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Modell „Astrid“ heute nicht mehr salonfähig

Neuer Bebauungsplan fürs „Vogelviertel“ in Oberlinden

25.02.2019
Bebauungsplan Oberlinden
Der Blick aufs „Vogelviertel“ zeigt, dass sich einige Bungalows bereits verändert haben. Bild: Axel Häsler

Es ist ein Wohngebiet aus einem Guss, beliebt, ruhig und teils mit autofreien Wegen. Doch Langens grüner Stadtteil Oberlinden – einst als Mustersiedlung geplant und gebaut – hat auch seine Schattenseiten. Das mehr als 60 Jahre alte Konzept stößt an seine Grenzen, wenn es um den Wohnbedarf der heutigen Generation geht. Egal ob Reihenhaus oder Bungalow – vielen fehlt der Platz. Andere wiederum würden am liebsten alles so belassen wie es ist. Dazwischen steht die Stadt, die mit ihrer Bauleitplanung versucht, einen Königsweg zu finden, mit dem alle leben können.

„Vor allem bei Eigentümerwechseln und bei jungen Familien ist der Wunsch groß, sich räumlich zu erweitern“, sagt Bürgermeister Frieder Gebhardt. In der Vergangenheit seien vereinzelt Genehmigungen für Anbauten, andere Dächer oder zusätzliche Stockwerke erteilt worden. Diverse Anfragen lägen aktuell auf dem Tisch. Zum Teil gingen sie weit über die Festsetzungen der rechtskräftigen Bebauungsplanung hinaus.

„Unser Ziel ist ganz klar“, betont der Verwaltungschef. „Wir wollen keinen Wildwuchs, aber behutsame Veränderungen ermöglichen.“ Es müsse ein Kompromiss gefunden werden, zwischen den Wünschen der Bewohner nach Erweiterungen auf der einen und dem Erhalt des Charakters der Wohnstadt auf der anderen Seite.

Daran arbeitet der Magistrat schon seit geraumer Zeit. Nach und nach sollen mehrere neue Bebauungspläne aufgelegt werden, die das gesamte Oberlinden abdecken. Als erster Abschnitt war das Gebiet zwischen dem Buchenhain und dem Fasanenweg (unterhalb der Nebenerwerbssiedlung) vorgesehen. Dazu gab es bereits einen Bürgerinfoabend mit zahlreichen Anregungen und Verbesserungsvorschlägen seitens der Bewohner. Die Stadtplanung im Rathaus hat den Entwurf daraufhin überarbeitet und jetzt dem Magistrat vorgelegt. Allerdings in abgespeckter Form.

Der Abschnitt mit der Straße „Im Buchenhain“ (östlich der K 168) wurde zurückgestellt, weil dort der direkt an die Hinterseite der Häuser angrenzende Wald, der laut Landesverordnung als Schutzwald ausgewiesen ist, Anbauten verhindert. „Die Bäume wachsen unmittelbar vor den Schlafzimmerfenstern und die Grundstücke sind viel kleiner als am benachbarten Rotkehlchenweg“, beschreibt Gebhardt die Situation. „Hier müssen wir weiter ausloten, was rechtlich möglich und stadtplanerisch sinnvoll ist.“

Für das „Vogelviertel“ (Meisen-, Finken-, Amsel-, Fasanen- und Rotkehlchenweg) südlich des Buchenhains sieht die Neuauflage des Bebauungsplans generell die Möglichkeit vor, auf zwei Geschosse aufzustocken und die Häuser moderat in der Fläche zu vergrößern. Der Magistrat hält das für adäquat und geboten für die Bedürfnisse künftiger Generationen, ohne dass der Geist der „Gartenstadt“ verloren geht. Am 20. März wird sich der Ausschuss für Umwelt, Bau und Verkehr mit der Vorlage befassen, am 11. April kann die Stadtverordnetenversammlung die Offenlage des Entwurfs beschließen. Danach wird der Magistrat – voraussichtlich im Mai – die Planung in einer abermaligen Bürgerinformationsveranstaltung vorstellen und mündliche Anregungen aufnehmen. Schriftliche Stellungnahmen können anschließend innerhalb der öffentlichen Auslegung eingereicht werden.

Wenn der Teilabschnitt unter Dach und Fach ist, will der Magistrat nach und nach das gesamte Oberlinden planungstechnisch für die Zukunft fit machen. In dem 65 Hektar großen Stadtteil leben rund 5.000 Menschen. Ende 1961 nahmen die ersten Bewohner am Forstring ihre Schlüssel entgegen. Auffallend für die damalige Zeit ist die Vielfalt der Baustiele. Es entstanden Reihenhäuser, Bungalows mit Namen wie „Modell Astrid“, Hochhäuser und Gebäude mit Sozial- oder Eigentumswohnungen. Typisch für Oberlinden sind die vielen Grünanlagen, selbst die geschwungene Straßenführung erinnert an die Adern von Blättern. In der sogenannten Nebenerwerbssiedlung im Süden fanden heimatvertriebene Landwirte die Möglichkeit, auf ihren Grundstücken eine kleine Landwirtschaft zu betreiben. Die Siedlung war die größte ihrer Art in Deutschland. Sie galt als vorbildlich und wurde prämiert. Das änderte jedoch nichts an einem grundlegenden Wandel. Die Bewohner nutzen ihre Nebengebäude, die ursprünglich für Hasen und Federvieh gedacht waren, längst für andere Zwecke, so als Garagen für ihre Autos.

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