Aktuelles | Aktuelles Rathaus | Slider Startseite | Slider Wirtschaft

Chancen für die Bahnstraße nutzen

Magistrat möchte mit Landesmitteln zukunftsfähige Lösung suchen

08.11.2021
Stadtquartier Bahnstraße - Visualisierung
Mehr Aufenthaltsqualität in der Bahnstraße: Die Visualisierung zeigt, wie der Platz für gastronomische Angebote vor dem Rewe im neuen Stadtquartier aussehen soll.

Ideen und Pläne für eine Attraktivierung der Bahnstraße gab es in den vergangenen Jahrzehnten bereits etliche. Doch wie „Shared space“ oder die „Blütenträume“ und „Kirschenmäander“, wie Planer vor zehn Jahren ihre Vorschläge zum Stadtumbau tituliert hatten, verschwanden sie irgendwann wieder in der Schublade. An einigen Stellen der Einkaufsmeile, beispielsweise vor dem Kaufhaus Braun, am Kino oder vor der Volksbank, wurden Teilbereiche erneuert. Doch überwiegend präsentiert sich die Bahnstraße seit langer Zeit unverändert und wenig modern. Das möchte der Magistrat jetzt ändern und – wenn die Stadtverordnetenversammlung zustimmt – mit starker finanzieller Unterstützung durch das Land Hessen eine zukunftsfähige Lösung für den Bereich zwischen Zimmerstraße und Lutherplatz suchen.

Landauf landab sind die Innenstädte im Umbruch. Die Pandemie mit zwei Lockdowns hat die auch davor schon schwierige Situation für den Einzelhandel noch weiter verschärft. „Gleichzeitig wurde die herausragende Bedeutung des öffentlichen Raums, der Plätze und Grünflächen für den sozialen Zusammenhalt der Stadtgesellschaften mehr als deutlich und die Einsicht rückte wieder ins Bewusstsein, dass es die Stadtzentren sind, die das Lebensgefühl, das Selbstverständnis, die Eigenwahrnehmung und das Selbstbewusstsein der Einwohnerinnen und Einwohner maßgeblich prägen“, sagt Joachim Kolbe, städtischer Fachbereichsleiter unter anderem für Wirtschaft und Stadtentwicklung. „Gerade auch deshalb will das Land Hessen die Kommunen unterstützen und, weil es keine Gewissheiten und Patentrezepte gibt, mit einem weitgefassten Programm neue Ideen, Versuche, Studien und unkonventionelle Projekte schnell möglich machen.“

„Wir haben uns für das Förderprogramm ,Zukunft Innenstadt‘ beworben, weil wir fest daran glauben, dass die Bahnstraße eben dieses hat: eine Zukunft“, sagt Bürgermeister Jan Werner. „Und wir sind stolz und froh, dass wir von der Landesregierung ausgewählt wurden und nun die Höchstsumme von 250.000 Euro zur Verfügung gestellt bekommen haben.“ Die Stadt Langen muss einen zusätzlichen Eigenanteil von rund 44.000 Euro, verteilt über drei Jahre, beitragen. „Diese insgesamt knapp 300.000 Euro wollen wir nutzen, um Ideen zu entwerfen und auszuprobieren. Und das in enger Abstimmung mit allen Beteiligten und Betroffenen und absolut ergebnisoffen nach allen Seiten“, stellt Jan Werner heraus.

Die obere Bahnstraße befindet sich durch drei große Bauprojekte bereits in einem gravierenden Umbauprozess. „Diese Baustellen werden von vielen Bürgerinnen und Bürgern als lästig empfunden. Aber sie zeigen eines: Es wird in die Langener Innenstadt investiert“, betont der Bürgermeister. „Und die Geldgeber glauben wie wir auch daran, dass die Bahnstraße Zukunft hat.“

