Aktuelles Rathaus | Aktuelles Umwelt und Klima | Aktuelles Bauwesen | Aktuelles Baustellen

Wärmeversorgung im Sinne des Klimaschutzes

Modernes Blockheizkraftwerk für Neubaugebiet Liebigstraße

27.01.2020

Effizient und klimafreundlich – unter diesen Vorzeichen soll das große Neubaugebiet an der Liebigstraße künftig mit Fernwärme versorgt werden. Der Magistrat will dazu ganz im Sinne des Klimaschutzkonzepts der Stadt eine Satzung erlassen. Ziel ist es nach den Worten von Bürgermeister Frieder Gebhardt, durch den Einsatz von moderner Blockheizkraftwerk-Technologie den Ausstoß von Schadstoffen einschließlich klimaschädlichen CO2-Emmissionen im Vergleich zu einer Wärmeversorgung mit herkömmlichen Heizungen zu verringern.

An der Liebigstraße sind auf 28 Hektar Land Wohneinheiten für etwa 3.300 Einwohner geplant. „Da ist eine Wärmeversorgung, die Luftverunreinigungen entgegenwirkt, ein Gebot der Stunde“, erklärt Gebhardt. Die Stadtwerke als Tochterunternehmen der Stadt und selbst mitten in dem Neubaugebiet ansässig seien mit ihrem Know-how der ideale Partner für dieses Projekt. Vorgesehen sei, dass die Zuständigkeit für die Fernwärmeversorgung als „öffentliche Einrichtung“ bei der Stadt verbleibe und „wir somit auf die Modalitäten wesentlichen Einfluss nehmen können“.

Schon jetzt betreiben die Stadtwerke mehrere Blockheizkraftwerke (BHKW) und liefern zum Beispiel im Neubaugebiet Belzborn, an der Elisabeth-Selbert-Allee und im Neurott über Rohrleitungen Energie für Warmwasser und Heizung, erzeugt durch die Kraft-Wärme-Kopplung in BHKWs, in denen Erdgas eingesetzt wird. Diese Technik ist höchst effizient, da ein und derselbe Brennstoff gleich doppelt genutzt wird – einmal zu Heizzwecken durch die Abwärme und einmal zur Stromerzeugung. Außergewöhnlich ist der BHKW-Standort im Lärmschutzwall an der Nordumgehung.

Generell spricht die deutlich bessere Umweltbilanz dafür, Wärme zentral zu erzeugen und ortsnah zu verteilen. Fernwärme und Einzelheizungen verhalten sich ähnlich zueinander wie Bus und Privat-Pkw. Transportiert ein Bus 50 Personen von A nach B, ist dafür nur ein Bruchteil des Treibstoffs nötig, den die Fahrgäste gebraucht hätten, wenn sich jeder selber in sein Auto gesetzt hätte. Ein weiterer Vorteil ist, dass in einem BHKW neben Wärme zugleich auch Strom entsteht und ins Netz der Stadtwerke eingespeist wird. Die dadurch erzielten Einnahmen verringern den Wärmepreis.

An der Liebigstraße wollen die Stadtwerke ein weiteres Blockheizkraftwerk bauen und haben bereits begonnen, Fernwärmeleitungen zu verlegen. Denn diese Art der Energieversorgung ist für die Grundstücke, die das Unternehmen in den vergangenen Jahren direkt an Investoren verkauft hat, vertraglich bereits vereinbart worden, also für das ehemalige Stadtwerke-Areal schräg gegenüber dem Bahnhof und für das sogenannte Rodehau-Gelände. Nun hat der Magistrat eine Satzung über die Fernwärmeversorgung vorgelegt, die zusätzlich auch das nördlich davon gelegene Baugebiet in dieses Konzept mit einbezieht.

Das Papier sieht vor, dass grundsätzlich alle Häuser in dem Viertel ausschließlich mit Fernwärme beliefert werden. Nur wenn nachgewiesen werden kann, dass die Wärmeversorgung durch emissionsfrei erzeugte erneuerbare Energien sichergestellt ist, kann auf diesen Anschluss- und Benutzungszwang verzichtet werden. Gleiches gilt für sogenannte „Null-Energie-Häuser“. Tabu sind auf jeden Fall Kohle-, Koks-, Holz-, Gas- und Ölheizungen. Lediglich mit Holz beheizte Kamine und Kachelöfen, die in erster Linie nicht der Raumheizung dienen, sollen von der Vorschrift unberührt bleiben.

Wie jetzt in Langen vorgesehen, werden Fernwärmesatzungen in vielen Kommunen in Deutschland aus ökologischen und wirtschaftlichen Gründen genutzt, zum Beispiel in Frankfurt für den Riedberg und in Wiesbaden für das dortige Europaviertel. Rechtsgrundlage dafür ist die Hessische Gemeindeordnung.

Laut Gebhardt ist eine derartige Satzung sowohl im Interesse der Stadt als auch ein Anliegen der Stadtwerke. Sie sei aber auch vorteilhaft für die Investoren und die künftigen Bewohner des Baugebiets. Die Fernwärmeversorgung aus modernen Blockheizkraftwerken sei ein wichtiger lokaler Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz. „Heizwärme und Warmwasser werden mit geringerem Energieeinsatz und niedrigeren Emissionen erzeugt. Die Kriterien des Gesetzes zur Förderung Erneuerbarer Energien im Wärmebereich und der Energieeinsparverordnung werden erfüllt“, bilanzierte der Verwaltungschef.

Nach den Worten von Stadtwerke-Direktor Manfred Pusdrowski trägt der Anschluss vieler Liegenschaften zur wirtschaftlichen Auslastung der neu verlegten Fernwärmeleitungen bei und garantiert den Kunden komfortable Versorgungssicherheit zu langfristig angemessenen Preisen eines kommunalen Stadtwerks mit öffentlicher Kontrolle. Mögliche Vorbehalte wollten die Stadtwerke durch eine umfangreiche Informations- und Aufklärungsarbeit und eine transparente Preispolitik entkräften.

Die Satzung steht am Donnerstag, 30. Januar, auf der Tagesordnung des Haupt- und Finanzausschusses und liegt am Donnerstag, 19. März, der Stadtverordnetenversammlung zur Beschlussfassung vor.

Zurück