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Ein sportliches Konzept für Langen

Magistrat legt Sport- und Sportstättenentwicklungsplan vor

11.10.2019

Zwölf Sporthallen, sechs Gymnastikräume, ein Kraftsportzentrum und neun Fußballfelder gibt es derzeit in Langen für knapp 39.000 Einwohner. Ob das auch in Zukunft ausreicht, hat ein Beratungsunternehmen jetzt im Auftrag der Stadt analysiert und bewertet. Heraus gekommen ist ein Sport- und Sportstättenentwicklungsplan, der als richtungsweisende Grundlage für die künftige Infrastruktur vor Ort dienen soll.

Die Ausarbeitung entstand in enger Zusammenarbeit mit allen Langener Sportvereinen, den Schulen und dem Landessportbund Hessen und zeigt: Langen ist sportlich aktuell gut aufgestellt und es gibt vielversprechende Perspektiven für die kommenden Jahre, in denen die Kommune durch neu ausgewiesene Baugebiete um etwa 4.000 Einwohner wachsen könnte.

Auf gut 100 Seiten klärt das Konzeptpapier des Stuttgarter Instituts für Kooperative Planung und Sportentwicklung die Frage nach Flächen und Räumen, die für sportliche Aktivitäten genutzt werden können. Dazu haben die Experten praxisnahe Ideen gesammelt, die Schul- und Vereinssport besser vernetzen und die öffentlichen Bewegungsräume, wie Wald- und Freiflächen in der Stadt, künftig besser einbeziehen. Natürlich unter Berücksichtigung natur- und artenschutzrechtlicher sowie lärmschutztechnischer Belange.

Fazit des Gutachtens: Die Stadt Langen hat vor allem wegen der steigenden Schülerzahlen einen wachsenden Bedarf an Hallen für den Schulsport. Dieser könnte aktuell durch drei Halleneinheiten mit jeweils 15 mal 27 Metern gedeckt werden, bis zum Jahr 2030 wären aber nach den Prognosen drei weitere Halleneinheiten nötig. Durch den Neubau einer Ein-Feld-Halle an der künftigen Grundschule im Langener Norden und die jetzt vorgelegten Pläne für die nahe Umgebung der Schulen an Zimmerstraße und Berliner Allee könnten die Kommune und der Kreis Offenbach als Schulträger mit der Bevölkerungsentwicklung Schritt halten. Der Vereinssport wäre damit ebenfalls sehr gut versorgt und hätte ausgezeichnete Perspektiven. Für Sportplätze und Außensportanlagen gibt es, so eine weitere Feststellung des Sportentwicklungsplanes, in Langen bereits auskömmlich Flächen – sie müssten aber optimiert und belastbarer gestaltet werden.

Große Pläne haben die Beteiligten für den Sportpark Oberlinden am südwestlichen Stadtrand. In diesem Jahr noch soll, so auch eine Vorgabe der Stadtverordnetenversammlung, der Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan „Sportpark Oberlinden“ gefasst werden. Mit den Ideen der Projektgruppe im Gepäck kann dann die inhaltliche Arbeit am Bebauungsplan zügig vorangebracht werden, um die Georg-Sehring-Halle, die Gelände des Turnvereins 1862 Langen e.V., des 1. Fußball-Club Langen 1903 e.V. und des Tennis-Klubs Langen 1906 e.V. zu modernisieren, besser zu strukturieren und nachhaltig nutzbar zu machen Geht es nach dem Beratungsunternehmen und der Projektgruppe soll dort - anstelle der maroden Sehring-Halle - eine wettkampftaugliche, teilbare Sporthalle mit drei Feldern und Tribüne für die Vereine und Schulen entstehen. Überdies stehen ein Sportkindergarten in Trägerschaft des Turnvereins und ein Sportvereinszentrum auf der Liste der Projekte im Sportpark der Zukunft.

„Alle Erkenntnisse und Ideen aus dem Sport- und Sportstättenentwicklungsplan fließen in die Arbeit an dem Bebauungsplan ein. Alles muss auf Machbarkeit geprüft werden“, sagt Joachim Kolbe, verantwortlicher Fachbereichsleiter für Stadtentwicklung, Wirtschaft, Kultur und Sport im Rathaus. Außerdem bedürfe es fundierter Planungen und Kostenschätzungen für die einzelnen Bauvorhaben, bevor dann die Finanzierung der Investitions- und Betriebskosten zu klären sei. „Das gilt natürlich für sämtliche Vorschläge der Projektgruppe“, betont Kolbe. Allen Beteiligten sei völlig klar, dass sich die Maßnahmen nur Schritt für Schritt und über einen Zeitraum von womöglich einem Jahrzehnt und mehr verwirklichen lassen. Das jetzt vorliegende Gesamtkonzept sorge aber dafür, dass die kommunale Sportpolitik insgesamt einer abgestimmten Strategie folge.

Manches geht aber auch schon sehr schnell: Der in die Jahre gekommene Kunstrasenpatz auf dem Gelände des FC Langen wird in den kommenden Monaten von der Stadt Langen und mit finanzieller Unterstützung des Landes Hessen saniert. Nicht mit dem umstrittenen Kunststoffgranulat, sondern ganz herkömmlich mit Sand, der den Rasenteppich schützt und für Stabilität sorgt. Geprüft werden soll laut Entwicklungsplan, ob die Sportanlage der Fußballer durch ein weiteres Spielfeld mit allwettertauglichem Belag ergänzt werden kann.

