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Bebauungspläne für Oberlinden brauchen Zeit

Charakter erhalten, aber Spielraum für Veränderungen

04.09.2017

Es ist ein Wohngebiet aus einem Guss, beliebt, ruhig und teils mit autofreien Wegen: Langens grüner Stadtteil Oberlinden geht langsam auf die 60 zu. Seine Bewohner haben sich verändert, ihre Wünsche ebenfalls. Längst ist die nächste Generation eingezogen. Vor allem junge Familien hätten gerne mehr Platz, auch für den zweiten oder dritten Wagen. In den vergangenen Jahrzehnten hat es vereinzelt Genehmigungen für Anbauten oder zusätzliche Stockwerke gegeben. Aktuell liegen diverse Anfragen auf dem Tisch der städtischen Bauverwaltung, die teils weit über die Festsetzungen der rechtskräftigen Bebauungsplanung hinausgehen. Der Magistrat will aber keinen Wildwuchs zulassen, sondern den Charakter der Wohnstadt erhalten – gewiss ganz im Sinne der meisten Oberlindener. Behutsame Veränderungen, die nicht den Maßstab sprengen, sollen allerdings ermöglicht werden.

Regeln will das der Magistrat mit drei neuen Bebauungsplänen, die grundsätzlich Spielraum für moderate Erweiterungen lassen. Zuerst kommt der westliche Teil von Oberlinden an die Reihe, weil in dem Bungalow-Viertel der Veränderungsdruck besonders groß ist. Die Arbeiten an dem neuen Regelwerk sind in vollem Gange. Das Ganze erweist sich nach den Worten von Bürgermeister Frieder Gebhardt als eine sehr anspruchsvolle Aufgabe. „Aktuell wird der Bestand erfasst und dann gilt es Wege zu finden, die vorhandene Bebauung bei der Zukunftsplanung angemessen zu berücksichtigen.“

Weil das Zeit braucht, empfiehlt der Magistrat, die noch bis Mitte Dezember geltende Veränderungssperre für das Gebiet zwischen dem Buchenhain und dem Fasanenweg um ein Jahr zu verlängern. Dieses Instrument soll verhindern, dass vollendete Tatsachen geschaffen werden. Zulässig sind aber weiterhin Vorhaben innerhalb des alten und nach wie vor gültigen Bebauungsplans. „Und möglicherweise gelingt es uns ja auch, den neuen Bebauungsplan schon vor Ablauf der Veränderungssperre unter Dach und Fach zu bringen. Dann wäre die Sperre hinfällig“, erklärte Gebhardt.

Anschließend sollen nach gleichem Muster die sogenannte Nebenerwerbssiedlung und das Gebiet zwischen der Mörfelder Landstraße und dem Ginsterbusch unter die Lupe genommen werden. Gebhardt ist der Meinung, dass die Entwicklung Oberlindens mit neuen Bebauungsplänen in die richtigen Bahnen gelenkt werde. Die Eigentümer sollten vor dem Hintergrund veränderter Wohnbedürfnisse nach Möglichkeit weniger eingeschränkt werden als bisher. Es müssten zukunftsweisende und rechtssichere Antworten gefunden werden, wenn es um die Vergrößerung von Gebäuden, zum Beispiel durch ein zusätzliches Stockwerk, gehe oder um die Stellplatzproblematik. Zugleich solle aber das einheitliche Bild des Stadtteils bewahrt werden und es künftig keine Befreiungen von der Bebauungsplanung mehr geben. Die Kunst der Planer sei es, alles unter einen Hut zu bringen und ein schlüssiges Konzept vorzulegen, das mit den Behörden und den Bewohnern abgestimmt ist.

Oberlinden, 65 Hektar groß, ist ein Stadtteil für rund 5.000 Menschen, der am Reißbrett entstand. Im Dezember 1961 nahmen die ersten Einwohner am Forstring ihre Schlüssel entgegen. Auffallend für die damalige Zeit ist die Vielfalt der Baustile. Es entstanden Reihenhäuser, Bungalows mit Namen wie „Modell Astrid“, Hochhäuer und Gebäude mit Sozial- oder Eigentumswohnungen. Typisch für Oberlinden sind die vielen Grünanlagen, selbst die geschwungene Straßenführung erinnert an die Adern von Blättern. In der Nebenerwerbs-siedlung im Süden fanden heimatvertriebene Landwirte die Möglichkeit, auf ihren Grundstücken einen bäuerlichen Nebenerwerb zu betreiben. Die Siedlung war die größte ihrer Art in Deutschland. Sie galt als vorbildlich und wurde prämiert. Das änderte jedoch nichts an einem grundlegenden Wandel. Die Bewohner nutzen ihre Nebengebäude, die ursprünglich für Hasen und Federvieh gedacht waren, zunehmend als Garagen für ihre Autos.

Auf der Tagesordnung steht die Veränderungssperre im Ausschuss für Umwelt, Bau und Verkehr am Mittwoch, 13. September, und in der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag, 5. Oktober, jeweils 20 Uhr im Rathaus.

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