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Im vertrauten Umfeld gemeinsam alt werden

Stadt und Baugenossenschaft kooperieren im Nordend

08.02.2021

Einen alten Baum verpflanzt man nicht – diesem Sprichwort folgend kooperieren Stadt und Baugenossenschaft Langen in den künftigen Anna-Sofien-Höfen beim Bau eines Quartierszentrums. Ziel ist es, dort unterschiedliche Angebote zu bündeln, damit die Bewohner im vertrauten Umfeld gemeinsam alt werden und mobil bleiben können.

„Die Anna-Sofien-Höfe sollen ein Paradebeispiel für ein generationenübergreifendes Zusammenleben sein“, so charakterisiert der Vorstandsvorsitzende Wolf-Bodo Friers das Neubauprojekt, bei dem auf dem Grundstück an Anna- und Sofienstraße insgesamt 154 Mietwohnungen entstehen. Vor allem Bevölkerungsgruppen, die es oft schwer haben, eine bezahlbare Wohnung zu finden (wie junge Menschen, Familien und Ältere) sollen dort ein Zuhause finden. Sie alle profitieren von Begegnungsorten wie Grünflächen, Spielgeräten und einem Café. „Wir bauen bei den Anna-Sofien-Höfen wortwörtlich auf Kooperationen mit anderen Organisationen und Einrichtungen, die die soziale Gemeinschaft im Quartier und in dem umliegenden Stadtviertel positiv beeinflussen sollen“, erläutert Wolf-Bodo Friers. So hat die Baugenossenschaft mit Zijad Dolicanin einen eigenen Referenten für das Genossenschaftliche Leben, der vor Ort das generationsübergreifende Miteinander fördert. Als Ansprechpartner für alle Bewohner und Kooperationspartner kümmert er sich dann auch um die soziale Arbeit im Quartier.

Maßgeblich beteiligt ist die Stadt Langen mit ihrem Begegnungszentrum Haltestelle, ihrer Sozialstation sowie dem Förderverein „Freundeskreis der Haltestelle“. Zielgruppe des Engagements sind die älteren Bewohner. Deshalb will die Stadt Räume in einem Punkthaus anmieten, das die Baugenossenschaft mit einer entsprechenden Ausstattung errichtet. „Die Wohnungen werden barrierefrei, wir schaffen Gästeapartments und Gemeinschaftsbereiche“, berichtet Wolf-Bodo Friers.

Im Erdgeschoss des Punkthauses sind die Mobilitätszentrale des Begegnungszentrums Haltestelle und ihres Fördervereins, ein Veranstaltungsraum und ein Pflegestützpunkt vorgesehen. Speziell der Bereich Mobilität ist dem Leiter der Haltestelle, Martin Salomon, wichtig. „Gerade bei den E-Mobilen stellen wir eine starke Skepsis bei Senioren fest – aber nur, bis sie das erste Mal eines ausprobiert haben. Dann sind sie restlos begeistert.“ Aus diesem Grund soll künftig jeder Interessent niedrigschwellig und ohne Kaufzwang unterschiedlichste Modelle an E-Mobilen, aber auch multifunktionalen Rollatoren und Rollstühlen ausprobieren, ausleihen oder bei Gruppenausfahrten erleben können. Auch Schulungen sowie Fahr- und Verkehrssicherheitstraining sind geplant. „Für alle Generationen“, wie Martin Salomon betont. Er ist sich sicher, dass den E-Mobilen die Zukunft gehört. „Das wird so weit gehen, dass man schon bald auf Routenplanern im Internet nicht mehr nur Streckenverläufe für Autos, den ÖPNV oder Fußgänger aufzeigen lassen kann, sondern auch für E-Mobile“, sagt der Leiter der Haltestelle.

Aber auch diejenigen Senioren, die diese Gefährte nicht nutzen können oder wollen, werden nicht vergessen. Denn: „Immobilität führt zum Rückzug in die Einsamkeit“, weiß Martin Salomon. „So haben wir vor der Corona-Pandemie Fahrdienste zu unseren Gruppenangeboten angeboten. Mit der Folge, dass bei uns die Teilnehmerzahlen – im Gegensatz zu anderen Kommunen – steigen. Und wir werden das natürlich sofort wieder aufnehmen, sobald es die Lage zulässt.“

Solche Gruppenangebote sind künftig auch im Cafébereich im Erdgeschoss des Punkthauses vorgesehen, der allen Mietern offensteht. Er kann für Feste und Feiern genutzt werden, regelmäße Angebote im Bildungs-, Freizeit- und Sportbereich sind ebenso geplant wie Kooperationen mit Volkshoch- und Musikschule, Seniorenhilfe, Arbeiterwohlfahrt und anderen Initiativen.

Für Bewohner der Anna-Sofien-Höfe mit Unterstützungsbedarf will das Begegnungszentrum Haltestelle ein „Betreutes Wohnen zu Hause“ anbieten. „Durch ein Netzwerk von Mietern, Ehrenamtlichen und Profis soll ein niedrigschwelliges Angebot geschaffen werden, das auch genügend Zeit für Kommunikation, Soziales und gemeinsame Aktivitäten ermöglicht“, erläutert Martin Salomon. Konkret beinhaltet „Betreutes Wohnen zu Hause“ Hilfe im Haushalt, beim Einkaufen oder der Wohnungsreinigung, ambulante Pflege, gemeinsamer Essenstisch oder Essen zu Hause, Spaziergänge und Ausfahrten, Zeit für Gespräche, Austausch und psychischem Beistand sowie unterschiedliche Gruppenangebote.

„Die Bündelung der unterschiedlichen Angebote in einem Quartierszentrum vermittelt den Bewohnern der Anna-Sofien-Höfe die Sicherheit, im Alter im vertrauten Umfeld nicht nur wohnen, sondern auch mobil bleiben zu können“, fasst Erster Stadtrat Stefan Löbig die Vorteile zusammen. „Es ist nicht alltäglich, dass eine Baugenossenschaft so eng mit einer Stadt zusammenarbeitet“, hebt Bürgermeister Jan Werner die Bedeutung hervor. „Zwei starke Partner in enger Kooperation mit dem Freundeskreis des Begegnungszentrums Haltestelle ergänzen sich gegenseitig und ermöglichen ein neues Modell zum Erhalt der Selbstständigkeit und Mobilität von älteren Menschen mit und ohne Behinderung.“

Die Anna-Sofien-Höfe mit dem Punkthaus sollen im April 2022 fertiggestellt werden. Die Baugenossenschaft stellt der Stadt die 206 Quadratmeter großen Räumlichkeiten die ersten drei Monate kostenfrei und danach zu einem günstigen Preis zur Verfügung. Mit dem Rahmenkonzept haben sich die beiden Partner für den mit 75.000 Euro dotierten Hessischen Preis für Innovation und Gemeinsinn im Wohnungsbau, „Miteinander der Generationen im Quartier“, beworben. „Dort haben wir es bereits in die zweite Phase der Konkretisierung geschafft“, berichtet der städtische Fachbereichsleiter für Soziales und Bildung, Constantin Strelow Castillo.

Nach den Beratungen im Ausschuss für Soziales, Kultur und Sport sowie dem Haupt- und Finanzausschuss stehen die Anmietung der Räume durch die Stadt sowie das Gesamtkonzept in der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag, 18. Februar, zur endgültigen Abstimmung.

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