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Freie Fahrt über die Bahnbrücke

Punktlandung bei Sanierungs-Megaprojekt

18.12.2018

Die Geduld der Autofahrer wurde ausgesprochen lange auf die Probe gestellt. Doch jetzt ist wieder freie Fahrt, seit Bürgermeister Frieder Gebhardt und Manfred Pusdrowski, Leiter der Kommunalen Betriebe, am Mittwoch (19. Dezember) um 15.30 Uhr symbolisch die letzten Barrieren aus dem Weg geräumt haben: Über die Bahnbrücke, die die Südliche Ringstraße und die Mörfelder Landstraße miteinander verbindet, rollt dann erstmals seit acht Monaten der Verkehr. Nur Radfahrer müssen sich noch gedulden. Seit Anfang April war die wichtigste innerörtliche Ost-West-Verbindung im Sanierungsmodus und deswegen gesperrt. Täglich rund 20.000 Fahrzeuge wurden umgeleitet: im Wesentlichen über die Nordumgehung, den Tunnel am Ende der Liebigstraße und über Egelsbach (K 168). Manche nutzten wahrscheinlich verstärkt ihr Fahrrad, um schnell von der einen auf die andere Seite der Bahn zu gelangen.

Gebhardt kann sich nicht erinnern, dass es in den vergangenen Jahrzehnten einen derart gravierenden Eingriff in die städtische Infrastruktur gegeben hat. Doch für die Sanierung der Brücke gab es keine Alternative. Nach rund 50 Jahren Betriebsdauer nagte an dem Bauwerk buchstäblich der Zahn der Zeit. Durch Risse war Wasser in den Beton eingedrungen, Abplatzungen drohten herunterzufallen und Schaden anzurichten, Teile des Bewehrungsstahls hatten Rost angesetzt. „Wir mussten handeln und haben den Bauablauf akribisch geplant und vorbereitet“, sagt Gebhardt.

Dabei galt es vor allem auch, weit im Vorfeld Absprachen mit der Deutschen Bahn AG zu treffen, die im Zuge der Anhebung und dann wieder bei der Absenkung der Brücke vorübergehend den Zugverkehr auf einer ihrer Hauptstrecken einschränken musste. „Das Projekt war allein schon wegen der Terminkoordination ein ganz schön kompliziertes Unterfangen“, betonte der Bürgermeister und sprach allen Beteiligten seine Anerkennung für die professionelle Arbeit aus, die stellenweise rund um die Uhr geleistet worden sei. „Heute können wir mit Freude sagen, dass es weder Pannen noch Unfälle gegeben hat.“

Weitgehend ausgeblieben ist zudem das befürchtete Verkehrschaos. „Anfangs hatten wir die größten Befürchtungen und alle möglichen Szenarien in der Schublade. Doch die konnten zubleiben. Es lief unterm Strich eigentlich alles recht geräuschlos und ohne nennenswerte Zwischenfälle, auch wenn es im Berufsverkehr an manchen Stellen mitunter nur im Schritttempo voranging“, bilanzierte Gebhardt und dankte den Autofahrern für ihre Einsicht. Er lobte obendrein die Gemeinde Egelsbach und ihre Feuerwehr für die Unterstützung der Langener Rettungskräfte. Die Egelsbacher standen für Einsätze zum Beispiel in Oberlinden bereit, weil sie den Stadtteil womöglich schneller erreichen konnten. Die Langener Wehr hatte sogar ein provisorisches Einsatzzelt an die Westseite der Bahn gestellt, um hier ein Fahrzeug vorzuhalten.

Als die Sanierungsarbeiten vor einem Dreivierteljahr begannen, hatten die Fachleute von KBL – in Händen der Kommunalen Betriebe lag die Bauleitung - und das beteiligte Planungsbüro bereits den Fertigstellungtermin 19. Dezember fest im Visier. Ihn einzuhalten, war laut KBL-Chef Pusdrowski ein „durchaus sportliches Unterfangen“. Tatsächlich stand die termingerechte Freigabe bis zum Schluss auf der Kippe. Praktisch erst im letzten Moment gaben die Baufirma und der Prüfingenieur grünes Licht für die Punktlandung.