Eine weitere Sofortmaßnahme: Die 400-Meter-Aschebahn im Waldstadion wird vom Turnverein Langen selbst für eine Übergangszeit Instand gesetzt. Die Stadt Langen hilft dabei mit einem Zuschuss von 9.000 Euro. Laut Entwicklungsplan soll die Laufbahn nicht nur dauerhaft erhalten bleiben, sondern womöglich durch eine modellierte Geländelaufstrecke auf bis zu 1.000 Meter erweitert werden. Auf der Wunschliste der Planer stehen außerdem eine Freilufthalle, die für Veranstaltungen der Schulen und Vereine genutzt werden kann, eine dauerhafte Überdachung von Plätzen auf dem Areal des Tennisklubs und die Umgestaltung der Berliner Allee zur verkehrsberuhigten Begegnungszone in Höhe des Sportparks.

Geht es um den Innenstadtbereich hat die Projektgruppe vor allem das Gebiet an der südlichen Zimmerstraße im Blick. Hier – in unmittelbarer Nachbarschaft zu Adolf-Reichwein-, Erich-Kästner-, Janusz-Korczak-Schule und dem Gelände der Sport- und Sänger-Gemeinschaft Langen 1889 e. V. (SSG) - könnte im kommenden Jahrzehnt eine drei bis vier Felder große Sporthalle zur gemeinschaftlichen Nutzung entstehen. Und in diese Halle, so ein weiteres Gedankenspiel, könnte das Kraftsportzentrums (Zimmerstraße 1) umziehen. Der Ludwig-Erk-Schule stünden dann dringend benötigte Flächen zur Entwicklung zur Verfügung. Der Kunstrasenplatz im SSG-Sport- und Freizeitcenter an der Rechten Wiese erhält im kommenden Jahr ebenfalls einen neuen Belag; den Auftrag dafür hat die Stadt Langen jüngst erteilt.

Die grundlegende Sanierung der vorhandenen 400-Meter-Kunststofflaufbahn sollte nach Überzeugung aller Mitglieder der Projektgruppe in naher Zukunft auf die Tagesordnung gerückt werden, um die wichtige Leichtathletikanlage auf Dauer zu erhalten. Denkbar sei auch die Ergänzung mit einer Hochsprunganlage. Anliegen der Sport- und Sängergemeinschaft ist überdies, dass der alte Hartplatz möglichst bald einer zweiten Kunstrasenfläche weicht. Wie auch im Sportpark Oberlinden schlagen Gutachter, Stadtplaner und die Projektgruppe eine verkehrsberuhigte Begegnungszone zwischen Schul –und Sportgelände an der Zimmerstraße vor.

Vom Gutachten profitieren könnte auch der Roll –und Eissportclub Langen. Für ihn empfehlen die Fachleute eine Überdachung der Rollsportfläche in Nachbarschaft zum Freibad, damit die Hockeyspieler künftig auch bei schlechtem Wetter und in der kalten Jahreszeit trainieren können.

Zentraler Bestandteil des Sportentwicklungsplans ist die bessere Vernetzung und Verzahnung der 27 Sportvereine mit ihren über 8.000 Mitgliedern. In enger Zusammenarbeit mit der Stadt könnten sie künftig in einem online zugänglichen Hallenbelegungsplan transparent machen, welche Gruppen wann und wo ihrem zumeist schweißtreibenden Hobby nachgehen. Eine andere Idee der Planer geht noch weiter: In einem eigenständigen Servicebüro könnten alle Langener Sportvereine administrativen Aufgaben gemeinsam erledigen und somit Synergieeffekte bei der Miete von Räumlichkeiten oder der Nutzung von Hard- und Software nutzen. Zum Konzept gehört ebenfalls die Einführung von elektronischen Schließanlagen, die den Schulen und Vereinen einfacher Zugang zu den Hallen ermöglichen und einen personal- und zeitintensiven Schließdienst ersetzen könnten.

„Die Stadt bekennt sich zu ihren Vereinen und möchte deren Rolle in der sozialen Stadtgesellschaft zukunftsfähig stärken“, gibt Kolbe zu Protokoll. Die Prioritäten lägen dabei ganz klar im Breitensport und der allgemeinen Gesundheitsförderung. Ganz unbürokratisch habe die städtische Bäder- und Hallenmanagement GmbH (BaHaMa) deshalb bereits auf eine erste Erkenntnis aus dem Sport- und Entwicklungsplan reagiert: Die Grundschulen in Langen und Egelsbach hatten einen größeren Bedarf an Schwimmzeiten im Langener Hallenbad angemeldet, deshalb stünden ihnen ab sofort zusätzliche Kapazitäten zur Verfügung.

Bürgermeister Frieder Gebhardt unterstützt die Forderungen im Sportentwicklungsplan und betont die Bedeutung für die gesamtgesellschaftliche Entwicklung. „Wir müssen frühzeitig auf die wachsende Einwohnerzahl und dem damit steigenden Bedarf reagieren, um ausreichend Bewegungsräume in Langen vorzuhalten.“ Eine Kommune ohne sportliche Infrastruktur ist nach Ansicht des Rathauschefs nicht denkbar, daher sei diese Komponente der Stadtentwicklung unverzichtbar und biete zahlreiche Chancen zur Verbesserung der Lebensqualität in der Stadt.

Die Kosten für die einzelnen Projekte im Sportstättenentwicklungsplan sind bislang noch nicht beziffert. Haushaltsrechtliche Belange, mögliche Kooperationen bei Bau- und Sanierungsprojekten und Fördergelder rücken in den Fokus der Planungen, sofern die Stadtverordnetenversammlung dem Konzept am 5. Dezember zustimmt. Vorher nehmen die Lokalpolitiker im Ausschuss für Soziales, Kultur und Sport (24. Oktober) und im Haupt- und Finanzausschuss (31. Oktober) das Papier unter die Lupe.

 

 

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