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Waldsee soll Sport- und Freizeit-Eldorado bleiben

Magistrat will Pläne aus den 80er Jahren korrigieren

21.10.2019

Der Langener Waldsee zählt mit seinen 800.000 Quadratmetern Wasserfläche zu den größten Binnengewässern in Hessen. Baden, Segeln, Surfen, Angeln, Triathlon oder einfach nur in der Sonne liegen – mitten im Rhein-Main-Ballungsraum bietet das „hessische Mittelmeer“ einzigartige Bedingungen als Freizeit-, Sport- und Erholungsgebiet von überörtlicher Bedeutung. Tausende geben sich hier in den Sommermonaten ein Stelldichein und genießen die Urlaubsatmosphäre. Das soll nach dem Willen des Langener Magistrats und des kommunalen Betreibers des Sees, der Bäder- und Hallenmanagement Langen GmbH (BaHaMa), auch so bleiben. Doch dafür müssen nach den Worten von Bürgermeister Frieder Gebhardt jetzt wichtige Weichen gestellt werden. Gefahr droht durch Planungen aus der Vergangenheit, die in einen Planfeststellungsbescheid aus dem Jahr 1991 eingeflossen sind, der nach wie vor Gültigkeit hat.

Gebhardt und BaHaMa-Geschäftsführer Joachim Kolbe haben klare Ziele vor Augen. Sie wollen die an der Westgrube des Waldsees vorhandenen Bade-, Sport- und Freizeitnutzungen auf Dauer erhalten. Gleiches gilt für die Trainings- und vor allem die Wettkampftauglichkeit und damit auch den Zuschnitt der Wasseroberfläche. Er ist Voraussetzung, um den Segel-, Surf- und Triathlonsport ausüben zu können. Außerdem müssten die Gebäude und Anlagen der am See ansässigen Vereine, deren Ver- und Entsorgung und deren Zufahrtsmöglichkeiten und Parkplatzangebote abgesichert und verbessert werden.

Dem entgegen stehen jedoch der Vollzug des Planfeststellungsbescheides von 1991 und die darin enthaltenen Rekultivierungsvorgaben für die Westgrube. Sie können in absehbarer Zeit die Bedingungen für den Wassersport, für Wettkämpfe und die Aktivitäten der Vereine in erheblichem Umfang negativ verändern. „Von der Ironman-Europameisterschaft, immerhin der weltweit größte Wettbewerb dieser Art, und von den Segelregatten müssten wir uns dann verabschieden“, zieht Kolbe eine düstere Bilanz. Die vorgesehene Rekultivierung und die Gestaltung der Uferlinie im Südosten und Osten der Westgrube würden verhindern, dass sich der Waldsee als regionales Sport- und Freizeitzentrum profilieren und entwickeln könne. Erschwerend komme die Ausdehnung der sogenannten Spülfläche im Westen der Wasserfläche hinzu. Sie entsteht durch die Ablagerung der Fein- und Schwemmsände aus dem Kieswaschwasser der Aufbereitungsanlage, die von der Firma Sehring Sand & Kies GmbH & Co. KG betrieben wird. Die Gefahr ist, dass der See teilweise verlandet.

Die früheren Planungen basieren auf Ideen und Vorstellungen der 80er Jahre. Dabei spielte der Wunsch eine Rolle, ein zweites Freibad im Süden mit ausladenden Strandflächen und mit Busverbindung nach Langen zu entwickeln. Seinerzeit betrieben der Umlandverband Frankfurt (UVF) und die Stadt Langen das Strandbad gemeinsam. Bei den strategischen und konzeptionellen Planungen spielte der Verband eine maßgebliche Rolle, die sich im Planfeststellungsbescheid von 1991 widerspiegelt. Durch eine gesetzliche Änderung wurde die Zusammenarbeit zwischen UVF und Stadt im Jahr 2000 beendet. Die Kommune beziehungsweise seit 2003 die BaHaMa ist seitdem wieder allein verantwortlich.   

Für Gebhardt und Kolbe wäre ein zweiter Sandstrand die denkbar schlechteste Lösung. „Dies wäre für die BaHaMa mit Sicherheit ein Verlustgeschäft, weil die Erschließung (verkehrliche Anbindung, Parkplätze, Abwasserentsorgung, Wasser- und Energieversorgung) nur mit großem Aufwand hergestellt werden könnte und zudem Doppelstrukturen aufgebaut werden müssten“, erklärt der Bürgermeister. Letztlich stünde einem erheblichen investiven und personellen Aufwand eine Einrichtung mit vielen Restriktionen und stark eingeschränkter Attraktivität gegenüber.

