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Gute Aussichten für sportliche Zukunft

Magistrat hält an Plänen für Vier-Felder-Halle in Oberlinden fest

06.09.2021

Das Projekt ist alternativlos, will die Stadt nicht bereits in Kürze einen massiven und inakzeptablen Ausfall der Sportinfrastruktur in Langen in Kauf nehmen: Der Magistrat hält trotz der deutlich gestiegenen Kostenschätzung am Neubau einer Vier-Felder-Sporthalle im Sportpark Oberlinden als Ersatz für die marode Georg-Sehring-Halle fest. Der aktualisierte Antrag auf einen Zuschuss aus dem Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ ist aufgrund von Fristen bereits eingereicht. Allerdings muss die Stadtverordnetenversammlung noch rückwirkend zustimmen.

Die aktuelle Situation ist bekannt: Die Stadt Langen hat ein akutes und schnell wachsendes Defizit an Sporthallenkapazitäten für den Vereins-, Schul- und Freizeitsport. Gleichzeitig ist die Georg-Sehring-Halle schon seit Jahren in einem sehr maroden Zustand, sodass sie in absehbarer Zeit nicht mehr genutzt werden kann. Der 2019 von der Stadtverordnetenversammlung beschlossene Sport- und Sportstättenentwicklungsplan sieht deshalb einen Neubau neben der Sehring-Halle vor, die bis zur Eröffnung noch weiter genutzt werden kann.

„Da kommt uns das Bundesprogramm natürlich sehr gelegen“, sagt Bürgermeister Jan Werner. „Wir sind sehr glücklich, dass wir vom Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages eine Zusage erhalten haben und mit maximal zwei Millionen Euro rechnen können.“

Allerdings war die Frist im Interessenbekundungsverfahren, also zur Beantragung der Aufnahme in das Bundesprogramm, „sehr sportlich“, wie der zuständige städtische Fachbereichsleiter Joachim Kolbe formuliert. Da aber zu diesem frühen Zeitpunkt und somit noch vor dem Vorliegen irgendwelcher Pläne bereits eine Kostenschätzung genannt werden musste, sah sich der städtische Fachdienst Kultur und Sport nach mutmaßlich vergleichbaren Projekten um. Doch Vier-Felder-Hallen, wie in Langen benötigt, werden aktuell nur sehr wenige gebaut. Fündig wurde die Stadt im benachbarten Rheinland-Pfalz. Die anfangs genannte Zahl von etwa fünf Millionen Euro stellte somit lediglich eine Orientierungsgröße dar und basierte „notgedrungen weder auf einem beschlossenen Raumprogramm, Planungen und Kostenberechnungen noch auf fundierten indexbasierten Schätzungen“, erklärt Joachim Kolbe.

Bei einer Besichtigung, die erst nach Abgabe der Unterlagen möglich war, stellte sich dann allerdings heraus: Die beiden Projekte in Rheinland-Pfalz basieren auf einem standardisierten Industriehallenkonzept, sind keine Versammlungsstätten (maximal 199 Veranstaltungsgäste, höchstens sechs Veranstaltungen pro Jahr), haben keine Lüftungsanlagen oder akustischen Einbauten. Kurz: „Ein solcher Bau würde den baulichen und technischen Qualitätsvorstellungen der Stadt Langen und den sportfachlichen Anforderungen an die Halle und ihre geplanten Nutzungen nicht gerecht werden“, erläutert der Fachbereichsleiter. „Und er wäre auch gar nicht förderfähig.“

Der Bund verknüpft seine Zuwendung mit harten, aber verständlichen Bedingungen und Anforderungen an die Architektur, die Bauqualität, Nachhaltigkeit und Energieeffizienz, die Barrierefreiheit und die Verpflichtung auf die Umwelt- und Klimaschutzziele der Bundesrepublik, schon bis 2045 einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand zu erreichen. Dazu kommen der aktuelle Beschluss des Bundesverfassungsgerichts zum Klimaschutz und der europäische Green Deal.

Das alles erhöht aber die Kosten für die Stadt deutlich. Die augenblickliche Schätzung geht von einer Gesamtsumme von rund 9,4 Millionen Euro aus, wobei sich diese Summe je nach Baupreisentwicklung noch in beide Richtungen verändern kann. Nach Abzug des Bundeszuschusses wären etwa 7,4 Millionen aus dem städtischen Etat zu bezahlen.

Die Sanierung der Georg-Sehring-Halle ist kein gangbarer Weg. „Sie wäre wahrscheinlich genauso teuer, aber vor allem wäre sie weder jetzt noch nach dem in Aufstellung befindlichen Bebauungsplan genehmigungsfähig", erläutert Joachim Kolbe. Die Sanierung würde obendrein keine Kapazitätserweiterung bringen. Und eine Sanierung würde zur Unterbrechung des Trainings- und Wettkampfbetriebes und aller anderen Nutzungen für zwei bis drei Jahren führen und damit den TVL und die anderen Ballsport betreibenden Vereine wie die HSG oder die Volleyballabteilung der SSG Langen existenziell gefährden.

„Gar nichts zu machen ist auch keine Option“, stellt Bürgermeister Jan Werner klar: „Dann hätten wir in wenigen Jahren ein riesiges Problem. Der Ersatzneubau einer Vier-Felder-Sporthalle erweitert dagegen die Kapazitäten in Langen deutlich, schafft Möglichkeiten der Verlagerung und Entlastung des Sportzentrums Nord und der zweiten Halle der Dreieichschule und damit für die dortigen, wachsenden Schulen und bietet langfristige und nachhaltige Perspektiven insbesondere für den Ballsport.“

Angesichts der noch anstehenden Wohnbauvorhaben und einer steigenden Bevölkerungszahl gibt es für den Bürgermeister keine Alternative. „Wenn wir jetzt aus dem Antragsverfahren des Bundes aussteigen, ist die Chance auf eine Zuwendung in Höhe von zwei Millionen Euro definitiv verwirkt. Und sie wird in den nächsten Jahren nicht wiederkommen“, sagt Jan Werner. „Wir möchten jetzt die erforderliche Infrastruktur schaffen und die Zukunft der Stadt sichern. Der Sportpark ist ein großartiges Projekt, das Langen weit voranbringt.“

Vorgesehen ist, die neue Turnhalle neben die Georg-Sehring-Halle an die nordöstliche Ecke des Sportparks zu bauen. Nach Anregungen der Anwohner wurden der Entwurf des Bebauungsplans für den Sportpark Oberlinden bereits angepasst: So rückt das Baufenster etwas nach Süden, sodass der Waldstreifen am Zufahrtsweg zum Waldstadion des FC Langen erhalten bleibt.

Zur Wahrung der Frist hat die Stadt die aktualisierten Antragsunterlagen bereits eingereicht. Die beteiligten Behörden des Bundes haben gestattet, dass der erforderliche politische Beschluss ausnahmsweise nachgereicht werden darf. Der Haupt- und Finanzausschuss befasst sich am 9. September mit dem Thema, beschlossen werden soll die Vorlage dann am 23. September in der Stadtverordnetenversammlung.

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