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RTW soll bis Langen fahren

Magistrat setzt alle Hebel für Verlängerung nach Süden in Bewegung

16.04.2018

Sie findet allgemein Beifall, soll zusätzliche Pendler auf die Schiene bringen und weniger Autos auf die überlasteten Straßen rund um Frankfurt: Die geplante Regionaltangente West (RTW) als direkte Verbindung zwischen dem Hochtaunuskreis, dem Main-Taunus-Kreis, Frankfurt Höchst, dem Flughafen Frankfurt und dem Kreis Offenbach hat das Zeug dazu, eine große Nummer innerhalb des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) im Rhein-Main-Gebiet zu werden. Doch es gibt aus Sicht der Stadt Langen einen entscheidenden Fehler: Die Trasse endet im Süden bereits am Bahnhof Dreieich-Buchschlag. „Bis zu uns fehlen noch drei Kilometer und für die wollen wir uns mit allen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten einsetzen“, betont Erster Stadtrat Stefan Löbig und unterstreicht damit den Willen der Stadtverordnetenversammlung, die RTW in die Stadt zu holen.

Im Zuge der „frühen Öffentlichkeitsbeteiligung“ hat der Magistrat jetzt eine Stellungnahme an die RTW-Planungsgesellschaft in Frankfurt geschickt. Es geht dabei um den Abschnitt, der den Verlauf von Kelsterbach bis Buchschlag beinhaltet. Der Magistrat macht in dem Schreiben deutlich, dass es technisch kein Hindernis ist, die neue Linie bis zu den beiden Haltepunkten Flugsicherung und Bahnhof Langen fahren zu lassen.

Zuvor hatte die Stadt auf eigene Kosten und in Abstimmung mit dem Kreis Offenbach, der als Gesellschafter die Kreiskommunen in der Planungsgesellschaft vertritt, eisenbahnbetriebswissenschaftliche Untersuchungen und eine Machbarkeitsstudie für die Anbindung von Langen in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse sind der Stellungnahme beigefügt und sprechen nach Löbigs Worten eine klare Sprache.

Demnach ist kein zusätzliches Gleis für Langen erforderlich, was mit hohen Kosten verbunden wäre und weswegen Langen bei der ursprünglich Planung aus dem Jahr 2003 aus dem Rennen genommen wurde. Vielmehr ist es machbar, die RTW auf den vorhandenen S-Bahn-Gleisen zu den beiden Stationen im Süden zu verlängern, ohne das bestehende oder künftige Fahrpläne durcheinandergeraten würden. Erforderlich wären allerdings ein zusätzlicher Bahnsteig im Langener Bahnhof und Arbeiten an den Gleisen in Neu-Isenburg. In Buchschlag wäre ein Umstieg in die Dreieichbahn auf dem gleichen Bahnsteig nicht möglich, was aber auch der aktuellen Planung entspricht.

Nach Löbigs Worten würde die RTW-Weiterführung nach Langen nach derzeitigem Stand 15 Millionen Euro kosten. Dem stünden sieben Millionen Euro an Einsparungen gegenüber, da eine Gleisunterführung in Höhe von Neu-Isenburg dann nicht mehr nötig wäre. Doch neben den Investitionskosten gibt es noch einen anderen Blickwinkel: Langen wächst, Bevölkerung und Arbeitsplätze nehmen zu, viele sind am Flughafen tätig. Und über den Regionalbahnhalt, über den weder Buchschlag noch Neu-Isenburg verfügen, können Fahrgäste aus Richtung Darmstadt und Heidelberg problemlos umsteigen. Da kommen unterm Strich viele potenzielle Fahrgäste zusammen, zumal die RTW praktisch mitten in der Stadt und im Wirtschaftszentrum andocken würde und nicht außerhalb oder am Rand wie anderswo.

Dass all dies das neue ÖPNV-Angebot wirtschaftlicher macht, steht für Löbig außer Frage. Nachweisen soll das jetzt eine Nutzen-Kosten-Untersuchung, die die Stadt bei einem renommierten Planungsbüro in Auftrag gegeben hat und die noch vor den Sommerferien vorliegen dürfte. Dabei geht es nicht nur um zusätzliche Einnahmen aus dem Fahrscheinverkauf, sondern auch um den volkswirtschaftlichen Nutzen eines besseren Personennahverkehrs, der den Staus auf den Straßen entgegenwirkt.

Um keine Zeit zu verlieren, hat der Magistrat in seiner Stellungnahme an die RTW-Planungsgesellschaft nicht nur vorsorglich die Weiterführung nach Langen in die Planfeststellungsunterlagen beantragt. Er hat zudem bei dem für die Strecke zuständigen Ingenieurbüro eine entsprechende Umplanung in Auftrag gegeben. Auch dafür hatte das Parlament das Geld zur Verfügung gestellt. Insgesamt belaufen sich die Ausgaben für die städtischen Initiativen bisher auf rund 80.000 Euro.

„Für uns ist der Zug längst nicht abgefahren. Dank des engagierten Einsatzes der Stadtverordnetenversammlung können wir jetzt noch die Weichen für unseren RTW-Anschluss stellen“, erklärte Löbig. Er geht davon aus, dass die Akteure dem Langener Wunsch folgen und eine konstruktive Lösung gefunden wird, die das Planfeststellungsverfahren, das noch in diesem Jahr eingeleitet werden soll, nicht verzögert.

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