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Mit Kunst aus dem Dornröschenschlaf

Ehemaliges Einkaufszentrum Oberlinden wird Mekka für Kreative

13.11.2017

Ganz neugierig tummelt sich eine Gruppe Anwohner vor dem beleuchteten Fenster des früheren Supermarktes im ehemaligen Einkaufszentrum Oberlinden am Farnweg. „Endlich tut sich etwas“, sagt eine Dame in fröhlichem Ton. Durch die Glasfront des Geschäfts erkennen die Passanten große Stellwände, Stromkabel, Lampen und tatkräftige Männer, die das Ganze geschäftig sortieren. In den leerstehenden Läden des quadratischen Gebäudekomplexes entstehen gerade die „Kunsträume Oberlinden“, ein Projekt, dass die vergessene Fläche im Herzen des Stadtteils wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rücken soll. 

Das Einkaufszentrum (EKZ) entstand in den 1960er Jahren, als die meisten Wohnungen in der damals neuen Modellsiedlung Oberlinden bezogen waren. Seine besten Tage hat es längst hinter sich. Mitte 2010 schloss der Supermarkt seine Tore. Eine Sparkassen-Zweigstelle, eine Kneipe, ein Frisör, ein Gemischtwarenlädchen (Bekleidung und Spielsachen) und der Seniorentreffpunkt Allerhand halten aber noch wacker die Stellung.

Die Zukunft des Areals klingt umso vielversprechender: Das Einkaufszentrum soll von Grund auf umgebaut, modernisiert und aufgestockt werden. Der Frankfurter Investor und Eigentümer Kambiz Ghaliai berichtet: „Wir möchten das Potenzial voll ausnutzen und Einzelhandel, Arztpraxen und Gastronomie ansiedeln.“ Auch ein attraktiver Innenhof und zum Teil barrierefreie Wohnbebauung sollen es wieder zu einem Quartiersmittelpunkt werden lassen. Geplant sei, die ein- und zweigeschossige Randbebauung im Norden und Westen teilweise auf drei Geschosse aufzustocken. 60 Prozent der Erdgeschossfläche sind für eine gewerbliche Nutzung bestimmt. Die Stadtverordnetenversammlung hat dafür einen Bebauungsplan beschlossen.

Bevor die ersten Bagger anrollen, stellt Ghaliai der Stadt die verfügbaren Ladenflächen dankenswerterweise für die „Kunsträume Oberlinden“ mehrere Monate lang kostenfrei zur Verfügung. „Ich wünsche der Stadt und den Künstlerinnen und Künstlern ganz herzlich großen Erfolg mit ihren Ausstellungen!“, sagt Ghaliai.

Das kreative Großvorhaben besteht aus drei Ausstellungen und wird vom städtischen Fachdienst Kultur und Sport organisiert. Auftaktveranstaltung ist der vierte „Langener Salon der Kunst“. Vom 23. November bis zum 14. Januar präsentieren fast 30 Künstler aus der Region ihre Werke dort, wo früher Lebensmittel und Getränke aller Art unters Volk gebracht wurden. Gerne stehen sie den Betrachtern Rede und Antwort. Die erfolgreiche Salon-Reihe ist ein Netzwerktreffen kreativer Köpfe aus Langen und Umgebung und gibt dem Publikum vielfältige Einblicke in die Weltsicht der Künstlerinnen und Künstler. Auf der Teilnehmerliste stehen bekannte Namen wie Renate Kletzka, Nicola Barth oder die Mitglieder der Künstlergruppe Art People.

Vom 26. Januar bis zum 25. Februar zeigen erfolgreiche Langener Fotografen ihre Bilder in den Räumen des Carrés am Farnweg. Den Abschluss der „Kunsträume Langen“ bildet die Ausstellung „TypIsch“, in der es vom 15. März bis zum 30. April Portraits und Texte über die Einzelhändler der Sterzbachstadt zu sehen gibt.

Bürgermeister Frieder Gebhardt begrüßt, dass das Einkaufszentrums über Kunst und Kultur wiederbelebt und als Adresse in Erinnerung gerufen wird. „Mit dem Projekt können wir das Grundstück zumindest vorübergehend aus dem Dornröschenschlaf holen“, sagt der Verwaltungschef. Natürlich sei das kein Ersatz für den dringend notwendigen Umbau, setze aber die richtigen Zeichen und passe hervorragend zur vielfältigen und experimentierfreudigen Kunstszene in Langen. „Ein solches Vorhaben lebt von dem Engagement der Beteiligten“, weiß Gebhardt. „Und an Tatkraft und Leidenschaft fürs Ungewöhnliche mangelt es keinem der Maler, Zeichner und Fotografen, die hier teilnehmen.“ Alle Künstlerinnen und Künstler beteiligen sich an den Kosten für die Ausstellung und übernehmen sogar die Aufsicht während der Öffnungszeiten.

Auch Joachim Kolbe, Fachbereichsleiter für Stadtentwicklung, Wirtschaft, Kultur und Sport und Ideengeber für die Kunstaktionen, ist sich sicher, dass die Ausstellungen in Langens westlichem Stadtteil Anklang finden. „Die Gelegenheit, eine solche Veranstaltung in diesem besonderen Ambiente zu organisieren war einmalig“, erklärt Kolbe. „Wir freuen uns, dass Herr Ghaliai es ermöglicht, schon vor der Sanierung wieder Leben in die leerstehenden Räume zu bringen und die Schaffenskraft der örtlichen Kunstszene in einem ganz neuen Kontext zu präsentieren.“

„Die „Kunsträume“ sind ein weiteres wichtiges Projekt neben der bereits vorhandenen Kunst im öffentlichen Raum“, sagt Kolbe. Im Stadtgebiet gäbe es zahlreiche Objekte, die Langen prägten und als Orientierungspunkte strukturierten. Hierzu gehören zum Beispiel der markante Brunnen aus rotem Vanga-Granit im Zentrum des Lutherplatzes, die Stelen von Christian Rothmann an der Ortseinfahrt nahe der Feuerwache, der Europa-Brunnen von Jürgen Görtz am Bahnhofsvorplatz, die Bronzeskulptur von Gudrun Jork vor der Stadthalle oder die geplante Lutherskulptur auf dem gleichnamigen Platz. Zudem führen die Gemeinschaftsausstellungen in Oberlinden eine lange Tradition von Künstlerkooperationen in Langen fort, die vom Künstlersymposium in den achtziger Jahren bis zur jährlichen Art-Promenade im September reicht.

Unterstützt werden die „Kunsträume Langen“ von der Sparkasse Langen-Seligenstadt und den Stadtwerken Langen. Der Eintritt zu allen Ausstellungen ist frei.

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