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Breit gefächerte ärztliche Versorgung in Langen

Untersuchung der Wirtschaftsförderung zur medizinischen Situation

16.12.2019
Ärzte-Versorgung in Langen - Asklepios Klinik

Wer kennt das Problem nicht? Der Nachwuchs ist krank und beim Kinderarzt herrscht Annahmestopp oder man hat Rückenschmerzen und der Orthopäde bietet den nächsten freien Termin erst in einigen Monaten an. Diese und ähnliche Erfahrungen lassen bei vielen Patienten das Gefühl aufkommen, dass es in Langen und im Rhein-Main-Gebiet zu wenige Ärzte gibt. Dabei gilt das Angebot an medizinischer Betreuung als wichtiger Standortfaktor bei der Wahl des Wohn- und auch Unternehmensstandortes. Eine ausreichende Zahl an Praxen und Krankenhausbetten wird heute genauso ins Kalkül gezogen wie die Qualität der Schulen und Ausbildungsstätten, die soziale Infrastruktur und das Freizeitangebot.

Die ambulante ärztliche Versorgung in Hessen wird jedoch vor Ort nicht von den Kommunen gesteuert, sondern durch die Bedarfsplanung der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH). Sie macht strikte Vorgaben für den Bestand von Haus-, Allgemein- und Fachärzten und ermittelt die sogenannten „regional notwendigen Arztzahlen“, die mit den Budgets der Krankenkassen auskommen müssen. Die aktuell für Langen gültige Vorgabe wurde bereits im Jahr 2017 von der KVH, den Landesverbänden der Krankenkassen und den Ersatzkassen beschlossen und ist drei Jahre gültig. Demnach wird es erst im nächsten Jahr eine Neuauflage geben.

Eine Schwachstelle sind nach den Worten von Bürgermeister Frieder Gebhardt die Bevölkerungszahlen, neben den zur Verfügung stehenden Budgets die maßgebliche Grundlage für die Bedarfsplanung. Gut zwei Jahre hinken sie der Realität hinterher. „In einer dynamisch wachsenden Stadt wie Langen ist das natürlich besonders kritisch“, sagt Gebhardt.

Auf Wunsch der Stadtverordnetenversammlung hat der Magistrat jetzt einen Bericht über die ärztliche Versorgung in Langen vorgelegt, den die städtische Wirtschaftsförderung zusammenstellte. Basis dafür war Zahlenmaterial der KVH. Für Gebhardt ist das Papier eine gute Grundlage für Gespräche mit den Ärztevertretern.

„Dabei wird es auch darum gehen, wie die Stadt bei einer Ansiedlung weiterer Mediziner helfen kann“, erklärt der Rathauschef. Im Fokus stehen dabei insbesondere Allgemeinmediziner, denn davon gibt es im Plangebiet Neu-Isenburg/Dreieich/Langen bereits jetzt 6,5 freie Arztsitze, die von der Kassenärztlichen Vereinigung direkt zu vergeben wären. Bei wachsenden Einwohnerzahlen wird der Bedarf weiter anwachsen. Um dem entgegenzuwirken, wird die städtische Wirtschaftsförderung gemeinsam mit dem Ärztenetzwerk Langen Dreieich im Frühjahr 2020 alle Ärzte in Langen befragen, um so eine Lageeinschätzung in Hinblick auf die räumlichen Entwicklungsperspektiven von Praxen vornehmen zu können. Gerade die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr wird dabei eine wichtige Rolle spielen. Anhand der Befragungsergebnisse soll ein Anforderungsprofil für optimale räumliche und infrastrukturelle Bedingungen für Arztpraxen erarbeitet werden, das mit dem Ärztenetzwerk abgestimmt wird. Die Ergebnisse könnten für Investoren und Hauseigentümer eine wichtige Grundlage sein, um künftig zielgerichtet Projekte zu realisieren. „Unser Ziel muss es sein, der wachsenden Bevölkerung Langens eine angemessene medizinische Versorgung bieten zu können, damit alle im Krankheitsfall in der gebotenen Zeit und so nah wie möglich zum Arzt gehen können“, betont Bürgermeister Frieder Gebhardt.