In die gleiche Richtung argumentiert Kolbe: „Eine unbewachte Badestelle ohne Einfriedung und sanitäre Infrastruktur außerhalb des Einfluss- und Kontrollbereichs des bestehenden Bades werden von der BaHaMa strikt abgelehnt.“ Der Geschäftsführer sieht auch die Gefahr, dass durch das Angebot wieder einer Vielzahl illegaler Nutzungen, Partys und Grillfesten Raum geboten wird. Zudem würde die bislang geplante Ufergestaltung durch ihren offenen Charakter die Attraktivität für unerwünschte Tierarten wie die nicht-einheimischen Kanada- und Nilgänse deutlich steigern und damit die Probleme mit diesen Vögeln verschärfen.

Das Strandbad Langener Waldsee existiert seit Mitte der 70er Jahre und ist seitdem in seinen Grundzügen mit Zufahrt und Haupteingang, FKK-Abschnitt, Textilstrand, Zeltplatz und sanitärer Infrastruktur weitgehend unverändert geblieben. Ertüchtigt wurden die Stromversorgung, die Einfriedungsanlagen und zuletzt die Abwassergruben und die Aufsichts- und Personalgebäude. Für die nahe Zukunft stehen vor allem die Erneuerung des Gebäudetraktes mit Sanitäreinrichtungen und Duschen sowie eine bessere Wasserversorgung auf der Prioritätenliste der Investitionen.

Drängend ist nach Kolbes Worten obendrein das Problem der Verkehrserschließung, des Pkw-Stellplatzangebots in Phasen des sommerlichen Hochbetriebs und die zuverlässige Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr. Derzeit verfügt das Strandbad selbst über rund 800 Stellplätze. Darüber hinaus können an Wochenenden Flächen des Betriebsgeländes der Firma Sehring als Behelfsparkplatz genutzt werden. „Dieser für das Strandbad logistisch und wirtschaftlich wichtige Alternative ist allerdings – perspektivisch – keine hinreichend verlässliche Lösung des Problems“, betont Kolbe. Der Parkplatz könne jederzeit aus rechtlichen oder betrieblichen Gründen nicht mehr zur Verfügung stehen.

Nach dem alten Planfeststellungsbescheid müsste der Strandbad-Parkplatz weitgehend aufgeforstet werden. Im Gegenzug sieht das Papier vor, dass die Stadt ein Waldstück an der B 44 von der Gemeinde Trebur kauft, die Bäume fällt und hier einen zentralen Parkplatz anlegt. Das passt aber laut Bürgermeister Gebhardt überhaupt nicht zusammen. „Es wäre doch abstrus, an einer Stelle Wald für einen Parkplatz abzuholzen und andererseits eine vorhandene Stellfläche aufzuforsten. Außerdem müssten die Badegäste von dem neuen Parkplatz mehr als einen Kilometer Fußmarsch zum Schwimmbadeingang zurücklegen. 

Deshalb plädieren Gebhardt und Kolbe unisono dafür, den Parkplatz im Strandbad in vollem Umfang zu erhalten. Überlegenswert wäre es darüber hinaus, den heutigen Trailer-Abstellplatz der Segelvereine zu verlagern und dort zusätzlichen Parkraum zu schaffen, eventuell vergrößert um eine Teilfläche des FKK-Bereichs. Auch der Umbau der Kleinseeschneise und die Versetzung des Strandbadzaunes seien eine prüfenswerte und realistische Perspektive, um entlang der Straße weitere Parkplätze einzurichten und so die Verkehrssituation spürbar zu verbessern. Für die Vereine sollten die Zufahrten und die Parkplätze für ihre Anlagen ebenso wie ein neuer Trailerplatz auf Dauer geregelt werden.

Damit der Waldsee in seinem bisherigen Zuschnitt ein regionales Freizeit, Sport- und Erholungsgebiet bleibt und seine Funktionen beibehält, plädiert der Magistrat dafür, dass gemeinsam mit der BaHaMa, der Firma Sehring, den ansässigen Vereinen und einem Fachbüro ein Konzept erarbeitet wird, dass die alten Planungen korrigiert, eine geringere Ausdehnung der Spülfläche ermöglicht und im Hinblick auf eine modifizierte Uferlinie im Südosten einer Umweltverträglichkeitsprüfung standhält. Mit im Boot sitzt auch der Regionalverband Frankfurt RheinMain, der in der Nachfolge des Umlandverbandes steht und der Überzeugung ist, dass die Bedeutung des Waldsees im Ballungsraum sogar noch zunehmen wird. Er will nach Kolbes Informationen dazu beitragen, die Funktionen und Möglichkeiten der Einrichtung aufzuwerten.   

Die Vorlage des Magistrats liegt dem Ausschuss für Soziales, Kultur und Sport in seiner Sitzung am Donnerstag, 24. Oktober, zur Beratung vor. Die Beschlussfassung in der Stadtverordnetenversammlung ist für Donnerstag, 5. Dezember, geplant.

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