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Die Innenstadt hat Zukunft

Stadt will mit Landeshilfe die obere Bahnstraße entwickeln

02.08.2021
Bahnstraße
Wird die Bahnstraße auch dauerhaft zur Einbahnstraße? Die Stadt möchte die aktuelle Verkehrsführung nutzen und durch temporäre Projekte sowie unter Einbeziehung aller Beteiligten Erfahrungen sammeln und hofft dabei auf Unterstützung durch das Land Hessen. Foto: Schaible/Stadt Langen

Die Langener Innenstadt befindet sich derzeit in einem gravierenden Umbauprozess. Die Stadt möchte dies nutzen, die obere Bahnstraße umgestalten und die Aufenthaltsqualität deutlich erhöhen. Zunächst sollen dabei temporäre Projekte zwischen Romorantin-/Long-Eaton-Anlage und Lutherplatz Erkenntnisse für dauerhafte Maßnahmen liefern. Dabei hofft die Stadt Langen auf Unterstützung vom Land Hessen. „Wir haben uns für das Landesprogramm ,Zukunft Innenstadt‘ beworben und 250.000 Euro zur Umsetzung eines Maßnahmenpakets für die Entwicklung unserer Innenstadt beantragt“, verkündet Bürgermeister Jan Werner.

Aktuell drei große Bauprojekte in der oberen Bahnstraße werden nicht nur das Gesicht der Innenstadt maßgeblich verändern, sie schaffen auch neue und deutlich größere Verkaufsflächen sowie rund 100 Wohneinheiten, Büro- und Arztpraxen. Dies wird zu einer höheren Passantenfrequenz in der Innenstadt führen – „ein positiver Aspekt für die dort ansässigen, oft noch inhabergeführten Fachgeschäfte“, betont Joachim Kolbe, im Rathaus Fachbereichsleiter unter anderem für Stadtentwicklung und Wirtschaft.

Allerdings wird bereits jetzt in der Stadtgesellschaft kontrovers diskutiert, wie der zusätzliche Verkehr auf der Bahnstraße abgewickelt und gleichzeitig eine höhere Aufenthaltsqualität erreicht werden kann. Aktuell ist der Bereich zwischen Zimmerstraße und Lutherplatz aufgrund der Großbaustellen Einbahnstraße. Dies möchte die Stadt nutzen, um zu prüfen, ob dies eine Option auch für die Zukunft ist.

Das „Experiment“ Einbahnstraße gab es bereits früher. Doch der im Jahr 2005 gestartete Probelauf wurde 2007 vorzeitig beendet, weil Gewerbetreibende sowie Anwohner sich gegen das Vorhaben aussprachen. Ein Grund damals waren Belastungen durch den Stadtbusverkehr in angrenzenden Straßen, die es heute so aber nicht mehr gibt. „Zudem wurde der Testlauf damals von keinerlei versuchsweisen Installationen, kommunikativen oder kulturellen Aktionen begleitet, sodass die Bevölkerung den Mehrwert der Maßnahme, also mehr öffentlicher Raum und weniger Verkehrsbelastung, schwerlich erkennen konnte“, erinnert Joachim Kolbe.

Dies soll dieses Mal anders werden: „Wir haben jetzt die einmalige Chance, die obere Bahnstraße vollkommen neu als Erlebnisraum zu denken“, sagt Joachim Kolbe. Ein Ziel ist es, dort und in den direkt angrenzenden Bereichen temporär nutzbare Flächen zu schaffen, damit die Bevölkerung den öffentlichen Raum deutlicher wahrnimmt. Dies könne dann auch Vorbild für weitere öffentliche Räume in Langen sein.

Mit finanzieller Unterstützung des Landes möchte die Stadt in den kommenden Monaten im Dialog mit der Bevölkerung sowie den Gewerbetreibenden ermitteln, wie eine optimale Lösung für die Verkehrsführung sowie den öffentlichen Raum zwischen Romorantin-/Long-Eaton-Anlage und Lutherplatz aussehen kann. „Zunächst möchten wir einen Dialogprozess initiieren und mit Interviews, Expertengesprächen und einer Befragung ein Stimmungsbild zum Thema Einbahnstraßenregelung gewinnen“, erläutert der Fachbereichsleiter. Befragungen im Spätherbst 2021 sowie vor Beendigung des Einbahnstraßentestlaufs sollen zeigen, ob sich das öffentliche Meinungsbild ändert.

Im Rahmen der Projektplanung soll mit fachlicher Unterstützung die experimentelle Gestaltung des öffentlichen Raumes konzeptionell vorbereitet werden. „Wir möchten wissen: Welche Flächen bieten sich für Einzelhandel, Märkte, Kunst, Gastronomie, welche Möglichkeiten gibt es dort, welche Aktionen können dort stattfinden?“, erklärt Joachim Kolbe.

Im dritten Baustein soll der Stadtraum durch temporäre Eingriffe, Installationen und Inszenierungen mit den Möglichkeiten des Messebaus, des Theaters, der Eventmöblierungen sowie durch künstlerische und kulturelle Angebote in verschiedenen Konstellationen erprobt und bespielt werden. „Stadtgestaltung soll dadurch ohne größere Kosten fast spielerisch erlebbar gemacht werden, Freude und Überraschungsmomente sollen entstehen, Neugierde geweckt und schließlich Grundlagen und Konsens über einen dauerhaften Umbau der Oberen Bahnstraße geschaffen und bewirkt werden“, kündigt Joachim Kolbe an. Zudem sind temporäre Nutzungen in Leerständen wie ein Kunstkaufhaus oder ein Marktforschungslädchen zur Befragung der Bevölkerung denkbar. Ziel ist es, in den kommenden 18 Monaten mehr Leben auf die Gass‘ zu bringen.

Bei all dem sollen die wichtigen Akteure und Interessensvertretungen wie Gewerbeverein, Verkehrs- und Verschönerungsverein, Citymarketing-Initiative, natürlich die Gewerbetreibenden und Immobilieneigentümer auch in umliegenden Straßen, aber auch Kitas, Schulen und Kirchen intensiv mit einbezogen werden. „Wenn sich am Ende alle für die Beibehaltung der Einbahnstraßenregelung aussprechen, dann kann aus diesem zeitweiligen Versuch schließlich nachhaltige Realität werden“, verdeutlicht Bürgermeister Jan Werner, was sich die Stadt vom Landesprogramm „Zukunft Innenstadt“ erhofft. „Denn wir sind uns sicher: Unsere Innenstadt hat Zukunft. Und zwar eine, von der alle Langener profitieren werden.“

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