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"TypIsch" Langen vor der Linse

Portrait-Ausstellung setzt erfolgreiche Kunsträume Oberlinden fort

19.03.2018

Bekannte Gesichter, ausdrucksstarke Mimik und markante Posen: Unter dem Namen „TypIsch“ setzt die Kunstreihe „Langener Salon“ im ehemaligen Supermarkt des Einkaufszentrums Oberlinden ab Sonntag, 25. März, zum Finale an. Gleich drei Ausstellungen verbergen sich hinter dem zweideutigen Titel, nämlich die Foto-Serie „Gesichtspunkte“ und die sportlichen Momentaufnahmen „Habe die Ehre/ Puls 200“ von Rainer Kraus sowie die druckfrischen „TypIsch“-Portraits von Langener Geschäftsleuten, die Olaf Hermann fotografiert hat.

„Gesichtspunkte“ ist keine neue Serie. Die Schwarz-Weiß-Werke von Rainer Kraus entstanden bereits Anfang der 1990er-Jahre und zeigen bekannte Langener in ihrem Alltag. Indem er einzelne Menschen in den Mittelpunkt stellte, verlieh Kraus seiner Heimatstadt ein optisches Profil. Fotos von 50 Frauen und Männern waren in der 1993 eröffneten Ausstellung und dem in einer Auflage von 500 Exemplaren erschienenen Katalog abgebildet. Langens ehemaliger Bürgermeister und heutiger Ehrenbürger Dieter Pitthahn – selbst einer der Porträtierten – erklärte den Titel der Reihe damals wie folgt: „Aus den vielen Einzelaussagen und Bildern setzt sich Punkt für Punkt ein eigensinniges Bild zusammen. Die Gesichtspunkte.“ Michael Neuner, der in Langen aufwuchs und als Journalist unter anderem für den Hessischen Rundfunk arbeitete, attestierte dem Projekt Einsichten in die „Befindlichkeiten dieser Stadt“ und war sich sicher, dass sich in den Gesichtern der Akteure der „selbstbewusste Blick dieser Region am Zentrum eines europäischen Ballungsraums“ spiegelt. Neben Pitthahn gehören zum Beispiel Pfarrer Tharwat Kades, Sparkassenbetriebswirt Walter Metzger, Ballettlehrerin Irene Rodin, Fotograf Erwin Schönwälder, Glasmaler Professor Dr. Johannes Schreiter, Gärtnermeister Heinz-Georg Sehring und Hausfrau Gretel Werner zum Kreis der „Gesichtspunkte“-Protagonisten. Ihre Abbilder sind – neben einigen anderen - auch in der Neuauflage der Ausstellung zu sehen. 

Dass ein handwerklich gutes Portrait mehr ist als ein Schnappschuss mit dem Smartphone, beweist Kraus auch mit seiner Reihe „Habe die Ehre/ Puls 200“. Knapp 30-mal lichtete er Athleten direkt nach einem Leistungstest ab und zeigt, dass ein Leben als Sportler trotz allem Talent Fleiß, Schmerz und Disziplin bedeutet. Kreislaufprobleme, nassgeschwitzte Handtücher und Stoßatmung hinter den Kulissen inklusive. Viel Zeit blieb Kraus für die Momentaufnahmen nicht: Die Erholungsdauer der Profis liegt bei 60 bis 90 Sekunden. Nicht nur für den Fotografen war diese Produktion eine Herausforderung, auch dem Publikum verlangen die Bilder verschwitzter, leidender und atemloser Modelle einiges ab.

Rainer Kraus, Jahrgang 1962, lebte jahrelang in Langen, studierte Kommunikationsdesign an der Fachhochschule Wiesbaden und arbeitet als freiberuflicher Bildermacher für Unternehmen, Agenturen und Verlage. Heute wohnt der leidenschaftliche Skifahrer in Ingelheim. Kraus zeichnet sein zügiger, aber nicht zufälliger Arbeitsstil aus. Der Keith-Richards-Fan mit einer Vorliebe für Gummibärchen ist auch durch seine Radsport-Fotoserie „Die Welt hat Pedale“ bekannt, die 2016 als Buch erschien.

Einen spannenden Kontrast zu den monochromen „Gesichtspunkte“-Bildnissen bietet Olaf Hermann den Besuchern der Kunsträume. Seine „TypIsch“-Aufnahmen präsentieren Langener Einzelhändler und Gastronomen in ihrem Milieu und geben dadurch sehr persönliche Einblicke in den Alltag und die Vielfalt der örtlichen Geschäftswelt. Vor Hermanns Objektiv landeten unter anderen Britta Schwalm (Brittas Schmiede), Monika Eigl-Anthes (Welt der Weine), Julia Scholz (Maison de la Glace), Joachim Bentrup (Bentrup Tee und mehr), Silke Bentlin und Markus Striegel (Café Beans), Marie und Anna Sehring (Blumen Stubb) und Beate Neiss (Litera).

