Aktuelles Rathaus | Slider Startseite

B-486-Ausbau: Magistrat fordert Nachbesserungen

Neues Verkehrsgutachten löst Befürchtungen aus

29.07.2019
Stellungnahme Verkehrsgutachten B 486
Die rechte Spur führt direkt nach Langen hinein und dürfte nach einem Ausbau der B 486 mehr Durchgangsverkehr in die Stadt bringen. Der Magistrat fordert deswegen, dass Hessen Mobil dagegen eine Strategie entwickelt. Foto: Sorger/Stadt Langen

Die Stadt Langen begrüßt ausdrücklich den vierspurigen Ausbau der Bundesstraße 486 zwischen der Autobahn 5 und der Nordumgehung. Der Magistrat macht in einer Stellungnahme an das Regierungspräsidium Darmstadt aber auch eindringlich auf die Schattenseiten aufmerksam und fordert Nachbesserungen bei dem 3,3 Kilometer messenden Bauvorhaben. Hintergrund ist ein neues Verkehrsgutachten, das die Straßenverkehrsbehörde Hessen Mobil vorgelegt hat. Es löst im Rathaus die Befürchtung aus, dass künftig deutlich mehr Autos durch die Wohngebiete fahren werden.

Wie so oft bei Verkehrsprojekten, dauern auch bei der B 486 die Planungen offenbar eine Ewigkeit. Sie reichen inzwischen schon mehr als 50 Jahre zurück. In einem Schreiben teilt das Bundesverkehrsministerium am 9. Januar 1970 dem damaligen Langener Bürgermeister Hans Kreiling mit, dass der Planungsauftrag „bereits“ erteilt sei. Die Planung und Entwurfsaufstellung werde voraussichtlich 1970 abgeschlossen, sodass Anfang 1971 das Planfeststellungsverfahren eingeleitet werden könne. Sofern hierbei und beim anschließenden Grunderwerb keine unerwartenden Schwierigkeiten auftreten würden, sei beabsichtigt, 1972 mit dem Ausbau der B 486 und dem Neubau der Nordumgehung Langen zu beginnen. 

Realität geworden ist bekanntlich nur die Nordumgehung, beim zweiten Projekt findet sich aktuell niemand, der eine Prognose wagt, wann die Baumaschinen vorfahren. Ein kurzer Rückblick: 1981 beispielsweise forderte die Langener Stadtverordnetenversammlung einen vierspurigen Ausbau. Seinerzeit war im Regionalen Raumordnungsplan lediglich von einer Verbreiterung der beiden vorhandenen Spuren die Rede. Nach Einwendungen von Umweltschutzverbänden wegen des Waldverlustes schlug sich auch das Regierungspräsidium Darmstadt auf die Seite der Verfechter dieser kleineren Lösung. Anders der Bund, der die vierspurige Variante 1999 als „Maßnahme des vordinglichen Bedarfs“ einstufte. „20 Jahre später entpuppt sich eine solche Formulierung mehr denn je als eine bloße Worthülse“, kommentiert Erster Stadtrat Stefan Löbig.  

Zum aktuellen Kapitel der schier unendlich langen Planungsgeschichte zählt die jetzt überarbeitete Verkehrsuntersuchung. Aus Sicht der Stadt Langen war sie auch erforderlich.t Denn das bis dato gültige Papier stammte noch aus dem Jahr 2009. „Die darin enthaltenen Verkehrsprognosen stimmen nicht mit den von uns selber ermittelten Werten überein, die viel höher liegen“, sagt Löbig.

Kein Wunder: Die bisher für die Planung verwendeten Zahlen sind längst veraltet. Sie beziehen sich auf das bereits vor der Tür stehende Prognosejahr 2020 und keineswegs ausreicheichend auf den Ausbau des Frankfurter Flughafens. Außerdem geistert noch die schon längst beerdigte Südumgehung Buchschlag in den alten Akten herum und verfälscht das Ergebnis.

„Deswegen begrüßen wir ausdrücklich, dass es nun eine aktualisierte Verkehrsuntersuchung gibt, die die Auswirkungen des Ausbaus für die Stadt Langen realistischer beleuchtet und 2030 als Prognosejahr zugrunde legt“, erklärt Löbig. Innerhalb des vom Regierungspräsidiums eingeleiteten Anhörungsverfahrens hat der Magistrat jetzt seine Stellungnahme abgegeben. „Vor dem Hintergrund eines entsprechenden Beschlusses der Stadtverordnetenversammlung stellen wir den vierspurigen Ausbau nicht in Frage“, hebt Löbig hervor. „Wir machen uns aber größte Sorgen über die negativen Folgen, die das Vorhaben auf den innerstädtischen Verkehr haben wird. Für die Anwohner der Mörfelder Landstraße und der Südlichen Ringstraße könnten sie erheblich sein. Deshalb fordern wir vor allem, den Anschluss der B 486 an die Mörfelder Landstraße so umzubauen, dass der Durchgangsverkehr nicht dazu verführt wird, durchs Langener Stadtgebiet zu fahren.“

Löbig ist allerdings Realist und weiß, „dass kaum Hoffnung besteht, dass Hessen Mobil auf unsere Forderungen eingehen wird“. Der Straßenbaubehörde gehe es dem Grunde nach ausschließlich darum, das derzeitige Verkehrschaos mit den Rückstaus bis zur A 5 zu beseitigen, ohne sich mit der Frage auseinanderzusetzen, mit welchen Alternativen ähnliche Effekte erreicht werden könnten. „Natürlich ist es auch im Interesse der Stadt Langen, die Verkehrssicherheit zu verbessern. Trotzdem können wir nur schwer akzeptieren, dass nun die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt den Preis dafür durch eine Verschlechterung ihrer Wohn- und Lebensqualität zahlen müssen“, meint Löbig.

Der Magistrat appelliert deswegen an Hessen Mobil, die B 486 östlich der Kreisstraße 168 so umzubauen, dass beide Fahrspuren in die Nordumgehung münden. Bisher führt die rechte direkt ins Stadtgebiet. Wer tatsächlich dahin wollte, solle dann bewusst auf eine neu zu bauende, also separate Rechtsabbiegespur fahren. Falls das nicht reicht, fordert der Magistrat eine sogenannte Pförtnerampel, um den auf die Mörfelder Landstraße und die Südliche Ringstraße abfließenden Verkehr zu begrenzen und die damit verbundenen Lärm- und Abgasemissionen in Schach zu halten.  

Überdies plädiert der Magistrat dafür, den Anschluss der Nordumgehung an die Autobahn 661 zu verbessern, zum Beispiel durch eine veränderte Ampelschaltung, eine verlängerte Linksabbiegespur oder einer zusätzlichen Anschlussrampe mit direkter Zufahrt in Richtung Frankfurt. „Auch wenn unsere Forderungen mit höheren Kosten verbunden sind und abseits des eigentlichen Bauabschnitts liegen, sind sie aus Sicht der Stadt Langen unverzichtbar“, betont Löbig.

Zurück