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Vor 500 Jahren: Weltumseglung startete in Aranda

Bürgermeister Gebhardt besuchte spanische Partnerstadt am Duero

20.12.2018

Vor 500 Jahren konnte der in spanischen Diensten stehende portugiesische Seefahrer Fernando de Magellan mit seiner geglückten Weltumseglung beweisen, dass die Erde wirklich eine Kugel ist. Am 16. und 17. April 1518 unterzeichnete in Langens Partnerstadt Aranda de Duero der spanische König Karl I. die Instruktionspapiere. Gleichzeitig verabschiedete er seinen jüngeren Bruder Ferdinand nach Brüssel. Der Prinz folgte ihm 1558 auf den Kaiserthron.

Grund genug für die Hauptstadt der kastilischen Weinbauregion Ribera de Duero dieser wichtigen historischen Ereignisse mit einer Videoprojektion an der gotisch-isabelinischen Fassade der Stadtkirche Santa Maria la Real zu gedenken. Zu den Jubiläumsfeierlichkeiten war auch Bürgermeister Frieder Gebhardt eingeladen. Der Rathauschef der Sterzbachstadt würdigte die Entdeckungsfahrt als ein Symbol traditionell guter spanisch-deutscher Zusammenarbeit, die sich auch in der Städtefreundschaft zwischen Aranda de Duero und Langen widerspiegelt: „Ein König aus dem Hause Habsburg gibt am Duero die Erlaubnis zur Reise, zwei deutsche Matrosen taten auf den Schiffen ihren Dienst und das Augsburger Bankhaus Fugger unterstützte das Vorhaben finanziell. Außerdem segelten die Spanier sogar unter kaiserlicher Flagge um die Kontinente.“

1517 bot Magellan König Karl I., der zwei Jahre später auch als Karl V. Kaiser des Heiligen Römischen Reiches wurde, seine Dienste an. Er hatte wahrscheinlich im portugiesischen Seefahrtsarchiv eine geheim gehaltene Karte gefunden, auf der in Südamerika eine Durchfahrt nach Asien eingezeichnet war. Der Entdecker entschied daher, als erster diesen Weg westwärts zu nutzen, um die südasiatischen Gewürzinseln zu erreichen. Denn sie waren ein strategisch wichtiger Ausgangspunkt für den lukrativen Handel mit kostbaren Spezereien.

Am 10. August 1519 stach die kleine Flotte mit fünf Schiffen in Sevilla in See. Sie segelte über die Kanaren und Kapverden in Richtung Brasilien. Nach vier Monaten erreichten die Iberer die südamerikanische Küste. Um die vermutete Passage nicht zu übersehen, tasteten sie sich langsam von Bucht zu Bucht nach Süden. Am 21. Oktober 1520 erreichten die Seefahrer nach ihrer Überwinterungspause in Argentinien eine Landspitze, die sie Kap der Jungfrauen nannten. Einen Monat später fanden sie die lang ersehnte Durchfahrt durch die Fjorde Patagoniens. Die Einfahrt heißt heute Magellanstraße. Die dahinter angrenzende westliche See nannte der Generalkapitän Pazifik oder Stiller Ozean, da dort die Stürme Feuerlands sich legten. Nach weiteren drei Monaten und 20 Tagen sahen die Reisenden erstmals wieder Land, als sie die Marianen erreichten, dann segelten die drei noch übriggebliebenen Schiffe weiter zu den Philippinen. Auf der Insel Mactan kam es zu Kämpfen mit Einheimischen, bei denen Fernando de Magellan am 27. April 1521 zu Tode kam.

Seinen Platz an der Spitze der Flottille übernahm der Baske Juan Sebastián Elcano und segelte zur Molukkeninsel Tidore, wo die Konquistadoren endlich die ersehnten Gewürze bekamen. Die Heimreise nach Spanien war von schwierigen Wetterbedingungen gekennzeichnet, deshalb benötigte die kleine Gruppe zwölf Wochen, um das Kap der Guten Hoffnung im Süden Afrikas zu umsegeln. Erst am 6. September erreichten die Karavellen den andalusischen Ausgangshafen Sanlúcar de Barrameda. Damit waren sie zwei Jahre, elf Monate und 14 Tage unterwegs gewesen. Von den 237 Männern der Besatzungen sahen zum Schluss aber nur 18 Weltumsegler ihre Heimat lebend wieder.

Neben der Videoprojektion und Visiten eines Weinbaubetriebs, des Klosters Santa Maria de la Vid und des alten Städtchens Penaranda de Duero nutzten Bürgermeisterin Raquel González Benito und ihr Langener Amtskollege Frieder Gebhardt die Gelegenheit, um über die Zusammenarbeit bei Städtepartnerschaftsprojekten in Wirtschaft und Kultur und beim Langener Ausbildungsmodell Pittler ProRegion zu sprechen.

Die nordspanische Stadt Aranda de Duero liegt auf 800 Meter Höhe in der Provinz Burgos und hat rund 35.000 Einwohner. Zu ihren gastronomischen Spezialitäten zählen der berühmte Rotwein des Anbaugebiets Ribera de Duero, die Torta Arandina (ein feines rundes Weißbrot), Blutwurst mit Reis und das Lechazo asado, ein im Ofen gebackenes Milchlamm. Im Umkreis von 80 Kilometern liegen Burgos und Valladolid. Die Entfernung zu Madrid beträgt 160 Kilometer.

Die „Unterwelt“ Arandas ist eine echte Besonderheit: Fast unter der gesamten Altstadt befinden sich Weinkeller. Diese Bodegas sind durch sieben Kilometer lange Tunnel miteinander verbunden. Teile davon sind zugänglich und werden bei Festen und von Vereinen genutzt. Weitere Sehenswürdigkeiten sind die historische Altstadt mit ihren kleinen Gassen, die gotischen Kirchen, eine romanische Brücke und der zentrale Platz, die Plaza Mayor.

Aranda ist wie Langen gut an das Verkehrsnetz angebunden. Die spanische Stadt liegt nahe der Autobahn von Madrid nach Burgos. Die größten Unternehmen und Arbeitgeber vor Ort stammen aus den Branchen Pharmazie, Logistik, Stahl und der Automobilindustrie. Andere Firmen stellen Reifen und Milchprodukte her. Der Tourismus ist ebenfalls von großer wirtschaftlicher Bedeutung.

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