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Zehn Jahre – zehn gute Gründe

Kooperation in der Langener Jugendarbeit – ein Leuchtturmprojekt

17.02.2020

„Offene Jugendarbeit ist wichtiger denn je – darüber sind sich Experten einig“, sagt Dirk Hartmann, Geschäftsführer des Offenbacher Kreisverbandes der Arbeiterwohlfahrt. Auch darin, dass sie nicht immer ganz einfach ist und alte Konzepte oft nicht funktionieren. Experten fordern eine stärkere Sozialraumorientierung: Angebote im nahem Wohnumfeld sowie aufsuchende Arbeit, ergänzend zu Angeboten in einem Jugendzentrum. Auf diesen Weg haben sich in Langen schon vor zehn Jahren der Caritasverband, die Evangelische Kirchengemeinde und die Stadt gemacht. Später kam noch die Arbeiterwohlfahrt hinzu.

In einer Kooperationsvereinbarung hatten sich die vier Partner darauf verständigt, die soziale Arbeit im Jugendzentrum Langen (Juz) und in den Stadtteilen Oberlinden/Linden/Neurott, Stadtmitte, Steinberg/Altstadt und Nordend gemeinsam neu auszurichten und präventiv zu gestalten. Ein Team mit vier verschiedenen Arbeitgebern arbeitet seither unter einem Dach und mit einem gemeinsamen Ziel: Ansprechpartner zu sein für die Belange der Kinder und Jugendlichen in Langen. Diese werden bereits ab dem sechsten Lebensjahr in den Stadtteilen angesprochen, in Projekte eingebunden und bis zum 27. Lebensjahr von Sozialarbeiterinnen und Sozialpädagogen begleitet.

Unter städtischer Leitung sind die Pädagoginnen und Pädagogen in den Quartieren unterwegs, um sich ein Bild von den Bedürfnissen junger Menschen in Langen zu machen. Sie bieten Spiel- und Kreativ-Gruppen an, nehmen Kontakt zu Jugendlichen auf, kommen mit dem Dragomobil (Spielmobil) auf Spielplätze. Im Juz gestalten sie Angebote unterschiedlichster Art: Boxen für Mädchen, Probenräume, Treffen und Konzerte für junge Musiker und mehr. Jugendliche können mit Unterstützung Räume, wie das Musikstudio oder den Sportraum für ihre Interessen und Hobbies nutzen. Das Bistro bietet Raum zum entspannen und Gelegenheit zum Austausch über heitere wie ernste Themen.

„Durch die Präsenz in den Wohngebieten und dem „Knotenpunkt“ Jugendzentrum werden auch Kinder und Jugendliche erreicht, deren Familien ihnen nur unzureichend den Zugang zu kreativen oder sportlichen Freizeitbeschäftigungen bieten können“, sagt Christiane Leonhardt-Içten, Direktorin des Caritasverbandes Offenbach. Auch durch die Ferienangebote entstehen enge Kontakte zwischen dem Team und den jungen Leuten. Sie und ihre Familien bekommen Informationen und Anregungen zu den Freizeitmöglichkeiten in Langen.

„Das präventive, auf Bildung und Beteiligung ausgerichtete Konzept hat sich über zehn Jahre sehr bewährt; insgesamt werden jährlich 800 Kinder und Jugendliche erreicht und mit einer breiten Vielfalt an kulturellen, musikalischen und freizeitpädagogischen Angeboten gefördert. Durch Mehrfachteilnahmen ergeben sich etwa 8000 Kontakte an rund 450 Veranstaltungstagen jährlich“, berichtet die im Rathaus zuständige Fachdienstleiterin der Stadt, Martina Waidelich. „Dass der Kooperationsverbund und das Konzept ein Leuchtturmprojekt sind, ist weit über die Grenzen Langens hinaus bekannt. Das Konzept wurde schon auf verschiedenen Fachtagen vorgestellt oder gelobt“, ergänzt Pfarrer Steffen Held von der Evangelischen Kirchengemeinde.

Nachdem vor zehn Jahren das Kooperationsbündnis geschlossen wurde und zu Beginn des Jahres 2011 in die Umsetzung ging, ist es Zeit, die Kooperation und die Arbeit zu bilanzieren. Und es gibt zehn gute Gründe für die Kooperation in der städtischen Jugendarbeit in den vergangenen zehn Jahren:

1. Durch die Kooperation entsteht ein Mehrwert. Jeder Partner bringt eigene Kontakte, Netzwerke und zusätzliche Leistungen mit in den Verbund.

2. Das gewachsene Vertrauen untereinander ermöglicht größere Projekte und gemeinsame Anträge wie zum Beispiel über das Bundesprojekt „Kultur macht stark“.

3. Das Konzept bringt dezentrale und zentrale Jugendarbeit in eine gute Balance: Wünsche Probleme und Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen werden in ihrem Lebensumfeld von den pädagogischen Fachkräfte wahrgenommen und im Gesamtteam des Juz ausgewertet. Sie dienen als Grundlage um die Angebote stetig weiter zu entwickeln und zu optimieren.

4. Über die Sozialraumarbeit gelingt ein direkterer Zugang zu Familien aller Gesellschaftsschichten.

5. Die Begleitung ist langfristig angelegt - vom Grundschulalter bis zum Einstieg in den Beruf, ei Bedarf auch drüber hinaus.

6. Der Informationsaustausch über aktuelle Entwicklungen erlaubt es, unkompliziert und flexibel auf kurzfristige Bedarfe zu reagieren.

7. Durch den Jugendtag und die Jugendleitertreffen besteht eine Vernetzung mit der Jugendarbeit in Vereinen und Verbänden.

8. Alle haben Zugriff auf den großen Pool an Räumen, Fahrzeugen, Gerätschaften und Materialien.

9. Schulungen stehen allen Teamern und Helfern zur Verfügung.

10. Die breite Arbeit an der Basis ist langfristig kostengünstiger als Einzelfallbetreuung, da frühzeitig der Eskalation von Lebenssituationen entgegengewirkt werden kann.

 

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