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Langener "Licht-Zeichen" in Linnich

Johannes Schreiter zeigt Werke im Deutschen Glasmalerei-Museum

11.03.2019

Langen in Hessen und Linnich in Nordrhein-Westfalen liegen weit auseinander und haben auf den ersten Blick kaum etwas gemeinsam. Und doch verbindet die beiden Städte mit der Glasmalerei ein mächtiges Medium miteinander, das wegweisende Impulse für die Moderne gesetzt hat. Das Museum Glas/Werke/Langen in der Neuen Stadthalle und das Deutsche Glasmalerei-Museum in Linnich machen deutlich, dass diese Kunstform höchsten qualitativen Ansprüchen genügt und eine autonome Ausdrucksform vertritt. Jetzt zeigt das Spezialmuseum in Linnich erlesene Werke des national und international renommierten Künstlers Johannes Schreiter, der in Langen lebt, mit seiner Kunst hier sichtbar ist und mit dessen Hilfe die Stadt eine qualitativ hochwertige Sammlung zur zeitgenössischen Glasmalerei zusammentragen konnte.   

Die Sonderausstellung „Licht-Zeichen. Die Kunst von Johannes Schreiter“ wird am Sonntag, 24. März, um 11.30 Uhr eröffnet. Das Deutsche Glasmalerei-Museum befindet sich im Ortskern von Linnich (Rurstraße 9 – 11), der nördlichsten Stadt im Kreis Düren zwischen Aachen und Mönchengladbach. Das lichtdurchflutete Museum bietet in stilgerecht sanierten Räumen einer ehemaligen kurfürstlichen Wasser-mühle aus dem 17. Jahrhundert auf sieben Ebenen mit rund 1.400 Quadratmetern Ausstellungsfläche eine Vielzahl unterschiedlicher Exponate. In einer Werkstatt können die Besucher innerhalb organisierter Workshops eigenhändig die Technik der Glasmalerei in Einzelschritten nachempfinden. Linnich mit seinen rund 13.000 Einwohnern empfahl sich als Standort für das 1997 eröffnete Museum, weil hier seit 1857 die älteste noch tätige Glasmalereiwerkstatt Deutschlands beheimatet ist. Glasmalerei ist zudem Teil der historisch gewachsenen regionalen Kulturlandschaft.

Das Museum ist in seiner Konzeption darauf ausgerichtet, der modernen Glasmalereientwicklung seit Ende des 19. Jahrhunderts bis in die aktuellen Strömungen ein Forum zu bieten und lädt zu einer Entdeckungstour durch Farbe und Licht ein. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt auf den Glasgemälden des 20. und 21. Jahrhunderts. Da darf ein Künstler wie Professor Johannes Schreiter nicht fehlen, der dort neben anderen Größen wie Georg Meistermann, Johan Thorn Prikke und Heinrich Campendonk präsent ist.

Schreiter wurde 1930 im Erzgebirge geboren, feiert also im kommenden Jahr seinen 90. Geburtstag. Seit Anfang der sechziger Jahre lebt er in Langen, seit 2013 ist er Ehrenbürger der Stadt. Seine Verbundenheit mit ihr kommt vor allem auch in einer Stiftung zum Ausdruck, in die der Künstler und seine verstorbene frühere Ehefrau Edith Schreiter-Diedrichs einen großen Teil ihres privaten Vermögens eingebracht haben und die sich der Kunst und der Kunstwissenschaft verpflichtet, ebenso der Pflege und Erhaltung von Kulturwerten auf dem Gebiet der Glasmalerei.

Der frühere Rektor der Frankfurter Städelschule gilt als der bedeutendste Kirchenfenstermaler der Gegenwart. Seine weltweit bewunderte Schaffenskraft bereichert beispielsweise den Frankfurter Dom, den Ulmer Münster, die Marienkirche in Lübeck und den Mainzer Dom. In Langen sind seine Glasfenster außer in der Neuen Stadthalle an öffentlichen Orten wie in der Trauerhalle des Friedhofs, im Foyer der Stadtwerke, in der Stadtkirche und in der St.-Albertus-Magnus-Kirche zu sehen. Als einer der namhaftesten Künstler und Lehrer seines Faches hat Schreiter die Glasmalerei der Gegenwart – vor allem die architekturgebundene – maßgeblich geprägt und weiterentwickelt. Bekannt wurde er durch seine sogenannten Brandcollagen. Das Besondere an seinen Werken ist eine unverwechselbare und eigenständige Bildsprache genauso wie die Sensibilität im Umgang mit (historischer) Architektur. Typisch für ihn sind Linien und Linienbündel, die die farbigen Elemente seiner zum Teil monumentalen Arbeiten durchziehen.

Als „grandiose Bereicherung“ für seinen Bestand wertet das Deutsche Glasmalerei-Museum das „Musikfenster“, das der Langener Glasmaler Anfang der achtziger Jahre für die Heiliggeist-Kirche in Heidelberg entworfen hatte. Anknüpfend an die lange freundschaftliche Bindung zu Schreiter zeigt Linnich nun die Sonderausstellung mit Werken des Professors aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und einige seiner jüngeren Glasbilder. „Wer ein Faible für die Farbenpracht der Glasmalerei hat, wird von einem Besuch dieser Schau bestimmt fasziniert sein“, sagt der Langener Kulturfachdienstleiter Joachim Kolbe, der auch für die Glas/Werke/Langen verantwortlich ist. Überdies sei es auf jeden Fall lohnenswert, sich das Museum in Linnich einmal anzuschauen.

Die Schreiter-Ausstellung dauert bis zum 27. Oktober und ist dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Die Vernissage am 24. März wird musikalisch begleitet von Gunar Letzbor aus Österreich, der Stücke des Violinisten und Komponisten Johann Joseph Vilsmayr spielt, der 1722 in Salzburg gestorben ist.

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