Der Blick auf die nackten Zahlen spiegelt für Langen aktuell ein vergleichsweise gutes Bild wider. Stand Oktober 2019 stehen auf der Liste 95 niedergelassene Mediziner, von denen 43 ihren Standort in der Asklepios Klinik und im benachbarten Fachärzte-Zentrum haben und 22 als Hausärzte tätig sind. Als Spezialisten wirken fünf Kinder- und Jugendärzte und 25 Innere Mediziner. Außerdem praktizieren zwei Neurologen, acht Gynäkologen, sieben Radiologen und ein Urologe. Zudem bieten ein Chirurg, ein Neuro- und ein Kiefer-Chirurg ihre Dienste an. Darüber hinaus haben sich in der Stadt zwei Haut- und Augenärzte, sechs Orthopäden, vier Hals-Nasen-Ohrenärzte und ein Nuklearmediziner angesiedelt.

Neben dem Krankenhaus liegen die meisten Praxen zentral in der Innenstadt und sind damit auch mit dem Stadtbus gut erreichbar. Im Neurott, im Langener Norden und auf dem Steinberg finden sich praktisch keine Adressen. Ähnlich ist es bei den 20 Zahnärzten, die ebenfalls überwiegend in der Kernstadt behandeln.

Eine Trumpfkarte für Langen ist die Asklepios Klinik Langen als Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung. Das Klinikum ist für die Akutversorgung von Patienten aus dem Kreis Offenbach zuständig. Es verfügt über eine Kapazität von 400 Betten und ist akademisches Lehrkrankenhaus der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main. Die zentrale Notaufnahme versorgt mehr als 20.000 Patienten pro Jahr. In dem Hospital waren im Oktober insgesamt 36 Ärzte beschäftigt, von denen zwölf als ambulante Kräfte in der Liste der Kassenärztlichen Vereinigung auftauchten. Im benachbarten Fachärztezentrum Langen gibt es zehn Praxen mit 31 Fachmedizinern aus unterschiedlichen Sparten. Alle stehen im KVH-Verzeichnis. „Auf jeden Fall tragen beide Einrichtungen in hohem Maße zum guten Niveau der medizinischen Versorgung in Langen bei“, betont Bürgermeister Gebhardt.

Die Ärztezahl ist das Ergebnis übergeordneter Vorgaben: Dazu gehören die Bedarfsplanung der Kassenärztlichen Vereinigung, der finanzielle Spielraum der Krankenkassen oder die Vergütungsverträge zwischen KVH. Eine Rolle spielen auch die aktuellen Trends im gesetzlichen Gesundheitswesen.

Die städtische Wirtschaftsförderung geht davon aus, dass heute aus Kostengründen vor allem Gemeinschaftspraxen, die auch Job-Sharing ermöglichen, in der Medizinwelt gefragt sind. Am besten liegen sie zentral im Stadtgebiet und sind barrierefrei. Im Zusammenspiel mit Investoren und Immobilieneigentümern versuche die Stadt, entsprechende Angebote für die Ärzteschaft zu finden und ihr Langen schmackhaft zu machen, meint Gebhardt. Letztendlich seien die kommunalen Einflussmöglichkeiten bei der Ausgestaltung der medizinischen Grundversorgung aber begrenzt. „Arztsitze werden eben innerhalb eines engen Spielraums nach einem festgelegten Schlüssel der KVH verteilt. Mit diesen von Dritten vorgegebene Rahmenbedingungen müssen wir vor Ort klarkommen“, bilanziert der Verwaltungschef.

Über den Bericht der städtischen Wirtschaftsförderung zur medizinischen Versorgung diskutiert der Ausschuss für Soziales, Kultur und Sport am Donnerstag, 23. Januar, 20 Uhr, im Rathaus.

 

 

 

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