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Mit Bußgeld und Smileys gegen Raser

2020 mehr als 23.000 Temposünder zur Kasse gebeten

29.03.2021

Sie dienen der Sicherheit auf den Straßen und nicht – auch wenn das oft landläufige Meinung ist – der Verbesserung der städtischen Finanzlage: Bei Geschwindigkeitsmessungen hat der städtische Fachdienst Öffentliche Sicherheit und Ordnung wieder viele Raser ertappt und sie mit Bußgeldern zur Kasse gebeten. Gleichzeitig setzt die Stadt aber auch auf Geschwindigkeitsanzeigen, die dem Autofahrer mittels eines „lachenden“ oder eines „betrübten“ Gesichtsausdrucks anzeigen, ob er ordnungsgemäß oder zu schnell unterwegs ist. Diese sollen ohne Strafe erzieherisch wirken.

Insgesamt 7.728.902 Autos, Lastwagen und Motorräder wurden 2020 von den stationären Geschwindigkeitsmessanlagen erfasst, deutlich mehr als ein Jahr zuvor (3.798.885). Diese Steigerung hat einen einfachen Grund: Die beiden Anlagen an der Bundesstraße 486 nahe der Einmündung zur K 168 wurden erst Mitte 2019 in Betrieb genommen; zudem war damals die Anlage in der Fahrgasse außer Betrieb.

Angesichts der deutlich gestiegenen Zahl an Messungen wurden natürlich auch erheblich mehr Temposünder ertappt. 22.025 Fahrzeuge waren zu flott unterwegs, 2019 lag die Zahl bei 14.519. Prozentual ist der Anteil der Geschwindigkeitsverstöße damit allerdings von 0,38 auf 0,28 Prozent gesunken.

Doppelt so schnell wie erlaubt war dabei ein Raser auf der B 486 unterwegs: 70 km/h sind dort erlaubt, gemessen wurde Tempo 140. Besonders häufig blitzte es dort auch, als während der Bauarbeiten auf der K 168 (Prinzessin-Margaret-Allee) im Bereich der Einmündung die erlaubte Höchstgeschwindigkeit in beiden Fahrtrichtungen von 70 auf 50 km/h gesenkt wurde. Gerade diese Verstöße führten oft zu Einsprüchen der Betroffenen mit entsprechendem Mehraufwand für das Referat Ordnung und Verkehr.

Nach der Sanierung der Mess-Schleifen in der Fahrbahn nahm die Geschwindigkeitsmessanlage in der Fahrgasse im Spätsommer 2020 ihren Betrieb wieder auf. „Wie wichtig die Geschwindigkeitsüberwachung an diesem Standort ist, zeigen die Daten“, sagt Erster Stadtrat Stefan Löbig: „In den ersten vier Monaten wurden bereits 868 Tempoverstöße festgestellt.“ An dieser Stelle der Altstadt gilt Tempo 30. Außerdem wurden fünf Ordnungswidrigkeitsverfahren (Handy am Steuer, Verstoß gegen die Gurtpflicht) eingeleitet.

Das Radarfahrzeug kam an Orten mit Gefährdungspotenzial zum Einsatz, zum Beispiel vor Schulen oder Kindertagesstätten. Zusätzlich erfolgen Messungen aufgrund von Bürger-Beschwerden oder aufgrund von veränderten Verkehrssituationen wie Straßensperrungen, Umleitungen oder Baustellenverkehr.

Im Jahr 2020 lag ein Schwerpunkt der mobilen Geschwindigkeitsmessungen in der Darmstädter Straße auf Höhe des neuen Wohngebiets Belzborn und der „Kita Zauberburg“. „Damit haben wir auf Beschwerden der Anwohner reagiert, die sich sowohl über den Lärm als auch über gefährliche Situationen durch Raser beschwert hatten“, erklärt Bürgermeister Jan Werner. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit beträgt dort 50 km/h. 29 Mal war der Radarwagen vor Ort, von 23.145 erfassten Fahrzeugen waren 323 Fahrzeuge zu flott unterwegs. Der Schnellste fuhr mit 86 km/h.

Ein weiterer Schwerpunkt war die Berliner Allee in Höhe der Albert-Schweitzer-Schule mit 20 Messungen. Auch dort hatten sich die Beschwerden über Geschwindigkeitsverstöße gehäuft. „Wir wollen den Grundschülern einen sicheren Schulweg gewährleisten“, sagt Jan Werner. „Zudem wird das Radarfahrzeug meist sehr gut wahrgenommen und die Tatsache, dass es dort steht, wird schnell über soziale Medien kommuniziert, sodass oft eine nachhaltige Veränderung des Fahrverhaltens erreicht werden kann“, ergänzt Stefan Löbig.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 97 mobile Messungen vorgenommen und dabei 33.208 Fahrzeuge gemessen. Ergebnis: 982 Verwarnungen für Tempoverstöße, zwölf Ordnungswidrigkeitsverfahren (Handy, Gurt).

Für das laufende Jahr plant der Fachdienst Öffentliche Sicherheit und Ordnung, die veraltete Radarkamera zu ersetzen. Die neue ermöglicht aufgrund des technischen Fortschritts Messungen an deutlich mehr Standorten, beispielsweise hinter Kurven.

Zudem sollen weitere Geschwindigkeitsmessanzeigen angeschafft werden. „Mit diesen können wir relativ flexibel auf Anregungen aus der Bevölkerung reagieren“, sagt Jan Werner. Die digitalen Tafeln zeigen den Verkehrsteilnehmern nicht nur die gefahrene Geschwindigkeit und ein dazu passendes Emoji an, sondern zeichnen die Messergebnisse auch auf. Dies ermöglicht eine statistische Auswertung. Mit den beiden vorhandenen Anzeigetafeln wurden 2020 rund 145.000 Fahrzeuge gemessen.

Bei der Überwachung des ruhenden Verkehrs ist ein Jahresvergleich durch die Corona-Pandemie kaum möglich. Im ersten Lockdown war ein deutlich verändertes Fahrverhalten mit stark verringertem Verkehrsaufkommen festzustellen, sodass meistens ausreichend legale Parkmöglichkeiten zur Verfügung standen. Im weiteren Verlauf der Pandemie kamen auf die Ordnungspolizei dann zahlreiche zusätzliche Aufgaben zu: Kontrollen zur Einhaltung der Corona-Beschränkungen, zeit- und personalintensive Einsätze an den beiden Freibädern, bei Demonstrationen und Mahnwachen führten zu Einschränkungen bei der Verkehrsüberwachung. So wurden lediglich 1.791 Knöllchen verteilt (2019: 12.230). Unter anderem durch eine personelle Aufstockung der Ordnungspolizei soll die Verfolgung von Falschparkern dieses Jahr aber wieder deutlich intensiviert werden.

„Das alles dient aber nicht dazu, Geld in die Stadtkasse zu bekommen“, sagt Stefan Löbig. Denn die Kosten für Technik und Personal sind höher als die Einnahmen aus Bußgeldern. „Ziel ist es, die Sicherheit auf Langens Straßen zu erhöhen und damit auch Gesundheit und Leben unserer Bürgerinnen zu schützen“, betont Jan Werner.

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