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„Langen - vom Durchgangsverkehr befreite Zone“

Optimistische Stimmung bei Eröffnung der Nordumgehung

29.07.2019

Im Jahr 1907 hat sich Otto Steingötter als erster Langener einen Kraftwagen angeschafft und die Stadt begann, ihre Schotterstraßen mit Teer zu übergießen. 45 Jahre später nahm die Geschichte der Nordumgehung ihren Anfang, bevor weitere 47 Jahre vergingen, bis am 24. August 1999 die ersten Autos über die zweispurige Piste rollten. „Langen ist vom heutigen Tag an eine vom Durchgangsverkehr befreite Zone“, stimmte der damalige Bürgermeister Dieter Pitthan das Publikum bei der Eröffnungsfeier auf die Zukunft ein, um gleich anschließend den verbreiteten Optimismus etwas zu dämpfen: „Natürlich werden sich nicht alle daran halten, aber zweifellos bringt die Nordumgehung eine erhebliche Entlastung vor allem für die Anwohner an der Südlichen Ringstraße.“

So ist es dann tatsächlich auch gekommen, wobei die Bezeichnung „Nordumgehung“ eigentlich irreführend ist, denn sie umgeht nicht das Stadtgebiet von Langen. Vielmehr zerschneidet sie die Siedlungsfläche westlich der Bahn, im Wesentlichen das Wirtschaftszentrum Neurott. Östlich der Gleise grenzt sie die Wohngebiete – vor allem auch die künftigen an der Liebigstraße und die neuen an der Elisabeth-Selbert-Allee - nach Norden hin ab.

An dem 3,8 Kilometer langen Asphaltband hatten sich zahlreiche Planer und Politiker versucht – „und selbst gestandene Persönlichkeiten sind an ihm gescheitert“, bilanzierte Pitthan seinerzeit und er fragte sich: „Warum hat das alles so lange gedauert?“. Eine Aussage, die heute eins zu eins auch auf den noch nicht vollzogenen Ausbau der Bundesstraße 486 zur Autobahn 5 zutrifft. Pitthans damalige Antwort: „Vielleicht liegt eine Erklärung der beinahe zu einer ‚never ending Story‘ gewordenen Nordumgehungsplanung darin, dass der durch Planungsrecht erzwungene Versuch, es allen recht zu machen, immer wieder dazu führte, dass es erneut welche gab, die dagegen waren. Gemeinwohl ist eben etwas anderes als die Summe aller Einzelinteressen.“

Dabei hatte sich frühzeitig eine breite Mehrheit für den Bau der Straße gefunden. Schließlich war offensichtlich, dass die Langener zunehmend unter dem Durchgangsverkehr und nicht zuletzt unter den Lkws litten. Anwohner forderten auf Plakaten „Nächte ohne Laster“ und erzeugten mit der zweideutigen Aussage überregional Aufmerksamkeit. Aus der Alten Ölmühle wurde daraufhin eine Talkshow zum Thema live im öffentlich-rechtlichen Fernsehen übertragen.

Doch es war wie so oft. Gremien, Behörden und Dienststellen von Stadt, Kreis, Land und Bund stellten Pläne auf und beschlossen sie, verwarfen sie wieder, warteten auf Gutachten und planten neu. Auf dem Papier entstanden Über- und Unterführungen und Kleeblätter, denen ein Ohr abgeschnitten und wieder hinzugefügt wurde. Die Nordumgehung hatte abwechselnd mal vier und mal zwei Spuren und manchmal schien sie gänzlich aus der Spur zu geraten.

Eigentlich hatte alles ganz verheißungsvoll begonnen. Schon 1952 tauchte die Nordumgehung in einem Flächennutzungsplan in einer Dimension auf, wie sie später auch tatsächlich gebaut wurde. Der Plan wurde dann schon drei Jahre später rechtswirksam. Aber was hieß das schon? Bei der Einweihung der Bahnüberführung der Südlichen Ringstraße am 12. September 1969 verkündete der damalige Verkehrsminister Georg Leber unter dem Beifall des Publikums: „Beim Bund sind alle Voraussetzungen gegeben, dass nun auch die Nordumgehung von Langen gebaut werden kann. Die Mittel sind da!“ Im Mai 1991 hieß es dann in der Frankfurter Rundschau: „22 Jahre nach Leber ist die Nordumgehung nicht in Sicht, und niemand wagt eine Prognose. Leber wäre heute wohl vorsichtiger …“, kommentierte die Zeitung.

Mal war die Nordumgehung „im Zeitplan“, mal wurde sie „auf Eis gelegt“. Als dann – im Februar 1994 der Planfeststellungsbeschluss unterzeichnet wurde, war dies „die Unterschrift des Jahres“, denn die erlösende Botschaft lautete „Nach 42 Jahren die letzte Hürde genommen“. Nach einer kurzen, kritischen Phase unter dem Motto „Klagen gegen Nordumgehung“ markierte schließlich die Meldung „Nordumgehung kommt jetzt in Fahrt“ den endgültigen Durchbruch, der nach dem ersten Spatenstich am 4. Mai 1995 nur noch von der Schlagzeile „Straßenbau findet statt“ getoppt wurde.

Die folgende Bauphase war weit weniger spektakulär als die ganze Vorgeschichte. Die Arbeiten kamen gut voran. „Die Raupen fressen sich weiter, die Dampfwalzen fahren schon“, hieß es beruhigend in den Medien.

Bei der Eröffnung der Bundesstraße kam Pitthan auch auf die künftige Gestaltung der B 486 zwischen der K 168 und der A 5 zu sprechen und plädierte „uneingeschränkt“ für die vierspurige Variante. „Die Leistungsfähigkeit der zweispurigen Strecke ist seit Jahren nicht mehr ausreichend“, sagte er 1999. „Sie ist ein gefährlicher, zeitraubender und ärgerlicher Engpass.“

Und tatsächlich sah der damalige Bürgermeister einem baldigen Baubeginn entgegen, sprach er doch von der „guten Nachricht“, die da lautete: „Der vierspurige Ausbau ist im Bedarfsplan für die Bundesfernstraßen als ‚Maßnahme des vordringlichen Bedarfs‘ eingestuft. Damit besteht von Seiten des Bundes ein gesetzlicher Planungsauftrag, dem die Hessische Straßen- und Verkehrsverwaltung nachkommt. Stand der Dinge ist, dass gegenwärtig im Auftrag des Amtes für Straßen- und Verkehrswesen eine Umweltverträglichkeitsstudie für den Ausbau durchgeführt wird …“

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