Fraglich war, ob das Wetter mitspielt, um den neuen Asphalt aufzubringen. Das hat dann aber noch geklappt. Nur bei den Markierungen haperte es. Vorhanden ist vorerst lediglich eine gelbe Mittellinie. Die endgültige Markierung inklusive der roten Radwege an beiden Seiten wird nach KBL-Angaben erst im Frühjahr machbar sein, wenn es trocken ist. Deshalb ist die Brücke bis dahin für Radler tabu.

Letztlich entscheidend für die Freigabe des Verkehrs war, dass der Prüfingenieur sein Okay für die aktuell nur provisorisch eingebauten Lager auf den vier Pfeilern gegeben hat, auf denen das Bauwerk ruht und die Schwankungen ausgleichen. „Das Provisorium schränkt die Sicherheit nicht ein“, gibt Pusdrowski die Aussage des Ingenieurs wieder. Voraussichtlich im Frühjahr erfolgt der Austausch mit sogenannten Karlottenlagern, die noch speziell für die Brücke angefertigt werden müssen.

Die provisorischen Lager bildeten die finale Episode der möglichen Unwägbarkeiten, die den Sanierungsablauf begleiteten. „Es ist wie bei einem alten Haus, bei dem niemand weiß, welche Geheimnisse es birgt, wenn man es von Grund auf instand setzt“, meinte Pusdrowski. Die Bahnbrücke hat inzwischen ein halbes Jahrhundert auf ihrem 94 Meter langen Buckel. Niemand konnte in den Beton hineinschauen, um das Innenleben zu bewerten. Und so zeigte sich am Ende, dass mehr gemacht werden musste als ursprünglich vorgesehen. Zu den Überraschungen zählte, dass die alten Pläne aus der Entstehungszeit des Bauwerks nicht in allen Punkten mit der Realität übereinstimmten. Die Zusatzarbeiten wie an den Fundamenten, den Gerüsten und an den Festhaltekonstruktionen schlagen sich jetzt auch auf der Kostenseite nieder.

Vorsorglich hat der Magistrat wegen Nachforderungen der Baufirma die ursprünglich veranschlagten 1,6 Millionen Euro im Nachtragshaushalt um weitere 1,2 Millionen aufgestockt. Wie viel Geld die Stadt aber tatsächlich noch zusätzlich ausgeben muss, ist zur Stunde völlig offen. „Die Verhandlungen mit der Baufirma sind am Laufen, ein Ende nicht in Sicht. Wir hoffen, dass das jetzt im Raum stehende Plus tatsächlich deutlich geringer ausfallen wird“, teilte Pusdrowski mit.

Insgesamt bescheinigte er dem Unternehmen Leonhard Weiss aus Langen eine sehr gute Leistung. Die für den Laien spektakulärsten Aktionen waren zweifellos das Anheben und Absenken des 1.500 Tonnen schweren Kolosses im Mai und im Oktober. Um anderthalb Meter musste er zunächst in die Höhe gehievt werden, denn im Ist-Zustand konnten die Arbeiten wegen des zu geringen Abstands zu den Oberleitungen der Bahn nicht realisiert werden. Um gefahrlos von einem Hängegerüst aus an dem Beton Hand anzulegen, wurde die Brücke mit 24 Pressen, die wie Wagenheber funktionierten, nach oben bugsiert. Um sie anschließend auch in der Längs- und Querrichtung stabil zu halten, wurde sie an den Enden durch Stahlvorrichtungen gesichert. Früher als ursprünglich vorgesehen ging es vor dem Hintergrund geänderter Terminvorgaben der Bahn im Oktober wieder bergab.

Nachdem der Beton an der Brückenunterseite wieder auf Vordermann gebracht war und unter anderem die Entwässerung erneuert und Notwege angelegt wurden, rückten vor wenigen Tagen die Teerfahrzeuge mit frischem Asphalt an. Kurz vor der Freigabe wurden dann die noch fehlenden Glaselemente an den Geländern installiert, ebenso Leitplanken und die Straßenlampen. Im neuen Jahr müssen neben den Markierungen und dem Einbau der endgültigen Lager zum Beispiel noch die Geländer lackiert werden. Wegen der Restarbeiten ist die Friedensstraße unter der Brücke zunächst bis 31. Januar weiter gesperrt.

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