Fakt ist: Noch mindestens 18 Monate wird die obere Bahnstraße Einbahnstraße sein, denn so lange werden zumindest die Bauarbeiten am Projekt BaLu nahe dem Lutherplatz noch andauern. „Die Einbahnstraßenregelung hat sich als praktische und funktionstüchtige Lösung erwiesen und sie findet, so ergaben stichprobenartige Befragungen von Anliegern durch die Wirtschaftsförderung, breite Akzeptanz und viel Wohlwollen“, sagt Joachim Kolbe. „Und wir möchten nun herausfinden, ob das eine Möglichkeit ist, den Einkaufsbereich dauerhaft zu stärken.“

Bereits im kommenden Frühjahr sollen der Rewe-Markt im Stadtquartier vis-a-vis der Zimmerstraße sowie die Rossmann-Filiale in der ehemaligen Post eröffnen. „Bis dahin sollen Einschätzungen, Vorstellungen, Bedenken und Anregungen durch eine Befragung von Akteuren ermittelt und Grundlagen für die Arbeit der Stadtverwaltung und der Citymarketing-Initiative geschaffen werden“, erläutert Joachim Kolbe den geplanten ersten Schritt. „Anschließend sollen Flächen in der oberen Bahnstraße bestimmt, geplant und geschaffen werden, die versuchsweise und vorübergehend für Verkauf, für Gastronomie, zum Verweilen oder für Bewegung, für Grünpflanzungen oder Fahrradständer genutzt werden können.“

Rewe beispielsweise hat keine Einwände gegen eine Einbahnstraße und an der Nutzung eines solchen Platzes für gastronomische Angebote reges Interesse. Somit könnte vor dem entstehenden Stadtpalais und dem Supermarkt eine recht große zusammenhängende Fläche geschaffen werden.

Auch an zwei oder drei anderen Stellen zwischen Zimmerstraße und Lutherplatz sollen die Umnutzung von Straßenraum versucht und Verbesserungen für den Fahrradverkehr erreicht werden. Geprüft werden soll insbesondere der Einsatz von Parklets (vorgefertigte, verschiebbare Module) und von Stadtmöbeln wie Bänken, Tischen, raumteilenden Objekten, Hochbeeten oder Pflanzkübeln auch für Bäume.

Im dritten Baustein soll der Stadtraum obere Bahnstraße, idealerweise auch der Bereich vor der Ludwig-Erk-Schule und bis hinein in die Romorantin- und Long-Eaton-Anlage „bespielt“ werden. Joachim Kolbe denkt dabei an temporäre Eingriffe wie Marktstände, Kunst und Bewegungsangebote, Installationen wie beispielsweise Projektionen sowie Inszenierungen mit den Möglichkeiten des Messebaus, des Theaters, der Eventmöblierungen sowie durch künstlerische und kulturelle Angebote in verschiedenen Konstellationen.

„Das Landesprogramm ,Zukunft Innenstadt‘ und die derzeit unvermeidliche Einbahnstraßen-Situation eröffnen die Chance, in einem Gemeinschaftsprojekt vieler Akteure für die Obere Bahnstraße in den kommenden zwei Jahren Ideen und Versuchsanordnungen zu entwickeln und auszuprobieren“, fasst Joachim Kolbe zusammen. „Es sollen keine Fakten geschaffen, Fehler sollen schnell korrigiert, Erfahrungen und Erkenntnisse gesammelt werden und Gutes später zu dauerhaften Umgestaltungen führen.“

„Am Ende werden wir die Ergebnisse und Meinungen aus neutraler Sicht bewerten und dann entscheiden, wie die Zukunft unserer Innenstadt aussehen soll“, sagt Bürgermeister Jan Werner. „Ich bin mir sicher, dass die Bahnstraße großes Potenzial hat. Nun ist es an uns, das Beste daraus zu machen.“

Damit die Stadt Langen den rechtsverbindlichen Bewilligungsbescheid des Landes bekommen kann, bedarf es noch eines Beschlusses der Stadtverordnetenversammlung. Diese wird am 2. Dezember darüber abstimmen, nachdem zuvor der Haupt- und Finanzausschuss am 16. November über das Thema diskutiert.

Zurück