer ganz unverwechselbaren, eigenständigen Bildsprache als auch seiner besonderen Sensibilität im Umgang mit (historischer) Architektur.

2000 wurde die Johannes-Schreiter-Stiftung gegründet, deren Träger und Treuhänder die Stadt Langen ist und die sich der Förderung der Kunst und der Kunstwissenschaft sowie der Pflege und Erhaltung von Kulturwerten auf dem Gebiet der Glasmalerei verpflichtet. Als bedeutender Lehrer und freischaffender Künstler konnte Schreiter zahlreiche Preise und Auszeichnungen entgegennehmen, so die Theologische Ehrendoktorwürde der Universität Heidelberg und die Goldene Ehrenplakette der Stadt Langen. Es folgten der Kulturpreis der Stadt Langen und der Hessische Verdienstorden. Seit 2013 ist der Künstler Langener Ehrenbürger.  

Schon seit mehr als 30 Jahren trägt die Stadt Werke der zeitgenössischen Glasmalerei zusammen: Von 1983 bis 1999 hatte die Sammlung ihre Heimat im Alten Rathaus am Wilhelm-Leuschner-Platz. Die Suche nach repräsentativen Räumen für die Dauerausstellung der einzigartigen Kunstwerke führte schließlich dazu, dass im Zuge der Stadthallen-Modernisierung die Glas/Werke/Langen entstanden. Seit 2009 sind an der Südlichen Ringstraße repräsentative und bedeutende Werke von Johannes Schreiter aus allen Schaffensperioden zu sehen: autonome Glasbilder und Fenster zum Beispiel für den Frankfurter Dom und den Limburger Dom genauso wie aus dem gefeierten, aber auch umstrittenen Zyklus für die Heidelberger Heiliggeistkirche.

Die Sammlung umfasst darüber hinaus Werke von Schülern des Meisters und von Künstlern, deren Arbeiten eine gewisse Geistesverwandtschaft mit ihm zeigen oder die kontinuierlich und stilbildend in der zeitgenössischen Glasmalerei Spuren hinterlassen haben. Im Besitz der Stadt befinden sich Arbeiten von Georg Meistermann, Brian Clarke, Lutz Haufschild, Jürgen Hafner, Klaus Zimmer, Lukas Derow, Peter Mollica, Robert Kehlmann, Peter Engel, Theo Kerg, Otto Berschinski, Rüdiger Reinel, Johannes Hewel, Jürgen Reipka und Shimpei Sato. Sie halten nach und nach Einzug in die Glas/Werke.

Zugleich wirkt die Kollektion weit darüber hinaus. In der evangelischen Stadtkirche und der katholischen Albertus-Magnus-Kirche, im Rathaus, in der Trauerhalle des Friedhofs oder im Verwaltungsgebäude der Stadtwerke Langen GmbH gestalten und beleben die Arbeiten von Johannes Schreiter oder von Georg Meistermann Räume und Alltag. In der Neuen Stadthalle begegnen sie einem auf Schritt und Tritt vom Foyer bis zu den Tagungsräumen und verbreiten ihre Leuchtkraft und Faszination auch außerhalb der beiden Ausstellungsräume der Sammlung. Dort selbst sind architekturbezogene und freie Bilder von Johannes Schreiter nach Werkgruppen und chronologisch angeordnet. Die Besucher empfängt eine festliche und kontemplative Atmosphäre an einem Ort für Stille und konzentrierten Betrachtung.

Schreiters Alternativentwurf zum Chorscheitelfenster für die gotische Laurentiuskirche im sächsischen Frohburg-Frauendorf wurde erst jüngst von der Taunussteiner Firma Derix Glasstudios im Auftrag der Stadt Langen hergestellt. Der Künstler hat es im Jahr 2013 entworfen. Vier Fenster schuf er damals für die Kirche. Das Alternativfenster wurde zunächst nicht ausgeführt - bis jetzt: „Nun hat es in Langen an repräsentativer Stelle in unserem Kulturtempel einen guten Ort gefunden“, sagt Bürgermeister Gebhardt.

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