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Langen nach dem Krieg nach vorne gebracht

Magistratsoberrat Wilhelm Kömpel mit 97 Jahren gestorben

10.03.2017
Wilhelm Kömpel
Wilhelm Kömpel ✝

Er war ein Mann der ersten Stunde und ein „Hans Dampf in allen Gassen“, um den die Stadt Langen jetzt trauert: Am Dienstag (7. März) ist der ehemalige Leiter des Amtes für öffentliche Ordnung, Wirtschaft und Verkehr, Magistratsoberrat Wilhelm Kömpel, gestorben. Er wurde 97 Jahre alt. An seinem 85. Geburtstag wurde er für seine Verdienste mit der goldenen Ehrenplakette der Stadt Langen ausgezeichnet. Kaum ein Mann dürfte in der Nachkriegszeit so viele Spuren hinterlassen haben wie Wilhelm „Willi“ Kömpel. 

Der gebürtige Egelsbacher absolvierte dort in den dreißiger Jahren eine Verwaltungsausbildung. Nach Kriegsende und Gefangenschaft kam er 1945 ins Langener Rathaus und hat mit großem Engagement und Verantwortungsbewusstsein daran gearbeitet, eine funktionierende demokratische Verwaltung aufzubauen. Bis zu seiner Verabschiedung im Jahr 1979 hat er die Geschicke der Stadt maßgeblich mitbestimmt. Bekannt war er für seinen Ideenreichtum, seinen Humor und für sein Verhandlungsgeschick.

Vieles, was in Langen geschaffen wurde, trägt Kömpels Handschrift. Ein ganz wichtiger Abschnitt seines Wirkens waren die fünfziger Jahre – die Zeit des großen Aufbruchs - auch in Langen. In dieser Entwicklungsphase war er von 1952 bis 1956 Erster Stadtrat. Der Bauboom in Langen ist zu großen Teilen ihm geschuldet. Ohne Kömpel wäre die Wohnstadt Oberlinden womöglich nicht entstanden. Er überzeugte damals die Stadtverordneten von der Notwendigkeit, Wohnraum – vor allem auch für Flüchtlinge und Heimatvertriebe - zu schaffen. Zugleich war er der Motor für den Bau des Landesflüchtlingslagers.

Erschließung und Bebauung des Neurott, die Errichtung des Gymnasiums an der Goethestraße, die Modernisierung der Energie- und Wasserversorgung, der Bau des Klärwerks oder die Ansiedlung von Gewerbe und Industrie wie Pittler, Monza oder Voigt & Häffner – Kömpel war enorm umtriebig. Auch den Waldsee zum einem Erholungs- und Freizeit-Eldorado zu gestalten, war seinem Einsatz zu verdanken und selbst für die in den neunziger Jahren realisierte S-Bahn hat er schon frühzeitig die Weichen gestellt.

Innerhalb der Verwaltung konzipierte Wilhelm Kömpel neue Aufgabenfelder, die durch das Wachstum Langens erforderlich wurden wie Kultur, Sport, Wirtschaft, Verkehr und Jugendförderung. Er war darüber hinaus Schiedsmann und vertrat die Stadt in Kommissionen. Als Standesbeamter schloss er rund 1.300 Ehen. Überdies betätigte er sich als Chronist und schilderte die Entwicklung der Stadt beispielsweise in dem Werk „Langen – Werden und Wachsen“. Langens

Nun könnte man glauben, wer so viel arbeitet, wolle in seiner Freizeit seine Ruhe haben. Doch Kömpel widmete sich lieber dem Langener Vereinsleben. Von 1963 bis 1970 war er Vorsitzender des Verkehrs- und Verschönerungsvereins (VVV). Er kümmerte sich um die Gestaltung des Mühltals zu einem Naherholungsgebiet, organisierte die Mühltalkonzerte, die Alte-Bürger-Ehrung und eine Spendenaktion für 200 Ruhebänke. Die Weihnachtsbeleuchtung geht ebenfalls auf ihn zurück. Kömpel war außerdem mehrerer Jahre Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Verkehrs-Vereine des Westkreises Offenbach. An der Planung und dem vorgezogenen Bau der Autobahn 661 hatte er entscheidenden Anteil. Als VVV-Vorsitzender leitete er die Gründung des Fördererkreises für europäische Partnerschaften in die Wege und setzte sich für die Verschwisterung mit Romorantin in Frankreich ein.

Als passionierter Angler gründete Kömpel den Angelsportverein. Darüber hinaus war er Gründungsmitglied des Ortsverbandes Langen-Egelsbach der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Kein Wunder, dass er auch in der Politik mitmischte. 1946 trat er in die SPD ein, arbeitete im Vorstand und leitete die Geschicke der Langener Sozialdemokraten zeitweise als Vorsitzender.  

Als Mann des Sports galt seine Liebe von Kindheit an dem Fußball. Als Elfjähriger fing er damit an und mit 47 Jahren hörte er auf. Stets setzte er sich für den Bau von Sportstätten wie zum Beispiel des SSG-Freizeit-Centers ein. Zudem gilt er als „Vater“ des Waldstadions Oberlinden.

„Wir verlieren mit Wilhelm Kömpel einen Menschen, dem unsere Stadt unglaublich viel zu verdanken hat. Ohne Persönlichkeiten wie ihn wäre die erfolgreiche Entwicklung Langens nach dem Zweiten Weltkrieg nicht möglich gewesen“, sagt Bürgermeister Frieder Gebhardt.

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