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Kakofonie der Laubbläser

Nach Beschwerden über Lärm: Stadt weist auf eingeschränkte Betriebszeiten hin

22.10.2020
Kind im Laub
Sie fallen wieder, die Blätter. Wo sie auf Wegen liegen, müssen sie entfernt werden. Am besten geht das mit Besen, Rechen und Harke. Das kann sogar Spaß machen. Die weit verbreiteten Laubbläser dagegen gefährden Natur und Gesundheit. Foto: Pexels.com/Polesie Toys

Kaum färbt sich auf den Bäumen das Laub, kaum fallen die ersten Blätter zu Boden, erklingt sie, die Kakofonie der Laubbläser. Längst nicht mehr nur professionelle Hausmeisterservice- und Landschaftsgärtnereibetriebe, sondern auch viele Privatleute nutzen diese Möglichkeit, um ohne große körperliche Anstrengung dem Herbstlaub Herr zu werden. Oft allerdings sorgt das für Verärgerung bei Nachbarn, die sich über den enormen Lärm aufregen. Und gut für die Natur ist es auch nicht.

Etliche Beschwerden speziell aus Oberlinden veranlassen die Stadt nun dazu, auf die rechtlichen Voraussetzungen hinzuweisen – und dabei speziell darauf, dass die Laubbläser und ähnliche Geräte nur zu bestimmten Tageszeiten eingesetzt werden dürfen. Diese unterscheiden sich deutlich von den erlaubten Betriebszeiten anderer Maschinen.

Bereits seit September 2002 regelt die 32. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung, kurz 32. BImSchV), wann was erlaubt ist. 7 bis 20 Uhr, das sind die Zeiten, an denen werktags (Montag bis Samstag) Rasenmäher, Motorsägen, Hockdruckreiniger und andere Geräte betrieben werden. Für Rasentrimmer, Freischneider, Graskantenschneider, Laubbläser und Laubsauger allerdings gelten deutliche Einschränkungen. Denn sie dürfen werktags nur zwischen 9 und 13 sowie 15 und 17 Uhr eingesetzt werden. Es sei denn, sie haben ein spezielles Umweltzeichen, das sie als besonders leise ausweist. Sonntags müssen alle Maschinen ruhen.

Diese Regelungen gelten ausschließlich in reinen Wohngebieten, dort aber für jeden. „Das heißt, sowohl Privatleute als auch gewerbliche Betreiber müssen sich daran halten“, sagt Erster Stadtrat Stefan Löbig.

Grundsätzlich gilt, dass der Hauseigentümer (oder der Mieter, falls dies vertraglich vereinbart ist) für die Beseitigung des Laubs auf und rund um sein Grundstück verantwortlich ist. Ein Grund dafür ist die Verkehrssicherungspflicht: Rutscht ein Passant, der Briefzusteller oder der Paketbote auf nassen Blättern aus, kann er Schmerzensgeld und Schadensersatz fordern. Dabei ist es unerheblich, ob das Laub vom eigenen Besitz, von einem Baum in Nachbars Garten oder aus einer öffentlichen Grünanlage stammt.

Die umweltfreundlichste Methode, das Herbstlaub zu entfernen, ist dabei immer der Einsatz von Besen, Rechen und Harke. Denn die Laubbläser sorgen mit Schallpegeln von über 100 Dezibel (schon ab 85 Dezibel kann es bei Dauerbelastungen zu Hörschäden kommen) nicht nur für Lärm. Benzinbetriebene Modelle verpesten die Luft. Zudem schädigen Laubsauger und -bläser die Natur, indem Kleinstlebewesen getötet oder ihnen Nahrung und Lebensraum entzogen werden. Dies wiederum wirkt sich negativ auf größere Tiere wie Vögel, Igel und Ähnliche aus.

Allerdings ist es schwierig, gerade in größerem Umfang Laub allein durch den Einsatz von Muskelkraft zu beseitigen. So setzen gerade Hausmeisterdienste auf maschinelle Hilfe. Und auch die Mitarbeiter der Kommunalen Betriebe Langen (KBL), die auf öffentlichen Flächen für die Verkehrssicherheit sorgen, nutzen sie. Allerdings mit Bedacht, wie KBL-Betriebsleiter Manfred Pusdrowski erklärt: „Bei uns werden nur besonders lärm- und abgasarme Geräte genutzt, ihr Einsatz wird auf ein Mindestmaß beschränkt. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden zu einem sensiblen Gebrauch der Maschinen angehalten und halten die vorgeschriebenen Betriebszeiten genau ein.“

Die Entsorgung des aufgesammelten Laubs hat im Übrigen über den eigenen Komposthaufen, die Biotonne oder den Wertstoffhof zu erfolgen. Die Blätter von Nachbars Baum einfach bei diesem aufs Grundstück zu kippen oder das Herbstlaub in eine Grünanlage oder den Wald zu werfen, ist verboten.

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