Die Idee zu „TypIsch“ entstand durch Kontakte zur örtlichen Wirtschaftsförderung und Hermanns Interesse an Stadtentwicklung und -marketing. „Die Gesichtspunkte-Serie von Rainer Kraus hat mich schon immer enorm beeindruckt“, erzählt Hermann von seiner Intention. Bei den „TypIsch“-Portraits ginge es aber nicht um einen Vergleich zwischen damals und heute. „Die Fotos sollen das Besondere zeigen, dass die Langener Geschäftswelt auszeichnet: Kleine, feine Läden, kreative Gastronomiekonzepte, Fachhandel und Service – eben typisch Langen.“ Konzeptionell wollte der 51-Jährige flexibel bleiben und vor allem die Persönlichkeit der Portraitierten wirken lassen.

„Gemeinsam haben alle Motive lediglich die verwendete Brennweite von 100 Millimetern in Verbindung mit einer recht geringen Schärfentiefe“ erklärt Hermann. Die farbige Darstellung diene als gewollter Kontrast zu den „Gesichtspunkten“ und mache deutlich, dass es um die Gegenwart geht. „Damit die Werke ihr Dasein nach der Ausstellung nicht im Dunkeln fristen, werden sie den Geschäftsleuten überreicht“, sagt der Schöpfer. Künftig könne dann das Konterfei der Inhaber die Läden zieren. 

Hermann, der schon als Schüler im Traditionsgeschäft Photo Porst an der Bahnstraße aushalf, ist Fotograf aus Berufung. Nach einer klassischen Ausbildung arbeitete der 1966 geborene Langener als Presse-, Werbe- und Architekturfotograf, spezialisierte sich dann aber auf menschliche Motive. Seit 2006 ist Hermann selbstständig und kann mittlerweile auf Produktionserfahrung in Europa, Südafrika und in den Vereinigten Staaten zurückblicken. Sein Büro hat er in den Räumen der Langener Werbeagentur Siegel Buck Janik an der Bahnstraße. Dass diese Allianz überaus fruchtbar ist, zeigte sich zuletzt bei der Entwicklung der „So nah. So gut. So Langen.“-Osterkampagne, für die Olaf Hermann das von Agenturchef Frederik Janik erdachte Handkäse-Ei passend in Szene setzte. 

„TypIsch“ ist der letzte Baustein der Langener Salon-Reihe in den Kunsträumen Oberlinden. Das vom städtischen Fachbereich Stadtentwicklung, Wirtschaft, Kultur und Sport ins Leben gerufene temporäre Kulturprojekt im ehemaligen Einkaufszentrum am Farnweg hat seit November mit dem „Salon der Kunst“ und dem „Salon der Fotografie“ hunderte Besucher begeistert. Neben den Ausstellungen lockten zahlreiche Veranstaltungen, wie Adventsbasteln, Weinproben oder eine Fotobox für Selbstportraits Jung und Alt ins Carré. Einige Künstler, wie Renate Kletzka und Norbert Ottawa stellen ihre Arbeiten in eigenen „Ateliers“ aus und beziehen so die Nachbarräume des leerstehenden Supermarkts mit ein. 

Schon bald soll das Areal von Grund auf umgebaut, modernisiert und aufgestockt werden. Der Frankfurter Investor und Eigentümer Kambiz Ghaliai möchte Einzelhandel, Arztpraxen und Gastronomie ansiedeln, einen attraktiven Innenhof und zum Teil barrierefreie Wohnungen bauen. Geplant ist, die ein- und zweigeschossige Randbebauung im Norden und Westen teilweise auf drei Geschosse aufzustocken. 60 Prozent der Erdgeschossfläche sind nach einem bereits beschlossenen Bebauungsplan für eine gewerbliche Nutzung bestimmt. Für die Kunsträume Oberlinden stellt Ghaliai der Stadt die Fläche kostenfrei zur Verfügung.

Für Fachbereichsleiter Joachim Kolbe, der die Idee zu den Kunsträumen Oberlinden hatte, zeigt der Erfolg der Reihe einmal mehr, dass Langen ein großes Herz für Kunst im öffentlichen Raum hat. „Ohne die hohe Beteiligung und das große Engagement der Ausstellenden wäre dieses Projekt nicht möglich“, betont Kolbe. „Wir zeigen, wie lebendig und kreativ die Langener Kunstszene ist und dass die Räumlichkeiten des ehemaligen Einkaufszentrums sehr wohl als zentraler Ort der Geselligkeit im Stadtteil dienen können, wenn die richtigen Impulse gegeben werden“, bilanziert Kolbe. Das sei ein gutes Zeichen für die Zukunft.

Unterstützt werden die „Kunsträume Oberlinden“ von der Sparkasse Langen-Seligenstadt, dem Gewerbeverein, den Stadtwerken Langen und einem Langener Bürger. Der Eintritt zu den Ausstellungen im ehemaligen Supermarkt ist frei. Die „TypIsch“-Vernissage beginnt am Sonntag, 25. März, um 17 Uhr im ehemaligen Supermarkt am Farnweg 79. Musikalisch untermalt wird die Eröffnung von Elena Keller und Roland Olschok, die als Duo InTact Coverversionen von bekannten Rock- und Pop-Songs zum Besten geben. Zu sehen sind die Bilder in den „Kunsträumen“ bis Sonntag, 29. April, jeweils samstags von 15 bis 18 und sonntags von 14 bis 18 Uhr.

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