Aktuelles | Aktuelles Rathaus | Aktuelles Kultur/Freizeit | Aktuelles Tourismus

140 Jahre VVV auf dem Gabentisch

Geschenk mit Lokalkolorit: "Von Bänken, Bäumen und Bembeln"

19.11.2018
Buch als Geschenk mit Lokalkolorit - Cover
Die Umschlagvorderseite des Buches mit Bildern von Reinhold Werner.

Es ist ein passendes Weihnachtsgeschenk für Langen-Fans und eine Lektüre, die in Wort und Bild viel Wissenswertes über die Entwicklung der Stadt verrät. „Von Bänken, Bäumen und Bembeln – 140 Jahre VVV von 1878 bis 2018“ behandelt die Geschichte des Verkehrs- und Verschönerungsvereins seit seiner Gründung bis in die Gegenwart. Und diese Geschichte ist sehr eng mit den Geschehnissen in Langen verknüpft. Denn der VVV hat wie keine andere Institution, Organisation oder Gruppierung in der Stadt die Lebenswelt der Bürgerinnen und Bürger gestaltet.

Das im Sommer erschienene und vom VVV herausgegebene Buch ist in zwei Teile gegliedert: „Langener Räume“ und „Langener Zeiten“. Gäbe es nicht den VVV, sähe die Stadt Langen von Topographie, Infrastruktur, Bebauung und Besiedlung mitnichten so aus, wie sie jetzt aussieht. Der Verein hat Bebauungs-und Flächennutzungspläne entwickelt, am Stadtplan mitgezeichnet und ihn buchstäblich grün eingefärbt. Es wurden Alleen gepflanzt und Brunnen gebaut. Das Naherholungsgebiet Mühltal wurde geplant, konzipiert und umgesetzt und in der Koberstadt und in Flur und Feld hat der VVV Ruhebänke aufgestellt und Schutzhütten errichtet. Über all das geht es im ersten Teil.

Im zweiten stehen die „Langener Zeiten“ im Mittelpunkt: Die VVV-Veranstaltungen sind Begegnungsfeste, die den Jahresreigen vieler Langener bestimmen. Dazu zählen Ebbelwoifest, Weinfest, Weihnachtsmarkt, „Party zwische de Joahrn“, Silvesterblasen, „Langen räumt auf“, „Langen blüht auf“ und der „Lebendige Adventskalender“. Das Buch erzählt aus dieser vom VVV justierten Raum- und Zeitperspektive die Geschichte Langens aus einer bürgerschaftlich-„außerparlamentarischen“ Warte. Es wird deutlich, was Bürgersinn möglich machen und wie die Integration von Neubürgern gelingen kann. Der VVV hat sich von Anfang an darum bemüht, diejenigen, die nach Langen kommen, aufzunehmen und heimisch werden zu lassen.

Schon früh hat der Verein aktiv Umweltschutz betrieben: Baumpflanzungen, Geschirrverleih und die Abschaffung von Plastikgeschirr gehen auf sein Konto. Ebenso war schon früh die Beschäftigung mit Stadtgeschichte ausgeprägt. Beispiele sind das Mosaik am Wilhelm-Leuschner-Platz und der Brezelstein am Hegweg.

Erstmals erscheinen in dem Buch die Lebenserinnerungen des Vereinsgründers Friedrich Keßler in voller Länge. Er kommt 1874 als 31-Jähriger nach Langen, weil er in Frankfurt eine Anstellung als Eisenbahnplaner gefunden hat. „Da die Wohnungen in Frankfurt sehr teuer waren und meine jüngste Schwester Christiane in dem nur drei Stunden entfernten Langen an einen Gastwirt verheiratet war, zog ich dahin.”

Als Söldner, Hasardeur und Abenteurer hatte Keßler zuvor 14 Jahre lang die Welt bereist, war in Italien, Algerien, Frankreich, Belgien, Holland, Mexiko, Kuba, in den USA und in England. Er hat Paris und New York gesehen - eine für das 19. Jahrhundert seltene Weltläufigkeit. Und dieser Weltenbummler, Kosmopolit und Geometer zieht nach Langen. Wie hat der Ort auf ihn gewirkt? Was nimmt er wahr vom Ortsgeschehen? Warum gründet er 1878 einen Verein und eröffnet 1882 eine Gastwirtschaft? Wie sah Langen 1874 aus?

Antworten finden sich im Buch, das im Übrigen neben Keßlers spannend geschriebenen Lebenserinnerungen weitere Originaltexte beinhaltet, die erstmals publiziert werden: das letzte Manuskript des 2016 verstorbenen Ebbelwoifest-Erfinders Hans Hoffart genauso wie zwei Essays des im März 2017 verstorbenen Ex-VVV-Vorsitzenden Wilhelm Kömpel übers Mühltal und den Bau der A 661. In „Von Bäumen, Bänken und Bembeln“ sind auch exklusiv drei historische, bislang noch nicht publizierte Planzeichnungen veröffentlicht, die fachwissenschaftlich von Professor Frank Oppermann erläutert wurden: das „Urkataster“ Langens von 1856, Friedrich Keßlers „Projectplan 1876“ und der sogenannte „Keßler-Plan“ aus dem Adressbuch von 1900.

Das Vereinsgelände des VVV – das ist die ganze Stadt Langen. Dort hat er binnen 140 Jahren Spuren hinterlassen, die auf zwei Stadtspaziergängen beschrieben werden.

Die Keßler-Meile: Während der Amtszeit von Friedrich Keßler und auch noch in dessen Zeit als Ehrenvorsitzender werden mehrere Projekte realisiert, die das Stadtbild zwischen Bahnhof und Lutherplatz bis ins 21. Jahrhundert augenfällig und nachhaltig prägen: die Platanenallee Bahnstraße, die in der Region als einmalig gilt, der Lutherplatz, der Bahnhofsvorplatz, drei öffentliche Brunnen und zwei Grünanlagen.

Wo Langens Brünnlein fließen: Langen gilt als Hochburg der Brunnen. Sie ziehen sich wie ein blaues Band durch das Stadtgebiet. Nicht zuletzt dank des VVV, denn der Verein hat sich „wegen der besonderen Wirkung aufs Stadtbild und weil sie zu dessen Belebung beitragen“ seit Gründertagen mächtig ins Zeug gelegt, um Langens Plätze und Anlagen mit den Wasserspendern und Wasserspielen zu bestücken. Er hat Brunnen bauen und dekorieren lassen, Brunnenbauten bezuschusst und Gestaltungswettbewerbe ausgelobt.

„Von Bänken, Bäumen und Bembeln“ (228 Seiten, 180 Abbildungen, Folio-Format 21 mal 30 Zentimeter, ISBN-Nr. 978-3-930578-32-0) kostet 25 Euro. Es ist auf dem Langener Weihnachtsmarkt am Stand des VVV und darüber hinaus im örtlichen Buchhandel erhältlich. Die Texte stammen von Hans Hoffart (†), Peter Holle, Willi Jakobi, Friedrich Keßler (†), Wilhelm Kömpel (†), Walter Metzger, Frank Oppermann und Reinhold Werner.

Zurück