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Frauen, die Fulda und ein antiker Römerweg

Neue Straßennamen für das Wohngebiet im Langener Norden

10.02.2020

In Langen gibt es rund 240 Straßen und Plätze, die unterschiedliche Namen tragen. Die Palette reicht vom Gründer des katholischen Sozialverbands Kolping-Werk, Adolph Kolping, bis zu Pfarrer Eucharias Zinkeysen. 81 Verkehrsadern sind nach Männern benannt, aber nur 19 erinnern bislang an Frauen. Daher möchte die Stadt im großen Baugebiet an der Liebigstraße mehr Gleichheit zwischen den Geschlechtern herstellen, indem sie Straßen nach berühmten und verdienten Frauen aus den verschiedensten Bereichen benennt. Ein parlamentarischer Arbeitskreis hat eine Liste zusammengestellt, die der Ausschuss für Umwelt, Bau und Verkehr in seiner jüngsten Sitzung befürwortete.

Die Vorschläge stammen von den Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung: Sie enthalten Namen von Frauen, die sich verdient gemacht haben in den Bereichen Pädagogik, Einsatz für den Frieden, NS-Widerstand, beim Aufbau der jungen Bundesrepublik, als Pionierinnen in Wissenschaft, Technik und Medizin und als Frauenrechtlerinnen. Aber nicht nur Frauennamen spielen eine Rolle, sondern auch die Tatsache, dass das heutige Baugebiet in der Antike von einer Römerstraße durchquert wurde, deren ungefähre Lage vermutlich mit dem Schnainweg zusammenfällt. Die moderne Nachfolgerin der historischen Via soll eine der Hauptverkehrsadern des neuen Viertels werden und reicht von der Liebigstraße bis zur Hans-Kreiling-Allee. Sie soll nach Willen der Fraktionen künftig die Benennung „Alte Römerstraße“ tragen.

Für die weiteren Straßen schlagen die Ausschussmitglieder folgende Frauennamen vor: die Reformpädagogin Maria Montessori, die deutsche Frauenrechtlerin und Pädagogin Helene Lange und zwei Mütter des Grundgesetzes: Helene Weber und Friederike Nadig. Als erste deutsche Bundesministerin soll Elisabeth Schwarzhaupt mit einer eigenen Straße geehrt werden. Anerkennung für ihr Engagement im Widerstand gegen die Nazi-Diktatur sollen das Langener Ehepaar Maria und Karl Zängerle erhalten. Außerdem nominiert ist die Nobelpreisträgerin für Physik und Chemie, Marie Curie. Neben ihr ist die erste deutsche Pilotin Melli Beese auf der Liste, genauso wie Ada Lovelace. Die britische Mathematikerin hatte mit ihrem Kollegen Charles Babbage eine mechanische Rechenmaschine entwickelt. Die Programmiersprache Ada wurde ebenfalls nach der Gräfin von Lovelace benannt.

Überdies gesetzt ist die italienische Medizinerin Rita Levi-Montalcini. Sie erhielt 1986 den Nobelpreis für Medizin und wurde 2001 als zweite Frau zur Senatorin auf Lebenszeit in Italien ernannt. Ihre Kollegin Dorothea Christiane Erxleben war im 18. Jahrhundert eine Pionierin des Frauenstudiums und die erste promovierte deutsche Ärztin. Deren Zeitgenossin Laura Bassi war sogar die erste Universitätsprofessorin in Europa und hatte jeweils einen Lehrstuhl für Philosophie und Physik inne. Für die Rechte von Frauen und die Gleichberechtigung traten Hedwig Dohn und Minna Cauert ein. Außerdem vorgesehen ist eine Straße nach dem nordhessischen Fluss Fulda zu benennen. Die existierenden Elisabethen- und Nordendstraße sollen nach Norden verlängert werden. Bei der ebenfalls schon vorhandenen Margarethenstraße ist geplant, sie Margarethenweg fortzuführen. Außerdem ist angedacht, dass an den Straßenschildern jeweils eine Zusatztafel angebracht wird, die über die Namen informiert. Die endgültige Entscheidung über die Namensvergabe trifft die Stadtverordnetenversammlung im Rathaus am Donnerstag, 13. Februar, 20 Uhr.

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