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Neue Pläne für Oberlindens Mitte

Reihenhäuser und Kita sollen marodes Einkaufszentrum ersetzen

11.05.2022
Einkaufszentrum Oberlinden
Geht es nach den neuen Plänen für das Areal des alten Einkaufszentrums in Oberlinden, passt die künftige Bebauung optimal zum ursprünglichen Konzept des Stadtteils. Grafik: ap88 Architekten

Passanten und Anwohner könnten meinen, das ehemalige Einkaufszentrum Oberlinden in Langen fällt in die Kategorie „vergessene Orte“: Lange geschlossene Läden, Unkraut zwischen den Fugen der Betonplatten und gespenstische Stille in den Abendstunden empfangen urbane Entdecker, die zwischen Farn- und Anemonenweg unterwegs sind.

Das Areal, das bei der Eröffnung in den 60er-Jahren als lebendiges Stadtteilzentrum gedacht war, liegt seit dem Wegzug des hiesigen Supermarktes 2010 im Dornröschenschlaf. Kleinere Geschäfte und ein Gastronomiebetrieb hielten wacker die Stellung, eine echte Reaktivierung scheiterte aber leider bisher stets. Im Gedächtnis der Stadtplaner ist das Areal allerdings nicht vergessen, sondern allgegenwärtig. Nachdringlich versucht die Stadt seit Jahren durch Gespräche mit Eigentümern und Investoren wieder Leben in die Mauern zu bringen. Jetzt stehen die Chancen richtig gut, dass genau das gelingt. Nötig dafür ist die Aufstellung eines Bebauungsplans, den der Magistrat schnellstmöglich zur Beschlussreife bringen möchte.

Im Jahr 2012 kam stadtplanerisch Bewegung in Oberlindens Mitte. Der Grundstückseigentümer, ein Frankfurter Unternehmer, hatte Interesse an der Entwicklung des Einkaufszentrums und die Stadt brachte eine Änderung des ursprünglichen Bebauungsplans von 1958 auf den Weg, mit der die Errichtung moderner Wohnungen über der alten Bausubstanz, kleinere Läden und Gastronomie zwischen Farn- und Anemonenweg möglich sein sollte. Es folgten zahlreiche Verhandlungen mit Grundstückseigentümern und ein umfangreiches Mediationsverfahren mit Anwohnern, die unter anderem Sorge hatten, eine Aufstockung der bestehenden Gebäude im Einkaufszentrum würde zur Verschattung und Wertminderung der dahinterliegenden Reihenhäuser führen. Im Sommer 2016 waren schließlich alle Vorbereitungen abgeschlossen und die letzten strittigen Punkte geklärt. Der Bebauungsplan „Wohngebiet Oberlinden – Stadtteilzentrum“ wurde von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen. Der Frankfurter Investor unterzeichnete einen städtebaulichen Vertrag, in dem er sich zur Übernahme der Planungs- und Erschließungskosten verpflichtete. Zu einer Umsetzung oder einem Bauantrag kam es in der folgenden Zeit trotz stetigem Dialog der Stadt mit dem Eigentümer nicht und die leerstehenden Immobilien verfielen weiter.

Ein weiterer Eigentumswechsel bringt nun den erhofften Schwung in die Sache. Ein Langener Immobilien-Entwickler – die LIG Bau, die aktuell auch den Advancis Campus schlüsselfertig erstellt - hat den nördlichen Teil des Gesamtareals erworben und das Konzept für das ehemalige Einkaufszentrum gemeinsam mit den Fachleuten in der Stadtverwaltung neu durchdacht. Übernommen hat die Firma auch die Pflichten aus dem städtebaulichen Vertrag. Abstand nehmen die Beteiligten von der Idee, Ladengeschäfte und Gastronomie anzusiedeln.

„Die Unterbringung eines Lebensmittelmarktes ist hier leider unrealistisch, weil sich dafür in über einem Jahrzehnt kein Betreiber gefunden hat. Ich selber habe als Kind den Schade Markt im EKZ noch erlebt, aber ein Supermarkt ist an diesem Ort leider nicht marktfähig“, erläutert Bürgermeister Jan Werner die Kursänderung. Der Standort entspräche nicht den heutigen Anforderungen der Betreiber an Flächen- und Parkplatzbedarf sowie Sichtbarkeit und Frequentierung. Das neue Konzept sieht eine zentrale Grünfläche, umrahmt von 16 Reihenhäusern in Nachbarschaft eines drei- bis viergeschossigen Wohnhauses mit Kindertagesstätte im Erdgeschoss vor. Für ausreichend Parkmöglichkeiten würde eine Tiefgarage mit Zufahrt über den Anemonenweg sorgen. Dort befinden sich neben den für die Neubauten vorgeschriebenen Plätze auch die 15 zusätzlichen Stellplätze, die den Anwohnern bereits mit dem vorherigen Eigentümer im städtebaulichen Vertrag zugesichert wurden.

„Mit der jetzt angedachten Planung für diese zentrale Fläche erhalten wir den baulichen Charakter der Siedlung und haben die Gelegenheit eine weitere, dringend benötigte Kinderbetreuungseinrichtung in Oberlinden zu etablieren,“ betont Bürgermeister Jan Werner. Die zeitgemäße Neubebauung sei ein Gewinn für den 65 Hektar großen Stadtteil, der vor über 60 Jahren am Reißbrett entstand und durch großzügige Grünanlagen geprägt ist.

Die Siedlung war seinerzeit die größte ihrer Art in Deutschland und bietet mit Reihenhäusern, Bungalows, Hochhäusern und Gebäuden mit Sozial- und Eigentumswohnungen rund 4.000 Menschen eine Heimat. Im Dezember 1961 nahmen die ersten Einwohner am Forstring ihre Schlüssel entgegen. Heute ist Langen-Oberlinden ein beliebtes Wohngebiet mit zwei Schulen, drei Kitas und dem für den Vereinssport der 40.000-Einwohner Kommune bedeutendem „Sportpark Oberlinden“, der in naher Zukunft mit Fördermittel zu einem noch funktionalerem und modernen Sport- und Freizeitzentrum umgestaltet werden soll.

Nachdem der Magistrat sich bereits für die Aufstellung des Bebauungsplans mit der Nummer „17.I.2“ ausgesprochen hat, wird am Mittwoch, 29. Juni, im Ausschuss für Umwelt, Bau und Verkehr darüber diskutiert, bevor die Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag, 21. Juli, abstimmt.

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