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Rücksicht nehmen auf Schwächere

Änderungen für Radler nach Umbau von Bushaltestellen

11.10.2021

Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen, Ältere sowie Mütter oder Väter mit Kinderwagen können in der Bahnstraße künftig bequemer in den Linienbus einsteigen oder diesen verlassen: Der barrierefreie Ausbau der beiden Bushaltestellen an der Ludwig-Erk-Schule sowie der Halt „Luisenstraße Süd“ ist nahezu abgeschlossen. In den nächsten Tagen müssen noch Markierungen und Beschilderungen angebracht und im Fall der Haltestelle Luisenstraße das Wartehäuschen wieder aufgestellt werden.

Für Radfahrer allerdings bedeutet dies, dass sie ihre Gewohnheiten etwas umstellen müssen. Denn im Bereich der Haltestellen auf der Südseite der unteren und mittleren Bahnstraße fahren sie künftig besser auf der Fahrbahn.

Bislang war es Usus, dass Radler in der unteren Bahnstraße sowie entlang der Romorantin- und Long-Eaton-Anlage auf dem Seitenstreifen unterwegs waren und dann direkt durch die Bushaltestellen fuhren. „Das war auch bisher schon ein Zustand mit Konfliktpotenzial, speziell wenn Radfahrer und wartende ÖPNV-Nutzer vor dem Pavillon in der Bahnstraße 42 aufeinandertrafen“, sagt Erster Stadtrat Stefan Löbig. „Besonders beim Eintreffen des Busses kam es immer wieder zu kritischen Situationen.“

Durch den Umbau sind die Bushaltestellen inzwischen eindeutig als solche zu erkennen. Sogenannte Kasseler Sonderborde erleichtern allen, die nicht so gut zu Fuß sind, das Einsteigen in den Bus. Blindenleitelemente (taktile Platten mit Rippen und Noppen) führen Menschen mit Sehproblemen zur Einstiegsstelle.

Die Benutzungspflicht des Radweges auf der Südseite der Bahnstraße wurde aufgehoben, die entsprechenden Schilder sind entfernt worden. Radler fahren damit nicht mehr automatisch in den Wartebereich der Bushaltstellen hinein. „Wir geben ihnen so die Möglichkeit, auch auf der Straße zu fahren. Das hat den Vorteil, dass sie besser vom Kfz-Verkehr wahrgenommen werden und zudem der Konflikt im Haltestellenbereich umgangen wird“, erläutert Stefan Löbig. „Aber natürlich haben alle Radler und damit speziell Kinder und unsichere Fahrer die Möglichkeit, den Gehweg sowie den Seitenstreifen der Grünanlage weiter zu benutzen. Allerdings müssen sie dabei entsprechend Rücksicht auf Fußgänger nehmen.“ An der Haltestelle „Ludwig-Erk-Schule Süd“ wird noch eine spezielle Beschilderung angebracht: Diese Bereiche werden zum Gehweg mit dem Zusatz „Radfahrer frei“, womit diese zu ganz besonderer Achtsamkeit verpflichtet sind.

Etwas unglücklich ist es, dass die rote Pflasterung den Seitenstreifen in der Wahrnehmung vieler Menschen immer noch als benutzungspflichtigen Radweg erscheinen lässt. „Das gleiche Problem haben wir ja auch in dem Bereich der Bahnstraße zwischen Zimmerstraße und Lutherplatz, wo die Hälfte des Gehwegs entsprechend gepflastert ist, obwohl das schon sehr lange kein Radweg mehr ist und Radler die Fahrbahn benutzen sollten“, sagt der Erste Stadtrat. „Nur leider lassen es die finanziellen Möglichkeiten der Stadt nicht zu, dass wir das ansonsten noch intakte rote Pflaster austauschen. Aber die Farbe hat nichts zu sagen – im Gegensatz zu Schildern. Und nur dort, wo ein Radweg-Schild angebracht ist, fahren Radler auch auf solchen.“ Die Überreste von Radfahrer-Piktogrammen, die auf den Gehwegen noch schemenhaft zu erkennen sind, haben ebenfalls keinerlei rechtliche Bedeutung. 

Stefan Löbig ist sich aber sicher, dass sich die neue Situation für die Radfahrer einspielen wird: „Im Augenblick ist es noch ungewohnt. Und letztlich hilft immer, was eigentlich selbstverständlich nicht nur im Straßenverkehr sein sollte: gegenseitige Rücksichtnahme, vor allem auf Schwächere.“

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